Dienst für Arme und Bedrängte

Stadtpfarrer Alfons Kaufmann (links) bedankte sich bei Dr. Bernhard Bleyer. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
20.08.2015
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"Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist , weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist". Wer mag das gesagt haben?

(bgl) Dieses Zitat stammt vom ersten großen Apostolischen Schreiben (2013) des jetzigen Papstes Franziskus. Franziskus stellt sich mit seiner Vorstellung einer "Kirche der Armen" in eine Tradition, die in der jüngeren Geschichte der Kirche vom Zweiten Vatikanischen Konzil über die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. bis ins Heute reicht.

Verhältnis der Kirche

Dr. Bernhard Bleyer, Akademischer Rat an der Universität Regensburg, befasste sich bei seinem Vortrag in der Stadtpfarrkirche St. Johannes anlässlich der Jubiläumsfeier zur Kirchenerweiterung vor 50 Jahren intensiv mit der damaligen Diskussion zum Thema "Kirche der Armen". Die Frage, wie das Verhältnis der Kirche zu den gesellschaftlich ausgeschlossenen Gruppen zu bestimmen sei, prägte schon die Debatten der ersten Tage des weltweit größten Konzils der Katholischen Kirche, so der Referent. Bereits drei Monate vor Konzilsbeginn hatte Papst Johannes XXIII. in einer Radiofunkbotschaft an die Katholiken der Welt einen vernehmbaren Akzent gesetzt, als er sagte: "Gegenüber den unterentwickelten Ländern erweist sich die Kirche als das, was sie ist und sein will, die Kirche aller, vornehmlich die Kirche der Armen."

Untergeordnete Rolle

Papst Paul VI. nahm dieses Anliegen auf und richtete an eine Gruppe von Bischöfen, die sich den Namen "Kirche der Armen" gegeben hatten, die Bitte, die Konzilsbeschlüssen auf ihren Bezug zur Armutsthematik zu prüfen. Im November 1964 übersandte der Kardinal von Bologna Lercaro die erbetene Stellungnahme mit dem Hinweis, "dass es unter den katholischen Christen noch an Vorarbeiten zur Frage der Armut mangle". Letztlich, so das Resümee von Dr. Bleyer, spielte im Konzilsverlauf die Verhältnisbestimmung von Kirche und Armut eine doch recht untergeordnete Rolle.

Papst Paul VI. selbst war es jedoch, der in seiner Predigt zum Abschluss des Konzils am 7. Dezember 1965 den Satz formulierte: "Um Gott zu erkennen, müssen wir den Menschen kennenlernen" - besonders den Menschen, der unter existentiellen Schwierigkeiten vor der Herausforderung stehe zu überleben. Wer heute die Texte von Papst Franziskus lese, wer seine Reisen nach Jordanien und Israel oder nach Lampedusa verfolgt habe, sehe deutlich, dass der Papst diese oft vergessene Tradition der "Kirche der Armen" neu beleben und weiterführen möchte.

Zusammenfassend formulierte der Theologe die Erkenntnis: "Die Kirche ist da, um Leben, Kreuz und Auferstehung Christi in der Welt vergegenwärtigend zu bezeugen - in höchster Form tut sie dies in der Feier der Eucharistie und im Dienst zugunsten des von Not Bedrängten und Armen."
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