Ein Prinz für alle Fälle

Auch der Anspruch an die Kostüme steigt. Im Büro der Tanzgruppe zeigt eine Fotowand, was in den vergangenen Jahren angesagt war. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
30.01.2015
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Ein Hit und ein paar Pirouetten reichen schon lange nicht mehr. Perfekt im Takt, mit prächtigen Kostümen, als i-Tüpfelchen ein Lächeln im Gesicht: So serviert die Tanzgruppe Grün-Weiß ganze Geschichten. Hinter dieser ausgeklügelten Präzision steckt auch ein kluger Kopf.

Früher war Karate sein Metier, doch seit 25 Jahren hat ihn der Fasching fest im Griff - und mit jeder Saison kommt Michael Welnhofer dem "schwarzen Gürtel" im Organisieren ein Stück näher. 86 aktive Tänzer umschwirren ihn in dieser Saison und mit ihnen jede Menge kleiner und großer Probleme, rund um den Sport, die Schule oder die große Liebe. Unerbittlich rückt in jedem Jahr die Zeit der großen Auftritte näher. Die Garde soll im exakt gleichen Rhythmus die Beine möglichst hoch in die Luft schwingen.

Profis als Maßstab

Die Showtänzer müssen sich darauf einstellen, mit Akteuren aus dem Fernsehen verglichen zu werden. Ansprüche beim Publikum an Kostüm und Kulisse steigen. "Für mich ging es nie darum, beim Feiern in der Bar zu versinken, da stand immer der Tanzsport im Vordergrund", sagt Welnhofer und ist sich bei allem Druck auch sicher: "Das Publikum honoriert eine gute Leistung."

Längst baut Welnhofer als Präsident der Arbeiterwohlfahrt-Faschingsgesellschaft und Vorsitzender der Tanzgruppe auf ein eingespieltes Trainer-Team. "Ich bin ja selbst tänzerisch eher unbegabt, das geht schon beim Klatschen los", gesteht er mit einem Schmunzeln.

"Mein Vorteil ist, ich kann organisieren, kann vermitteln, wenn Fingerspitzengefühl gefragt ist." Und das tut Welnhofer mit Leidenschaft, seit ihn damals, 1990 seine Frau, eine leidenschaftliche Tänzerin, zum Engagement in der närrischen Jahreszeit bewegt hat. Damals lag der Fasching in Oberviechtach schon seit 37 Jahren in einem ausgedehnten Winterschlaf. Die Zeiten, als Welnhofers Vater sich hier engagiert hatte, waren fast in Vergessenheit geraten. Die erste Aktion: ein Sturm aufs Rathaus an Weiberfasching.

Familiensache

Ab da führte der Weg für den Fasching wieder bergauf, inzwischen gibt es elf Tanzgruppen, von den Bambini bis zur Ü-15-Truppe. "Damals ging es mir in der Familie darum, mit den Kindern etwas gemeinsam zu machen", sagt der heute 55-Jährige. Das ist ihm gelungen: Von den inzwischen erwachsenen Kindern kümmert sich Sohn Nikolai um die Tontechnik, die Töchter Stella, Simone und Laura sind als Trainerinnen aktiv.

Kein Wunder, dass der Papa manchmal ein "Thema-Verbot Fasching" verhängen muss, um am Tisch den Familienfrieden zu sichern. Denn die Debatte ums nächste Motto hat schon begonnen, bevor die aktuelle Show über der Bühne ist. "Da sind die Ideen noch frisch", weiß Welnhofer. Cowboys und Hexen gelten inzwischen als "Notlösung", auf dem Tanzparkett wird lieber eine Unterwasserwelt heraufbeschworen oder in die Gefilde von Robin Hood entführt. "Das hat Ausstrahlung", meint der Fachmann und erzählt, wie gute Choreographie entsteht: auf einem Schachbrett, wo jeder Tänzer in der Formation mal ganz nach vorne rücken sollte. "Mit jedem Thema den Nerv des Publikums zu treffen, das ist ganz schön schwierig", seufzt Welnhofer, der auch nach 25 Jahren an vorderster Front die Arbeit mit den Kindern am meisten schätzt.

Ersehnter Dienstag

"Faschingsmüde" ist Welnhofer jedenfalls nicht, obwohl es Zeiten gibt, wo er "den Dienstag herbeisehnt", den Faschingsdienstag natürlich. "Mit dem Alter braucht man einfach längere Erholungsphasen", sagt der Vorsitzender der Tanzgruppe, der bei den Auftritten grundsätzlich lieber mit alkoholfreiem Bier oder Orangensaft anstößt.

"Solange mich die Leute mögen, bleibe ich dem Präsidentenamt treu", verspricht der 55-Jährige. Immerhin gewinnt er mit jedem Jahr an Erfahrung. "Nur Faschingsprinz war ich nie, das fehlt in meiner Sammlung."
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