Experten informieren über Unterstützung für pflegende Angehörige
Wenn der Geist verloren geht

Der VdK-Ortsvorsitzende Peter Fugmann (rechts) freute sich über das Interesse der Zuhörer. Mitarbeiter des Sanitätshauses Tiedeken hatten Hilfsmittel, insbesondere Inkontinenzprodukte, für die Pflege dementer Menschen im häuslichen Bereich ausgestellt. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
28.10.2014
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Betreuungsgruppen, Treffs für Angehörige und auch Helferkreise bieten Unterstützung an. Denn wenn bei Partnern oder Eltern eine Demenz diagnostiziert wird, dann bringt das den Alltag der gesamten Familie durcheinander.

Pflegende Angehörige brauchen Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Welche Leistungen die Pflegekassen bezahlen und wo es Entlastungsangebote im Landkreis gibt, darüber informierten Experten im Mehrzweckraum des Seniorenheims beim dritten Vortragsabend des VdK und der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Schwandorf.

70 Prozent Frauen

"Demenzerkrankungen nehmen zu", berichtete Regina Suttner von der Lebenshilfe Schwandorf. Alleine in Deutschland sind demnach 1,4 Millionen Menschen betroffen. Davon sind 70 Prozent Frauen. Von den Erkrankten werden 60 Prozent zu Hause versorgt und betreut. Die Bezeichnung "Demenz" beinhaltet die Definition "Der Geist geht verloren". Die Krankheit beginnt schleichend und macht sich zunächst beim Kurzzeitgedächtnis bemerkbar.

Dabei können zum Beispiel Wortfindungs- und Sprachstörungen, Unruhe und ein eingeschränktes Urteilsvermögen auftreten. Bei derartigen Kennzeichen sollte zunächst der Hausarzt zu Rate gezogen werden, der nächste Weg geht dann zum Neurologen. Dann sollte mit der Pflegeversicherung Verbindung aufgenommen werden, damit die entsprechende Pflegestufe festgestellt wird. Auch weitere Beratungsstellen im Landkreis können kontaktiert werden, welche im "Demenz Netzwerk im Landkreis Schwandorf" (DeNiS) zusammengefasst sind.

Ebenso sollte innerhalb der Familie ein gemeinsamer Betreuungsplan erstellt und eine Hauptpflegeperson bestimmt werden. Unterstützend stehen hier externe Dienste und Einrichtungen zur Verfügung, z. B. die ambulanten Pflegedienste, Betreuungshilfen und Betreuungsgruppen, Tages- und Nachtpflege im Seniorenheim, Angehörigengruppen, Gesprächskreise und Nachbarschaftshilfen.

Vom seit elf Jahren erfolgreich arbeitendem "Helferkreis für dementiell Erkrankte" kommen nach Bedarf und Absprache ausgebildete Kräfte in die Familie und übernehmen stunden- oder tageweise die Versorgung der erkrankten Person. Einen besonderen Ratschlag legte Regina Suttner den betroffenen Familien noch nahe, vor allem Ruhe zu bewahren, wenn es auch schwer fällt. "Und eine Portion Humor macht manches leichter!"

Kostenfreie Beratung

"Eine Demenzerkrankung bringt das bisherige Gefüge einer Familie durcheinander, die Rollenverteilungen und die Beziehungsmuster verändern sich", erklärte die Diplom-Sozialpädagogin Birgit Kramer von der Caritas-Sozialstation Oberviechtach. Die Anforderungen an die pflegenden Angehörigen werden mit dem Fortschreiten der Erkrankung immer größer. Eine häusliche Pflege kann gelingen, wenn ein tragfähiges soziales Netz vorhanden ist und somit die Pflege auf mehreren Schultern verteilt ist.

Darum bietet die Caritas für eine häusliche Pflege, neben einer kostenfreien Beratung verschiedene Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten an. Vor allem riet sie, die offene Sprechstunde zu nutzen, die jeden Mittwoch zwischen 13 und 15 Uhr kostenlos zur Verfügung steht. Sie verwies unter anderem auch auf das umfangreiche Betreuungsangebot, das neben Verhaltensstabilisierenden Maßnahmen, einem Gedächtnistraining auch die individuelle Förderung der "Noch-Möglichkeiten (Malen, Singen, Basteln, Erzählen, Rätseln und Spielen) beinhaltet.

Leistungen beantragen

Mit den Leistungen der Pflegeversicherung befasste sich der Koordinator beim Versorgungsmanagement der "Knappschaft" Andreas Kaiser. Wichtig ist die frühzeitige Beantragung von Leistungen aus der Pflegeversicherung bei der zuständigen Krankenkasse, worauf der Antragsteller innerhalb von zwei Wochen Anspruch auf eine Beratung hat. Ein zuständiger Gutachter wird sich dann mit ihm in Verbindung setzen und so eine der insgesamt vier Pflegestufen und der zwei Demenzstufen ermitteln. Daraus wird dann die Höhe des Pflegegeldbetrags errechnet.

Dieses kann in Anspruch genommen werden, wenn Angehörige und Ehrenamtliche die Pflege übernehmen, denn es kann auch mit Pflegeleistungen kombiniert werden. Andreas Kaiser wies auch darauf hin, dass die Bundesregierung ab 1. Januar 2015 eine Anpassung der Pflegeleistungen, bzw. der Erhöhung des Pflegegeldes vorsieht.
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