Frühaufsteher ohne "Jetlag"

Sitzgruppe fürs "Jägerlatein" im Erker des Jagdzimmers.
Lokales
Oberviechtach
11.04.2015
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Der Abgeordnete Josef Filser fuhr zum Regieren mit dem Zug nach München. Auch Alexander Flierl sitzt ab Schwandorf gern im Abteil. Sonst aber verbindet ihn nichts mit Ludwig Thomas Romanfigur - auch wenn er gern Schafkopf spielt, eine Jagdstube und zwei aufgeweckte Söhne zu Hause hat.

Der Familienvater, Jurist und Jäger ist der erste Landtagsabgeordnete des Altlandkreises Oberviechtach - "und auch der erste MdL für den gesamten Landkreis Schwandorf nach der Stimmkreisreform", ergänzt Alexander Flierl (45) beim Gespräch mit der NT-Lokalredaktion in seinem Eigenheim im Baugebiet "Am Sandradl". Gattin Rita öffnet die Tür. Sie hat Kuchen gebacken und im geräumig-gemütlichen Jagdzimmer mit Küchenzeile - eine Einliegerwohnung im Kellergeschoss - ist der Kaffeetisch gedeckt. An der Wand hängen Trophäen, zu denen der Hausherr eine besondere Beziehung hat. Doch dazu später.

Der CSU-Kreisvorsitzende, Kreis- und Stadtrat hat seit eineinhalb Jahren (7. Oktober 2013) einen Sitz im Landtag - Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. "Es ist kein Teilzeitjob. Die Arbeit als Abgeordneter nimmt einen ganz und wesentlich in Anspruch." Der Frühaufsteher empfindet es nicht als Bürde, sondern als eine Ehre, "dass ich 145 000 Menschen vertreten darf". Flierl bekräftigt: "Es war mir bei der Kandidatur klar, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt und das hat sich auch bewahrheitet. Aber ich war darauf vorbereitet!" Über der Eckbank im Jagdzimmer hängt ein Landschaftsbild mit Blick zur Burg Murach. "Wir kämpfen für attraktive Lebensvoraussetzungen im ganzen Freistaat", sagt der Oberviechtacher. Aber natürlich habe er vor allem den ländlichen Raum im Fokus. Im Maximilianeum etwas für die Leute zu Hause zu erreichen - das begeistert Flierl, der sich im Kreis der "Neulinge" sehr wohlfühlt. Im Plenarsaal sitzt er zwar auf einem hinteren Platz beim Eingang, "aber bei mir müssen alle vorbei", meint er schmunzelnd. Er ist in seinem neuen Leben schnell und gut angekommen.

Nach der Wahl ging es Schlag auf Schlag. Der Abgeordnete aus dem Nordosten des Landkreises ist seither ständig auf Achse. Pendeln zwischen der Stadtwohnung in München und dem Zuhause, zwischen dem von Vorgänger Otto Zeitler übernommenen Büro in Schwandorf und der Rechtsanwaltskanzlei in Oberviechtach. Montags sind oft Strukturtermine im Stimmkreisbüro angesetzt und auch die Kreistagssitzungen, abends oder am Dienstagmorgen fährt Flierl häufig mit der Bahn in die Landeshauptstadt. "So kann ich die zwei Stunden gut am Laptop oder Handy nutzen", sagt der strebsame 45-Jährige. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag werden in Arbeitskreisen und -gruppen die Themen für die Ausschüsse vorbereitet. Mindestens einmal pro Woche ist Fraktionssitzung, dazu kommen Ausschüsse und Plenarsitzung. Am Donnerstag geht es zurück in die Oberpfalz, zunächst zu Terminen im Stimmkreisbüro und später zu Versammlungen von Vereinen und CSU-Ortsverbänden.

Dazwischen ist Zeit für die Familie reserviert. Die Söhne Wolfgang und Johannes besuchen die Ganztagsschule (1. und 4. Klasse) und freuen sich, wenn der Papa die Sticker-Sammlung bewundert, Karten spielt oder einfach nur zuhört und herumtollt - so wie in der sitzungsfreien Zeit in den Osterferien oder bei den "Informationswochen". Seine Wohnung hält Flierl so weit es geht "aktenfrei" - das Büro ist in seiner Kanzlei. Hier übernimmt er aber nur noch wenige Fälle, seit er zwei Juristen beschäftigt hat. "Man behält sich die Unabhängigkeit", so der Jurist. Auch in der Politik ist es "nicht schädlich", wenn man sich auf die Argumentationskunst versteht und darauf, etwas in Sprache zu kleiden. Flierl meisterte seine bisher vier Redebeiträge im Plenum bravourös. Dabei ging es unter anderem um die Aufdeckung von Umweltkriminalität oder den Schutz der kommunalen Daseinsvorsorge.

Etwas für seine Heimatregion voranbringen möchte er in der Fraktionsarbeitsgruppe "Verkehr, Wohnungs- und Städtebau", wo auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof für den Personenverkehr beraten wird.(Hintergrund)
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