Fernziel "Fit fürs Leben"

Die Mädchenschule befand sich im ehemaligen Landgerichtsgebäude.
Lokales
Oberviechtach
03.07.2015
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Seit 1802 gibt es die Schulpflicht. Der Strom ließ damals noch ein ganzes Jahrhundert auf sich warten. Rektor Hubert Teplitzky hatte im Vortrag zum Jubiläum der Doktor-Eisenbarth-Schule noch mehr interessante Details parat.

Mehr als elf Milliarden Euro gibt der Bayerische Staat in diesem Jahr für die Bildung aus. "Und dieses Geld ist gut investiert", merkte Museumsleiter Dr. Karl-Heinz Foißner in seiner Einführung zum Vortrag über die Schulgeschichte in Oberviechtach an. Der Leiter der Doktor-Eisenbarth Schule, Rektor Rudolf Teplitzky, hatte aus Anlass des 50-jährigen Bestehens recherchiert und dabei auch einige Anekdoten zutage gefördert.

Pfarrer kontrolliert

Teplitzky ging zunächst auf die Entwicklung der Stadt ein und zeigte auf, welche Rolle diese für die Bildung spielte. Schulen gab es vermutlich ab dem 13. Jahrhundert. Weit verbreitet waren die Bildungseinrichtungen nach der Reformation um 1517. In Archivunterlagen von 1580 findet man einen Eintrag über eine "Landesvisitation" in Oberviechtach, doch die Volksschulpflicht existierte erst ab 1802. Die Schulaufsicht lag in den Händen der Kirche. Der Lehrer für die Mädchen war zugleich Mesner, der Pädagoge für die Knaben Chorregenten und Organist. Ein Schulgehilfe fungierte als weitere Lehrkraft.

1847 brannte das Schulhaus (späteres Tröge-Haus) ab. Eine "Reduzierung der Analphabeten" war Ziel der Schulpflicht, die vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr galt. Als Schulinspektor fungierte der jeweilige Ortspfarrer. Zusätzlich zum Unterricht von Montag bis Samstag gab es noch die "Feiertagsschule". Diese war jeweils nach dem Sonntagsgottesdienst angesagt und beinhaltete Beten, Religion, Schreiben, Rechnen, Fleiß und Betragen. Vom Jahr 1885 an gab es in Oberviechtach schon zwei Schulhäuser, nämlich die Mädchenschule im ehemaligen Landgerichtsgebäude und die Knabenschule am Platz der heutigen Raiffeisenbank.

Ab 1915 wurden beide Schulgebäude mit elektrischem Strom versorgt. Erst 1961 erfolgte der Bau der Volksschule für Mädchen und Buben an der Muracher Straße in Oberviechtach, die dann 1963 bezogen wurde. Schon 1974 folgte ein Erweiterungsbau mit Aufnahme der Förderschule. Im Jahr 1995 wurde die Freiwillige 10. Klasse eingerichtet, 1998 der Grundschultrakt saniert und ein moderner Informatikraum integriert.

"Die Doktor-Eisenbarth-Schule leistete eine enorme Schulpionierarbeit und entwickelte sich immer weiter zu einer Vorzeigeschule", betonte Teplitzky in seinem Vortrag und zählte auf: M-Zweig (Mittlerer Schulabschluss) ab 2000, Schulpartnerschaft mit Ronsperg und eine Schul-Homepage im Internet. Die Schülerzeitung "Eisenbarth-Kurier" ging 2001 zum ersten Mal in Druck.

Comenius und Mensa

Seit 2005 fungiert Teplitzky als Rektor an der Schule, die seit 2006 auch Offene Ganztagsschule ist, inzwischen über einen Förderverein verfügt und sich Comenius-Schule nennen darf. Seit 2007 ist sie Ganztagsschule mit Bläserklassen. 2009 wurde die neue Schulmensa eröffnet, 2010 formierte sich die Doktor-Eisenbarth-Schule zur Mittelschule. Umfassend sanierte Räume gab es zwei Jahre später.

Die Weiterentwicklung setzte sich 2013 fort mit dem Prädikat "Inklusionsschule" und dem Titel "Musikalische Grundschule". Der 350. Geburtstag des Namensgebers Eisenbarth stand noch im gleichen Jahr zur Feier. 2014 holte das Mädchen-Handball-Team der Schule den Titel "Bayerischer Meister". Die Weiterentwicklung habe aber auch im Jubiläumsjahr große Bedeutung, stellte der Rektor klar und verwies auf offene Lernangebote, Wochenplan und Freiarbeit, Projektarbeit und individuelle Lernphasen, modulare Förderung, akustische und optische Wahrnehmungsschulung, bewusste Rhythmisierung des Ganztagsunterrichts, Expertenunterricht sowie Lernorte außerhalb der Schule und die Suche nach passenden Ausbildungsplätzen. All das unterstütze das Fernziel der Schule "Fit fürs Leben". "Daran wollen wir weiter arbeiten", versprach der Schulleiter.
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