Flüchtlingsströme ungebrochen

Die Klassen eins bis zehn lauschten in der Mehrzweckhalle der Doktor-Eisenbarth-Schule den Ausführungen des Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier zur aktuellen Flüchtlingssituation. Rektor Rudolf Teplitzky konnte dazu auch einige Bürgermeister sowie Gäste aus Ämtern und Behörden (rechts, erste Reihe) begrüßen. Bilder: Portner (2)
Lokales
Oberviechtach
08.07.2015
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15 Kinder aus Asylbewerberfamilien besuchen die Übergangsklasse an der Doktor-Eisenbarth-Schule. Die Projektwoche "Schule ohne Rassismus" startete deshalb mit einem Vortrag von MdB Karl Holmeier über die aktuelle Flüchtlingssituation. Dabei waren auch besorgte Töne zu hören.

"Wir werden uns heute einem Thema widmen, dass auch unsere Schule betrifft", sagte Rektor Rudolf Teplitzky vor der versammelten Schulfamilie in der Mehrzweckhalle. Neben den Klassen eins bis zehn waren auch Gäste von Firmen, Ämtern und Behörden anwesend, sowie der stellvertretende Landrat Jakob Scharf und die Bürgermeister aus Oberviechtach, Teunz, Schönsee, Niedermurach, Neunburg vorm Wald und Rötz.

Krieg und Korruption

Zum Jubiläum "50 Jahre Doktor-Eisenbarth-Schule" startete die Projektwoche "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" mit einem Referat des Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier zur aktuellen Flüchtlingssituation. Weltweit seien 59,9 Millionen Menschen auf der Flucht, was zu großen Problemen in den Zufluchtsländern wie Deutschland führe. Die Menschen kämen überwiegend aus Syrien (seit 2011 Bürgerkrieg), aus Eritrea (Unterdrückung durch die Regierung) und aus dem Kosovo (wirtschaftliche Unsicherheit und Korruption). Für die Roma, die sich in Serbien verfolgt fühlten, stünden die Chancen im Asylverfahren jedoch schlecht, da Serbien zu den sicheren Herkunftsländern gezählt werde.

Zuzug begrenzen

"Stehen wir vor einer Völkerwanderung?", fragte der Abgeordnete in die Runde und erklärte den Schülern, "dass die Leute zu uns kommen, weil sie zu Hause keine Perspektive haben". Um den Zuzug zu begrenzen, müssten geeignete Maßnahmen in den Herkunfts- und Transitländern ergriffen werden. "Es ist eine große Herausforderung, dafür zu sorgen, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben. Denn wir können nicht alle aufnehmen, die zu uns kommen wollen", bekräftigte der Abgeordnete und nannte EU-Hilfsfonds, Rückkehrerprogramm und Beratungszentren.

Auf der Leinwand erschienen erschütternde Bilder von der Flucht übers Mittelmeer. "Wir müssen alles dafür tun, dass diese Boote nicht in Afrika wegfahren", sagte der CSU-Politiker und sprach sich dafür aus, die EU-Seenotrettung auszuweiten. Jeder dritte Asylbewerber in Europa kommt nach Deutschland. Vier der 28 EU-Staaten nehmen zwei Drittel aller Bewerber auf (Deutschland, Schweden, Italien, Frankreich). "Europa ist eine Solidargemeinschaft, die Lasten sind gerecht zu verteilen", wünschte sich der CSU-Politiker und nannte ein Beispiel: Das Land Polen habe nicht mehr Flüchtlinge aufgenommen, als die Stadt München. Im Landkreis Schwandorf seien aktuell rund 1000 Personen registriert. "Einige Rechte versuchen, die Bevölkerung aufzuhetzen, das ist gefährlich", sagte der Abgeordnete und dankte Bürgermeistern, Vereinen und Polizei, dass sie hier wachsam sind. Anschließend beantwortete er Fragen der Schüler. Diese wollten wissen, wie viel Geld die Flüchtlinge erhalten, ob sie arbeiten dürfen, warum sie vor allem nach Deutschland kommen und ob sie eine Krankenversicherung haben. Neu sei die Regelung, dass Asylsuchende nach drei Monaten arbeiten können, so Holmeier. In Deutschland gebe es ein rechtsstaatliches Verfahren, anständige Behandlung und finanzielle Versorgung. Das Thema Krankenversicherung werde derzeit in Berlin diskutiert. Flüchtlinge seien "krankenbetreut". Wenn die Kasse nicht zahle, dann komme der Staat auf.

Perspektiven bieten

Der Referent sprach die duale Ausbildung als Perspektive für Jugendliche an, die zunehmend ohne Begleitung fliehen. Doch zunächst gehe es darum, Deutsch zu lernen und dafür brauche es Förderprogramme. "Wir müssen Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns kommen, helfen. Aber wir sind nicht das Sozialamt des Balkans", sagte er ganz deutlich. Europa stehe vor einer riesigen Herausforderung. "Wenn wir diese nicht bewältigen, werden wir scheitern."

Der Bundestagsabgeordnete dankte der Doktor-Eisenbarth-Schule, dass sie in der Projektwoche brennende Themen behandelt. Nach einem Lied des Schulchores gab es auch einen Applaus für die ersten und zweiten Klassen, die bis zum Schluss "so toll ausgehalten haben", wie es Rektor Rudolf Teplitzky lobend formulierte.
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