Geschätzt und doch oft lästig

Diese Linde in der Bezirksamtsstraße darf im Frühjahr wieder austreiben. Sie ist ein Paradebeispiel für eine Aufwertung im Ortsbereich und würde in Oberviechtach auch dann unter die Baumschutzverordnung fallen, wenn sie auf Privatgrund steht. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
31.01.2015
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Wenn das Laub aus dem Weg ist und neue Knopsen sprießen, möchten viele Grundstückseigentümer am liebsten gleich ganz aufräumen mit großen Bäumen. Die Stadt Oberviechtach hat dem einen Riegel vorgeschoben - und hält ihn fest.

Schon seit den 80er Jahren gibt es laut Amtsrat Peter Spichtinger in Oberviechtach eine Baumschutzverordnung. In der Nachbarstadt Neunburg vorm Wald war 1990 eine Satzung zum Schutz besonders ansehnlicher Bäume verabschiedet worden. Doch die wurde im Oktober gekippt, weil sie "dem eigentlichen Verordnungszweck nicht in gewünschter Weise gerecht wurde," so die Begründung, die einer Mehrheit im Stadtrat plausibel erschien. Hat die Baumschutzverordnung ausgedient?

Keineswegs, meint der Oberviechtacher Amtsrat. Zwar habe es immer wieder Überlegungen zur Abschaffung gegeben, aber man habe sich solcher Ansinnen bislang erfolgreich erwehrt. "Gerade im ländlichen Bereich ist ein vernünftige Ortsdurchgrünung lebensnotwendig", lautet Spichtingers Standpunkt. "Ein Baum liefert Schatten und sorgt für gute Luft, da muss man ihm doch zugestehen, dass er im Herbst die Blätter abwirft", betont Spichtinger, der sehr wohl die gängigen Probleme mit den "Schützlingen" kennt.

20 Exemplare jährlich

Etwa 20 Bäume nimmt der Bauausschuss jährlich unter die Lupe. "So in etwa 12 davon bleiben stehen, denn es sind auch Fälle dabei, in denen das Absägen berechtigt ist", so der städtische Mitarbeiter. Das trifft dann zu, wenn die Sicherheit beeinträchtigt oder ein Gebäude in Gefahr ist. Welche Bäume unter die Verordnung fallen, ist in Oberviechtach genau definiert: alle Laubbäume mit einem Umfang von einem Meter, gemessen in einem Meter Höhe und verwurzelt im Ortsbereich. Ausgenommen sind Obstbäume und Birken. Nadelbäume fallen ohnehin nicht unter das Verdikt.

Darf die Motorsäge mit dem Placet des städtischen Gremiums aktiv werden, dann kann der Eigentümer allerdings zu einer Ersatzpflanzung verpflichtet werden. "Da reicht aber nicht ein kleines Stangerl, es sollte schon adäquat und erkennbar ein Baum sein", schränkt Spichtinger ein. Wer der Verordnung zuwider handelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit - strafbar mit bis zu 10 000 Euro. Bis jetzt musste die Stadt keinen einzigen Fall ahnden.

"Es kommen ja auch ganz viele Anträge gar nicht erst vor den Ausschuss", berichtet Spichtinger. "Viele Leute lassen sich überzeugen, dass so ein Baum ideal gegen schädliche UV-Strahlung ist und prima Schatten spendet." Da brauche man sich nur die Grünfläche im Freibad anzusehen. "Da liegen die meisten im Schatten, die richtigen Sonnenanbeter sind selten geworden."

Klar, dass die Stadt auch mit gutem Beispiel voran geht. Wenn allerdings außerhalb der Ortschaft das Straßenrecht zum Zug kommt, stehen die Karten schlecht für die Bäume. Sieben Meter Abstand sollten sie schon einhalten, sonst ist eine Leitplanke erforderlich - oder die Existenz in Gefahr. Das betrifft heuer beispielsweise die Gemeindeverbindungsstraße Plechhammer-Unterlangau.

Anreiz statt Druck

In Neunburg geht die Stadt andere Wege und setzt auf finanzielle Anreize bei der Baumpflege. Seitdem die Verordnung Mitte Oktober gekippt wurde, ist aber noch keine einzige Anfrage auf Unterstützung eingegangen, informiert Karl Hartinger vom Bauamt. Die Baumschutzverordnung habe nicht genug Handlungsspielraum geboten, und ein Großteil der Bäume, die das Ortsbild prägen, befinde sich ohnehin auf städtischem Grund, erläutert er die Entscheidung des Stadtrats. "Wir hatten erst letztes Jahr einen Fall, da haben wir eine Pappel begutachtet. Der Baum war von außen nicht schadhaft, aber trotzdem ist wenig später ein Riesen-Ast auf ein Hausdach runtergefallen." Die Haftpflicht-Versicherung der Stadt hat den Schaden beglichen.

Die Resonanz auf den Wegfall der Baumschutzverordnung war laut Hartinger "sehr unterschiedlich". Dass Bäume - besonders wenn sie nach dem Floriansprinzip nur den Nachbarn beeinträchtigen - auch engagierte Fürsprecher haben, ist für die Behördenvertreter nicht Neues. "Und wer sie weghaben will, dem ist auch das Geld für die Pflege wurst", glaubt Spichtinger, der als Bub schon einmal für drei Linden einen Sitzstreik eingelegt hat. Die Bäume mussten letztlich dem "Haus der Bäuerin" weichen.
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