"Ein unbequemer Mahner"

Das Führungsteam mit Dr. Karl Heinz Foißner, Robert Heller, Max Zwack und Siegfried Rossmann (von links) will im Gewerbeverband einem "Abstieg Oberviechtachs als Handels- und Dienstleistungsstandort" entgegen wirken. Bild: hfz
Lokales
Oberviechtach
18.08.2015
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Einbahnstraße, Baustellen und jetzt auch noch eine Ampel: Das stößt dem Gewerbeverband sauer auf. Die Mitglieder befürchten einen Abfluss der Kaufkraft.

Der Gewerbeverband im Bund der Selbstständigen (BdS) sparte bei der Mitgliederversammlung im "Grünen Gut" in Pullenried nicht mit Kritik. Der neue Bezirksgeschäftsführer André Jantzi und Landesschatzmeister Alfred Schweiger verwiesen darauf, dass der Bund der Selbstständigen einer der wenig verbliebenen echten Vertreter mittelständischer Interessen ist.

Der Einsatz dafür stehe neben vielen weiteren Verbandsvorteilen wie einer kostenfreien Rechtsberatung, verbilligtem Fahrzeug-Einkauf, günstigeren Gema-Gebühren, Versicherungen und vielem mehr im Mittelpunkt der Verbandsarbeit. Vorsitzender Siegfried Rossmann berichtete von der lokalen Arbeit und den großen Schwierigkeiten der Wirtschaft, Gehör in der Stadtpolitik zu finden. Der Gewerbeverband habe in den vergangenen Jahren in verschiedenen Arbeitsgruppen, beispielsweise im Arbeitskreis Wirtschaft der LAG, im Agenda-Prozess oder zur Altstadtsanierung, mitgearbeitet.

Kein Gehör gefunden

Zu diversen lokalen Wirtschaftsthemen wurden klare Empfehlungen abgegeben, die aber wenig oder gar kein Gehör gefunden hätten. Besonders für die Innenstadt sei dies bedauerlich, denn trotz gegenteiliger Beteuerungen habe die Lokalpolitik in den vergangenen Jahren entscheidend zu den Problemen der Innenstadt beigetragen.

Die Einführung von Dauerparkern, die Einbahnstraße, lange Komplettsperrungen mit Dauerbaustellen und zuletzt die "Drangsalierung der Autofahrer durch den Ampelbau" trieben die Kunden systematisch aus der Stadt. Allein in den letzten drei Jahren sei so ein Drittel der Verkaufsfläche in der Innenstadt verloren gegangen. Der Kaufkraft-Zufluss nach Oberviechtach breche weiterhin massiv ein. Statt die gescheiterte Politik zu überdenken, werde aber ein Gespräch mit der Wirtschaft, wie beispielsweise über die neuen Ampeln, vom Bürgermeister als Zeitverschwendung bezeichnet. Gerade diese Ampelanlage, eingeführt wegen des neuen Drogeriemarkts, werde noch mehr Autofahrer aus dem Hinterland zum Umfahren Oberviechtachs veranlassen und den Standort weiter schwächen, so die Befürchtung der Geschäftsleute.

Die "Konzept- und Hilflosigkeit dieser Lokalpolitik" ließe sich auch mit den "aus Stiftungsgeldern missfinanzierten Einzelmaßnamen" nur schwer übertünchen. In erfolgreichen Gemeinden und Kreisen fände ein enger Kontakt von Politik und Wirtschaft zum Wohle aller statt. Solange hieran in Oberviechtach kein Interesse bestehe, bleibe dem Gewerbeverband nur der Ruf des unbequemen Mahners. Dies umso mehr als viele Gewerbetreibende nirgends anecken wollten und deshalb lieber im Stillen die vielen Fehlentwicklungen hinnähmen, als auch außerhalb eines geschlossenen Forums ihre klare Position und Sorgen vorzutragen.

Nach einem sehr gelobten Essen aus regionalen Produkten wurde in einer regen Diskussionsrunde erneut die als überflüssig betrachtete Ampelregelung und der mangelnde Informationsfluss zum Kreisverkehr an der früheren AOK besprochen. Die "unrentable Anlage von Geldern der Schwarzstiftung in Immobilien" wurde kritisiert.

Ideen trotz "Blockade"

Es wurden Ideen gesucht, trotz der "lokalpolitischen Blockade einer Zusammenarbeit mit dem Mittelstand", dem weiteren Abstieg Oberviechtachs als Handels- und Dienstleistungsstandort entgegenzuwirken. Eine engere Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte mit dem befreundeten Wirtschaftsforum wurden dazu angeregt.
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