Hausbesitzer enträtselt

Einen ganz typischen Hausnamen trägt das Haus der Familie Bauer im Mühlweg 5: "Minzerlederer". Ein früherer Besitzer hatte wohl viel mit Leder zu tun. Bilder: bgl (2)
Lokales
Oberviechtach
27.02.2015
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Sie heißen Hoglschouster oder Girtlwewer, und ihr Name ist Programm. "Hausnamen erzählen Geschichten und sagen alles aus über die Orts- und Kulturgeschichte", verrät Dr. Ludwig Schießl und gibt dieses Wissen weiter.

Dr. Ludwig Schießl, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HKA), beleuchtete bei seinem Vortrag am Mittwoch das Thema "Die Oberviechtacher Hausnamen aus sozialgeschichtlicher und sprachlicher Sicht". Im gut gefüllten Versammlungsraum im Kulturzentrum in der Marktmühle traf er auf gespannte Zuhörer. Das war aber auch zu erwarten, tragen doch 133 Anwesen in der Altstadt Oberviechtachs noch einen Hausnamen.

Diese hohe Zahl machte den Dialektexperten Dr. Schießl neugierig und er recherchierte über deren Hintergründe. Die Zielsetzung seiner Arbeit war die Analyse unter dem sozialgeschichtlichen und sprachlichen Aspekt im Spiegel von Berufen und des lokalen Dialekts. Grundlagen dafür lieferten der Hausnamenkorpus des früheren Oberviechtacher Stadtrats und Heimatforschers Anton Frischmann und weitere Werke.

Auch Spitzname

Zunächst erklärte Dr. Schießl, was mit dem Begriff "Hausname" gemeint ist: Er bildet das umgangssprachliche Gegenstück zum Schreibnamen. "Hoglschouster, Minzerlederer und Girtlwewer", nannte der Fachmann als Beispiele für Hausnamen. Hausnahmen gibt es seit dem Spätmittelalter. Sie bildeten sich aus dem zwischenmenschlichen Umgang in der Bevölkerung eines Ortes und setzten sich teilweise aus einer Kombination mit abgekürzten Vornamen und Berufsbezeichnungen oder auch aus Spitznamen zusammen.

Bei seiner Analyse der in der Oberviechtacher Altstadt noch existenten 133 Hausnamen stellte Dr. Schießl fest, dass hiervon 85 den Zusammenhang mit damaligen Berufsbezeichnungen erkennen lassen, beispielsweise das Lederhandwerk 13 Mal, das Holz- und Bäckerhandwerk (10), das Schmiede-, Schlosser- und Köhlerhandwerk (9) und das Textilhandwerk(8).

Charakter im Blick

"Auch die sogenannten Übernamen spielen bei der Begriffsdefinition der Hausnamen eine große Rolle", so Dr. Schießl. Im engeren Sinn wird dieser Begriff für jene Beinamen verwendet, die aus körperlichen, geistigen und charakterlichen Merkmalen eines Menschen oder der Lebensgeschichte hervorgehen. Bei seiner sprachlichen Analyse erklärte der Redner anhand von Kartenmaterial auch die dialektgeographische Einordnung der Oberviechtacher Mundart innerhalb der Dialektlandschaften Bayerns und stellte besonders markante lautliche Merkmale in Sprach-Beispielen heraus.

"Die Hausnamen der Oberviechtacher Altstadt erweisen sich unter der Zielsetzung, einen Blick auf die Sozialgeschichte des Ortes sowie den dort gesprochenen Dialekt zu werfen, als äußerst interessantes Korpus", erklärte Schießl. Während die Wortbildungsmuster Aufschluss geben über die gewerbliche Situation und damit auch über die Sozialstruktur, liefern die Lautung und die Lexik einen Hinweis auf die dialektale Ausprägung. Was durch die Art und den Umfang der vorliegenden Untersuchung gleichwohl vage bleibe, sei die zeitliche Verortung dieser Phänomene. Das könne nur eine ungleich umfangreichere Untersuchung auf der Basis historischer Quellen leisten.
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