Einfache Sätze, Fotos und Musik helfen beim Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen
Mit Geduld die Würde wahren

Professor Dr. Thomas Henze vom Reha-Zentrum Nittenau kennt nicht nur die Symptome der Demenz, sondern auch ein paar Tricks, um besser mit der Erkrankung umzugehen. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
15.10.2014
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"Ist Demenz die neue Volkskrankheit?" So lautete das erste Thema in der dreiteiligen Vortragsreihe, die der Sozialverband VDK zusammen mit der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Schwandorf anbietet. Professor Dr. Thomas Henze vom Reha-Zentrum Nittenau hatte erste Antworten.

Die steigende Lebenserwartung birgt das Risiko, dass Demenzerkrankungen zunehmen. Zwei von drei Menschen leiden angeblich an einer Alzheimer-Demenz, Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Den damit verbundenen Ängsten begegnen und über Symptome und Therapiemöglichkeiten informieren wollten die Referenten im Alten- und Pflegeheim. Am Schluss hatten sie viele Fragen zu beantworten.

Zunächst erklärte der Experte den Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und Demenz und gab Empfehlungen zum Umgang mit dementen Patienten. Typische Symptome bei einer beginnenden Demenz seien Konzentrationsstörungen, Überforderungsgefühle und rasche Erschöpfbarkeit sowie Depressivität mit Antriebsarmut, Interesselosigkeit und Angstgefühle.

Im fortgeschrittenen Stadium zeige sich oft eine gestörte Orientierung in Raum und Zeit, eine fehlende Motivation zur Versorgung des Haushalts, Vernachlässigung der Körperpflege und ein gestörtes Sozialverhalten. Bei schwerer Demenz seien die Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt und eine ständige Betreuung und Pflege sei notwendig.

"Ein Demenzkranker selber bemerkt zwar die Vergesslichkeit, nicht aber den Verlust höherer Funktionen", erklärte Professor Dr. Henze. Er bagatellisiere die Funktionsstörungen mit: "Ist nur das Alter" oder "Nicht so schlimm, trifft doch jeden". Dabei seien das Verlegen wichtiger Gegenstände des täglichen Gebrauchs, das häufige Wiederholen von Fragen, oder die Wortfindungsstörungen in der Alltagssprache und Minderung der Sprachflüssigkeit an der Tagesordnung.

Behandelt könne die Demenz werden durch eine psychosoziale oder medikamentöse Therapie. Auch ein Aktivierungstraining oder einer Angehörigenbetreuung seien möglich. Dabei sei die nichtmedikamentöse Therapie die bessere, betonte der Neurologe am Reha-Zentrum Nittenau: "Regelmäßige Bewegung ist gut für Körper und Geist". Dabei hat auch das alte Sprichwort "Wer rastet der rostet" seinen Sinn.

Eine Reihe von Ratschlägen und Tipps zur Therapie fügte er an, zum Beispiel für die Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Man sollte aber auf eine sorgfältige Balance zwischen Über- und Unterforderung achten und unbedingt die Würde des erkrankten Menschen wahren. Er empfahl, sich mit dem erkrankten Menschen unterhalten, mit ihm gemeinsam Fotos anzuschauen, nur kurze und einfache Sätze zu sprechen und eine geduldige, verständnisvolle Haltung einzunehmen. Angehörige sollten außerdem für ausreichendes Trinken sorgen. Auch Musik könne Freude und Entspannung erzeugen. Ruhen und Bewegen seien dabei zwei wichtige Faktoren im Leben des Patienten.

Zusammenfassend legte Professor Dr. Thomas Henze den betreuenden Angehörigen nahe, die Demenz nicht als Tabu-Thema zu sehen und mit der Behandlung möglichst früh zu beginnen, denn der Schweregrad bestimme das Therapieziel und die Behandlungsdauer.
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