Heimatbesuch mit viel Wehmut

Bei der Fahnenübergabe am Rathaus war schon ein wenig Wehmut über die Auflösung der Landsmannschaft zu spüren. Bürgermeister Heinz Weigl (von links), Altbürgermeister und Ehrenbürger Wilfried Neuber sowie die Abordnung aus München mit Maria Mikes (geborene Bodensteiner aus Eigelsberg), das langjährige Vorstandsmitglied Hans Gießübl und dessen Gattin Barbara tauschten Erinnerungen aus. Bilder: frd
Lokales
Oberviechtach
02.09.2015
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102 Jahre lang gab es in München einen rührigen Verein, der die Kultur und Geselligkeit der Oberpfälzer Heimat hochhielt. Der letzte Besuch der Landsmannschaft im Rathaus Oberviechtach schließt das Kapitel einer "Auswanderung". Zurück bleiben nicht nur schöne Erinnerungen.

"Wir sind stolz darauf, dass wir in der Landeshauptstadt einen rührigen Verein haben, der die Verbindung zur Heimat nicht abreißen lässt", sagte Bürgermeister Heinz Weigl beim 100. Geburtstag der "Landsmannschaft Oberviechtach und Umgebung in München". Es ist erst zwei Jahre her, dass eine große Abordnung aus Oberviechtach mit einem Bus zu ihren "Vöichtachern" in die Landeshauptstadt fuhr, um gemeinsam das Jubiläum zu feiern.

Nur noch 34 Mitglieder

Doch nun hat sich der Verein - da niemand mehr bereit war den Vorsitz zu übernehmen - bei der Jahreshauptversammlung im März aufgelöst. Die Vereinsfahne soll im Oberviechtacher Heimat- und Stadtmuseum eine letzte Heimat finden. Dazu kam kürzlich eine Abordnung in die Heimatstadt, um die Fahne dem Bürgermeister zu übergeben.

Bei der Auflösung zählte die Landsmannschaft nur noch 34 Mitglieder. Diese, sowie die bereits Verstorbenen, haben sich in den vergangenen 102 Jahren der von den Gründungsmitgliedern gewollten Aufgabe gestellt und die Bindung zur alten Heimat gut gepflegt. Dazu gab es für die Oberviechtacher in München auch eine Unterstützung aus der Heimat. Beim Gründungsfest vor zwei Jahren sind noch einmal die besonderen Verdienste des bereits verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Edmund Reisinger sowie des Ehrenvorsitzenden Karl Bodensteiner (fast 40 Jahre an der Spitze) herausgestellt worden. Diese hatten sich, wie auch einige andere Mitglieder, über Jahrzehnte hinweg große Verdienste um den Verein erworben und die guten Kontakte zur Heimat gepflegt.

Folgende Personen wurden im Laufe der Zeit für ihre Verdienste um die Landsmannschaft mit dem Titel Ehrenmitglied und Ehrenschildträger gewürdigt: Fanny Erl, Otto Lehner, Michael Knott und Wilfried Neuber sowie Karl Bodensteiner (Ehrenvorsitzender und Ehrenschildträger).

Der Verein wurde am 12. März 1912 gegründet und damals Hans Kolb als Gründungsvorsitzender gewählt. 1920 fand die erste Fahnenweihe statt und 1927 führten Mitglieder der Landsmannschaft das Festspiel "Pfarrer von Miller" in München und auch in Oberviechtach auf. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben, das erst 1946 wieder aktiviert wurde. Im Jahr 1952 feierte man das 40-jährige Gründungsfest und daraufhin alle zehn Jahre ein besonderes Jubiläum.

Mit Eisenbarth-Express

Vielen Bürgern der Region ist noch das Jubiläum "70 Jahre Landsmannschaft" im Jahr 1982 in guter Erinnerung. Damals fuhr der Sonderzug "Doktor-Eisenbarth-Express" mit vielen Oberviechtachern zum Mitfeiern nach München. Auch das Dabeisein bei der "Oberpfälzer Sitzweil" wurde zur angenehmen Tradition. 1995 durften die Oberviechtacher diese Sitzweil mit großem Erfolg austragen, wobei die musikalischen und gesanglichen Botschafter aus der Heimat mit viel Beifall gefeiert und nur ungern wieder in die Heimat verabschiedet worden sind.

Ehrensache für den jeweiligen Bürgermeister und auch für einige Gemeinderäte war es immer, bei der Weihnachtsfeier der Landsleute dabei zu sein. Die "Münchner Oberviechtacher" hingegen revanchierten sich mit ihrer Teilnahme bei Heimatfesten, bei denen sie immer Festwägen wie die "Münchener Linie Acht" stellten und das "Münchner Kindl" in seinem Traditionsgewand mitmarschieren ließen.

All diese Erinnerungen kamen jetzt wieder bei der Fahnenübergabe im Rathaus zur Sprache. Dabei war schon ein wenig Wehmut zu spüren, dass nun die lange Geschichte der "Landsmannschaft Oberviechtach und Umgebung in München" ein Ende hat.

Enger Bezug fehlt

Letztendlich habe bei der Entscheidung zur Auflösung die Vernunft gesiegt, wurde von der Delegation im Rathaus betont. Denn die Kinder der Vereinsmitglieder sind in München geboren und so fehlt ihnen die enge Beziehung zu der Heimat ihrer Eltern. Wie Bürgermeister Heinz Weigl und der ebenfalls anwesende Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt, Wilfried Neuber, versprachen, wird die Vereinsfahne im Heimat- und Stadtmuseum einen Ehrenplatz erhalten.

Auch das von den Landsleuten "ein wenig aufgestockte" Vereinsvermögen in Höhe von 1800 Euro geht an das Oberviechtacher Heimat- und Stadtmuseum, womit die Oberviechtacher in München ihrer Heimatgemeinde einen guten Dienst erwiesen.
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