Hans Rohrmüller versteht sich als "universelles Medium", das in die Zukunft schauen kann
Im "Korridor der Zeit" daheim

Die Heilige Familie auf dem bunten Wandteppich passt genauso ins Weltbild des Oberviechtachers Hans Rohrmüller wie die Reinkarnation und der Glaube daran, dass er über eine ganz besondere Gabe verfügt: den Blick in die Zukunft. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
12.02.2016
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Hans Rohrmüller hat zwei Visitenkarten. "Hobbyzüchter für Riesenkaninchen" steht auf der einen, "Universelles Medium" und "Lebensberater für alle Fälle" auf der anderen. Wo die meisten Menschen ein Gesicht sehen, eine Statur oder die Haarfarbe, glaubt er Krankheiten und Ereignisse zu erkennen, die noch in der Zukunft liegen - oder Altlasten aus einem früheren Leben.

Die Voraussagen des 44-Jährigen Oberviechtachers haben eins gemeinsam: Sie irritieren. Auch diejenigen, die das alles für Hokuspokus halten. "Was ich erzähle, passiert wirklich - aber in Gleichnissen", sagt der Mann, dessen kräftige Statur eher zu einem Landwirt passen will als zu einem Wahrsager. Mitten im Wohnzimmer, auf der breiten Couch vor dem Kaminofen empfängt er Menschen, die bei ihm nach Wahrheiten suchen, die das Leben normalerweise nicht so einfach preisgibt.

"Nur ein Bauernbub"


"Ich bin nur ein Bauernbub mit einer göttlichen Gabe", behauptet der 44-Jährige und sucht diese Fähigkeiten auch Anderen zu demonstrieren, indem er sie auf ein Kribbeln in den Beinen aufmerksam macht oder auf ein Gefühl der Wärme. Seine Gabe will er schon als Kind gespürt habe, in Weiding, wo er Ministrant war und zur Schule ging. "Ich hab dem Lehrer gesagt, dass er morgen krank sein wird, und tatsächlich kam dann die Krankschreibung", erzählt der Lebensberater, der sich genauso gut als Schamane oder Wahrsager betiteln lässt. "Ich dachte, ich kann zaubern, habe aber keine Show daraus gemacht." Inzwischen hat er seine Erkenntnisse schriftlich festgehalten - unter dem Titel "Die Apokalypse des Hans Rohrmüller".

Ja, auch dass er mit 27 Jahren schwer an Krebs erkranken würde, habe er lange vorher gewusst. "Damals wäre ich fast hops gegangen", erzählt der gelernte Omnibusmechaniker. Nach diesem Einschnitt war er zwölf Jahre arbeitslos. Jetzt will er als Busfahrer in der Arbeitswelt wieder Fuß fassen. Seit drei Jahren habe er gewusst, dass erst jetzt die Zeit dafür reif sein würde. Überhaupt erst seit vergangenem Jahr sei er sich über seine Gabe so richtig klar geworden.

"Wir wandeln durch Zeit und Raum, und bestimmte Korridore tun sich erst auf, wenn wir die Zeit durchschreiten", lautet seine Sicht der Dinge. Sein aktueller "Korridor" war der Bildungsgutschein für den Bus-Führerschein, vom Arbeitsamt. Dem Mitarbeiter dort, so erzählt Hans Rohrmüller, habe er auf den Kopf zugesagt, welche Beschwerden ihn quälen und was es mit dem Auto auf sich hat, das sich der Angestellte kaufen will.

Dem Fahrlehrer prophezeite er, dass er im kommenden Jahr einen 28-Jährigen als Mitarbeiter einstellen wird. Zwei jungen Kollegen kündigte er für den Disco-Besuch am Wochenende an, dass vier Mädchen auf sie zukommen. Doch nicht jeder Blick in die Zukunft kommt so harmlos daher. "Meine Frau Susanne kennt mich seit zwölf Jahren, ich wusste das Sterbedatum ihres behinderten Sohnes", erklärt Rohrmüller auf die Frage, was seine Partnerin von seinem "Hobby" hält. Wie kann er so einen Schock verantworten? "Wenn ich etwas erzähle, kriegen die Leute Angst", räumt er ein, "aber ich hole die Angst aus ihnen heraus". Als Christ, der an die Reinkarnation der Seele glaubt, warnt er aber auch davor, die Hände in den Schoß zu legen, wenn die Zukunft rosig aussieht. "Die Götter wollen Disziplin, sie wollen, dass wir die Dinge am Laufen halten - aber ohne Zwang."

Kein Honorar


"Normalerweise sehen Menschen in 3 D, ich sehe in 12 D", versucht Rohrmüller, seinen Blick auf die Welt zu erklären, das Vorab-Wissen um Tschernobyl und Magengeschwüre. "Ich könnte auch die Lottozahlen vorhersagen, aber dann bin ich des Teufels und beschwöre Dinge herauf, die ich nicht tun sollte". Überhaupt sei es wichtig, sich fern zu halten von Gier, meint der 44-Jährige, der aus diesem Grund auch keine Tipps für Fußballspiele abgeben will und als "Raumausstatter für Körper und Geist" kein Honorar nimmt.
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