Geballte Ladung Hölle

Die beiden künstlerischen Leiter von "Ovigo", Florian Wein und Julia Ruhland genießen den Rollentausch, wenn sie sich auch mal im Regiestuhl zurücklehnen können. Der 28-Jährige ist als erster an der Reihe, für das Theaterstück im Herbst wechselt Ruhland die Seiten. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
14.11.2014
19
0

Florian Wein denkt über ein Gemetzel nach. Noch kann er die Auseinandersetzung zwischen zwei Ehepaaren steuern. Denn darum geht es in dem neuen Theaterstück der Gruppe "Ovigo", in dem er als Regisseur Premiere hat.

Noch gut drei Monate sind es, bis auf der Bühne die Fetzen fliegen: Da haben zwei elfjährige Buben ihren Streit schon hinter sich, der mit zwei ausgeschlagenen Zähnen endet. Was nun wie ein friedlicher pädagogischer Aufarbeitungsversuch unter den betroffenen Eltern startet, eskaliert in unkontrollierten Gefühlsausbrüchen mit wechselnden Verbündeten und höllischen Abgründen hinter der Fassade der Kultiviertheit. "Der Gott des Gemetzels", so der Titel dieses Theaterstücks von Yasmina Reza, ist am Zug. Auch Florian Wein hat als Regisseur dieses Werks einen Verbündeten, wenn das Stück im März gleich auf vier Bühnen gespielt wird.

Gemeinsam mit Julia Ruhland hat Wein im Oktober die künstlerische Leitung der Theatergruppe übernommen, die aus dem Schüler-Ensemble des Ortenburg-Gymnasiums in Oberviechtach hervorging. Während Ruhland sich um die Finanzen der Gruppe kümmert und selbst eine Rolle übernommen hat, wagt Wein sich zum ersten mal daran, die Fäden für die Szenen in die Hand zu nehmen. "Einem Regisseur ergeht es ähnlich wie einem Moderator: Alle bieten etwas an und sind kreativ. Am Ende kommt dann meist etwas Anderes heraus als das, was man selbst im Kopf hatte", weiß der 28-Jährige nach Erfahrungen als Regie-Assistent. Momentan steckt er mitten in den Proben, die durch den Umbau des Emil-Kemmer-Hauses nach Regensburg ins "W 1"(Zentrum für junge Kultur) verlagert sind.

Mit Händen und Füßen

Chronologisch arbeitet sich der neue Regisseur mit den vier Akteuren Julia Ruhland, Uli Scherr, Vanessa Civiello und Florian Waldherr durch das Textbuch, um es möglichst schnell von der Bühne zu verbannen. "Erst dann kann man richtig mit Händen und Füßen arbeiten", wissen die erfahrenen Schauspieler. Und Text gibt es jede Menge in dem verbalen Gemetzel, das ganz gut ins Konzept der jungen Laien passt: "Lustig, aber mit Anspruch. Und wenn man über ein Stück noch nachdenken kann, dann ist das perfekt." Doch anders als das Original spielt die Handlung nicht in Paris und auch nicht - wie im Kinofilm - in New York. "Wir haben das Ganze etwas auf München umgeschrieben, damit können sich die Leute hier besser identifizieren", informieren Ruhland und Wein.

Seitenwechsel

"Nach diesem Auftritt bin ich sicher ganz froh, wenn ich mal keinen Text lernen muss", schätzt Julia Ruhland. Beim bereits für den Herbst vorgesehen nächsten Bühnenwerk will sie Florian Wein deshalb gern bei der Regie ablösen. "Da kann man sich mal zurücklehnen und die Entwicklung in ihrer Gesamtheit sehen", erläutert sie die Vorteile dieser Position. Ein Seitenwechsel, den beide genießen - auch wenn man den "Superblick" ganz ohne eigene Schauspielkünste draufhaben kann.

Die Premiere steht für Sonntag, 8. März, in der Neunburger Schwarzachtalhalle auf dem Spielplan, weitere Auftritte sind in Oberviechtach, Regensburg und Nürnberg geplant. Bis dahin wird bei den Proben noch manch' unappetitliche Szene zu bewältigen sein, ein Handy öfter als einmal in der Blumenvase landen. Schließlich soll das "Gemetzel" möglichst authentisch rüberkommen, kalkuliert der Regisseur: "Die erste Reihe sollte da schon aufpassen."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.