Grenzgänger erreichen Herzen

Über die Auszeichnung der Schulpartnerschaft mit dem Brückenbauer-Preis freuten sich (von links) CeBB-Leiter Hans Eibauer, die Repräsentanten der Partnerschule aus Prag, Bavaria-Bohemia-Vorsitzende Irene Träxler, die OGO-Vertreter Oberstudiendirektor Günter Jehl, Studiendirektorin Dr. Christine Paschen und Studiendirektor Ulrich Wohlgemuth sowie Laudatorin Anne Gierlach. Bild: bsl
Lokales
Oberviechtach
25.03.2015
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Zum neunten Mal überreichte der Verein Bavaria Bohemia den Brückenbauer-Preis. Aus der Region erhielten das Ortenburg-Gymnasium und das Unternehmen EMZ aus Nabburg die Auszeichnung. Die Gäste konnten sich auch gleich von der Robustheit des Preises überzeugen.

Es ist eine Sache der Betrachtung. Für manche trennt eine Grenze zwei Länder. Für andere teilen sich zwei Länder eine gemeinsame Grenze. Seit zehn Jahren setzt sich Bavaria Bohemia mittlerweile dafür ein, dass die Menschen in Bayern und Böhmen die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien nicht als Barriere, sondern als Verbindung beider Länder sehen.

Neun Preisträger

Manche Menschen engagieren sich in besonderem Maße für grenzübergreifende deutsch-tschechische Verständigung und Freundschaft. Diese Personen ehrt der in Schönsee ansässige Verein seit 2007 mit dem Brückenbauer-Preis. Am Dienstag wurden neun Personen, Einrichtungen und Unternehmen mit dem Preis ausgezeichnet.

Unter den Preisträgern ist auch das Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach. Seit 1989 hat die Schule eine Partnerschaft mit der Obchodní akademie (Handelsakademie) in Prag. Damit gehört die Kooperation zu den ältesten deutsch-tschechischen Schulpartnerschaften in Bayern. Laudatorin Anne Gierlach, ehemalige Vorsitzende von Bavaria Bohemia, betonte, dass eine Schulpartnerschaft nur durch das persönliche Engagement der Lehrkräfte zum Leben erwachen könne.

Auf Seiten des Oberviechtacher Gymnasiums sind das in erster Linie Dr. Christine Paschen und Ulrich Wohlgemuth, die auch stellvertretend für die Schule den Preis entgegennahmen. Gelebt wird die Partnerschaft zwischen den beiden Schulen beispielsweise durch Besuchswochen mit gemeinsamen Unterricht oder Sprachkursen. Gierlach bezeichnete die Partnerschaft als "Vorbild und leuchtendes Beispiel für andere Schulpartnerschaften".

Ebenfalls beispielhaftes, grenzüberschreitendes Engagement zeigen Ernst und Thomas Hanauer, Chefs des Elektrotechnik-Unternehmens EMZ in Nabburg. Als für die 1948 gegründete Firma in den 90er Jahren eine regelrechte Blütezeit begann, expandierte sie unter anderem nach Tschechien. Zuerst entstand eine Kooperation mit einer Behinderteneinrichtung in Pilsen, 1996 wurde schließlich ein Fertigungsstandort in der Region Tachau gebaut. Ernst und Thomas Hanauer sehen ihr bald 20-jähriges Engagement im Nachbarland jedoch nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten - ihr Ziel war es auch, das Werk mit mittlerweile 180 Beschäftigten voll in die Region zu integrieren - mit Erfolg, weshalb die beiden mit dem Brückenträger-Preis ausgezeichnet wurden. Ernst Hanauer, der den Preis entgegennahm, freute sich darüber offensichtlich so sehr, dass ihm die Glasfigur aus den Händen rutschte und zu Boden fiel - zum Glück ohne Folgen.

Von Barriere zur Chance

Schon an den Verdiensten dieser ausgewählten Preisträger ist zu erkennen, dass grenzüberschreitendes Engagement mehr ist als Partnerschaften oder Kooperationen auf dem Papier. "Es geht darum, Menschen dauerhaft zusammenzuführen", betonte der Chamer Landrat Franz Löffler. Er unterstrich bei seiner Rede, dass dafür in den vergangenen Jahren schon viel geschehen sei. Doch es gehe nun darum, diese Erkenntnis auch "über die Grenzregion hinaus in die Herzen der Menschen zu tragen". Damit künftig immer mehr Menschen die Grenze zu Tschechien nicht als Barriere oder Hindernis, sondern als große Chance für beide Seiten betrachten.
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