Friedensstifter per Dokument

CSU-Vorsitzender Christian Schneider (links) und die stellvertretende CSU/CWG/Aktive-für-Ovi-Sprecherin Barbara Ruhland revanchieren sich mit einem Eisenbarth-Elixier für die Tipps von Dr. Florian Mächtel. Bild: frd
Lokales
Oberviechtach
07.11.2014
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Ein Testament verhindert Streit. Doch welches Dokument stellt sicher, dass der Wille beherzigt wird, wenn ein Mensch sich nicht mehr äußern kann? Notar Dr. Florian Mächtel kennt die Vorteile und Fallstricke von Vollmacht und Verfügung.

Ein Testament kann den Familienfrieden auch nach dem Tod eines Familienmitgliedes sichern. Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung stellen sicher, dass der Wille eines Menschen geschieht, auch wenn er ihn selbst durch Krankheit nicht mehr artikulieren kann. Obwohl Krankheit und Tod Themen sind, mit denen sich viele nur ungern befassen, war das Café Weigl beim Vortrag von Notar Dr. Florian Mächtel zu den Themen Betreuungsverfügung. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Erbrecht voll besetzt. Am Ende des Vortrages hatten die Zuhörer noch viele Fragen, die der Notar geduldig und ausführlich beantwortete.

Bedarf oft plötzlich

Zunächst ging der Referent auf Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ein: Mit diesen Mitteln könne man verhindern, dass das Gericht einen gesetzlich bestellten Betreuer einsetzt, der weder dem Betroffenen noch den Familienangehörigen genehm ist. Der Notar verdeutlichte die Ausgangslage: Wenn ein volljähriger Mensch manchmal von einer Minute auf die andere nicht mehr in der Lage sei, seine Belange selbst zu regeln, bestehe ein "Regelungsbedarf". Es stelle sich die Frage, wer diese Aufgaben für ihn übernimmt, zu denen beispielsweise auch die Vermögensverwaltung und Bankgeschäfte gehören. Außerdem muss ein Pflegedienst organisiert oder über einen Pflegeplatz entschieden werden. Bei Operationen und sonstigen medizinischen Maßnahmen gehe es darum, die Frage der passiven Sterbehilfe zu klären.

Ohne Betreuungsverfügung könne das Gericht einen Betreuer bestellen, der keineswegs automatisch ein Familienmitglied sein muss. Der Betreuer habe für alles was er tut, dem Gericht Rechenschaft abzulegen und es bestehe ein grundsätzliches Schenkungsverbot, erklärte Dr. Mächtel.

In einer Betreuungsverfügung kann festgelegt werden, wie die Betreuung ausgeführt werden soll, so der Notar. Die Vorsorgevollmacht könne auf alle Belange des zu Betreuenden oder nur auf Teilbereiche beschränkt werden. Mit der Vorsorgevollmacht werde eine gerichtlich verfügte Betreuung vermieden, sie sei seitens der Gerichte und Behörden durchaus erwünscht, da ihnen dadurch viele Entscheidungen abgenommen werden.

Diese Vollmacht könne jederzeit widerrufen und geändert werden. Sie muss, um einer gesetzlichen Überprüfung standzuhalten, schriftlich erfolgen. "Wer ganz sicher sein will, sollte sich beim Notar beraten lassen und auch dort die entsprechenden Schriftstücke und Urkunden hinterlegen", schlug der Referent vor.

Die Patientenverfügung stelle die Beachtung des eigenen Willens bei medizinischen und pflegerischen Maßnahmen sicher. Sie unterstützte den Willen des Betreuers oder Bevollmächtigten, bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Arzt entscheide ein Gericht.

Günstiger vererben

Im zweiten Teil des Abends "stellte Dr. Mächtel die Frage in den Raum: "Brauche ich ein Testament?". Soll die gesetzliche Erbfolge ausgeschlossen werden, so sei in jedem Fall ein Testament erforderlich. Dieses müsse aber auch gewisse Merkmale aufweisen, um gültig zu sein. "Ein Testament zu machen ist nicht leicht, da sich der Testamentschreiber mit dem eigenen Tod befassen und Entscheidungen für die Zeit nach seinem Tod treffen muss", räumte der Notar ein. In jedem Fall sollte er auch erbrechtliche und steuerrechtliche Kenntnisse haben, weshalb es sich auch hier immer eine Beratung empfehle. Falsche Formulierungen und Festlegungen könnten nach dem Tod für die Erben recht teuer werden, wenn die Erbschaftssteuer fällig ist.

"Ein richtig verfasstes Testament kann Streit in der Familie vermeiden, kann Steuern sparen, einen Betrieb retten und auch Gutes tun", gab der Fachmann zu bedenken. Nicht ganz verständlich sei es daher, dass nur 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung ein Testament machen würden.
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