Exoten mit samtweicher Haut

Wer mutig ist, darf die Königspython auf den Arm nehmen.
Lokales
Oberviechtach
03.08.2015
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Reptilienfachmann Manfred Werdan legt Wert darauf, dass er keine Tierschau bietet, sondern Biologieunterricht zum Anfassen. Den Zuhörern Schlangen um den Hals zu hängen, ist daher für ihn eine Unmöglichkeit. Ihm geht es bei seinem Vortrag am Gymnasium um mehr als nur Show.

"Igitt, die sind ja ecklig!" Diese Einschätzung revidierten die Schüler der sechsten und achten Klassen des Ortenburg-Gymnasiums Oberviechtach (OGO) schnell. Schlangen, Chamäleons, Lurche und "alles, was so kreucht und fleucht", brachte Reptiliensachverständiger Manfred Werdan nämlich gleich mit zum etwas anderen Biologieunterricht.

90 Minuten lang erklärte und zeigte Werdan seine giftigen und ungiftigen Lieblinge als Botschafter für mehr Verständnis und den Abbau von Vorurteil und Grusel gegenüber Reptilien und Gliedertieren. Eine spannende Sache für alle Sechst- und Achtklässler des Gymnasiums.

Eher skeptisch blicken die Mädchen und Jungen auf den Tisch in der Mensa. Ein Axolottl plantscht da in einem kleinen Becken. Der Reptilien-Fachmann greift in seine große Holzkiste, um den ersten von vielen Säcken herauszuholen. Was da drin ist, ist den Kindern klar: Schlangen!

Neugier siegt

Die Neugier siegt über mögliche Vorurteile, und nachdem Werdan einiges erzählt hat, angefangen von Schlangen in der Mythologie, deren Entwicklung und jeweilige Abstammung, klingt der Name einer Python schon gar nicht mehr so gefährlich. Vor allem, wenn das Tier sich streicheln lässt und gar nicht glitschig und eklig ist, wie sich dann herausstellt, sondern samtweich und angenehm warm. Da merkt man sich gleich besser, warum Schlangen wechselwarme Tiere sind und was es damit auf sich hat. Der Tier- und Artenschutz liegt dem Altöttinger Fachmann sehr am Herzen. Er verdeutlicht, dass Starterkits mit kleinen Terrarien aus dem Baumarkt eigentlich keine artgerechte Haltung ermöglichen. Er legt auch viel Wert darauf, keine Tierschau zu präsentieren, sondern jede Art genau zu erklären und damit "einen lebendigen Biologie-Unterrricht" zu bieten. Mit der europäischen Hornviper in der Hand erklärt der Sachverständige, wie sich Schlangen fortpflanzen - entweder Eier ausbrüten oder lebend gebären - und was so eine Königspython unternimmt, wenn sie einmal friert.

Dass eine Chamäleon-Zunge nicht klebrig ist, sondern geschickt Insekten, die sie erwischt, einklemmt, war für viele ebenfalls neu. Ebenso alles über den Blauzungenskink und warum man zum Beispiel Schildkröten und andere Tiere erst halten sollte, wenn man sich das vorher mit der Arbeit und dem Platz gut überlegt hat.Für die Achtklässler hat Werdan vor allem Insekten und Gliedertiere dabei. So erklärt er am "Wandelnden Blatt" und der "Stabheuschrecke" die perfekte Anpassung der Insekten an die Natur vor Fressfeinden, was in der Fachsprache als Mimese bezeichnet wird. Besonders beeindruckend sind neben einem Tausendfüßler, der sich mit seinen vielen Beinpaaren wie ein Klettverschluss auf der Haut anfühlt, vor allem die Spinnentiere. Beeindrucken konnte Werdan die Schüler vor allem auch mit der Information, dass es bei Skorpionen und Vogelspinnen ganz natürlich ist, wenn die Männchen von den Weibchen nach der Begattung gefressen werden. Als Sachverständiger der Regierung von Oberbayern für Reptilien und Amphibien wird Werdan auch einmal von Zoll, Polizei oder Feuerwehr um Rat gefragt, wenn geschmuggelte Tiere auftauchen oder vermeintliche Tierliebhaber überprüft werden.

Wissen aufgefrischt

Biologielehrerin Maria Zehmann freute sich darüber, dass die Kinder ihr Biologiewissen mit so viel Freude und Eifer zum Schuljahresende nochmals auffrischen konnten. Das Highlight war für die Schüler, als sie zum Abschluss des fachmännischen Vortrags die verschiedenen Reptilien, Insekten und Gliedertiere selbst auf die Hand nehmen und tragen durften: ein Biologieunterricht zum Anfassen.
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