Hoffen auf neuen Umgangsstil

Beate Eichinger verdeutlichte, welche Aufbrauchsstimmung beim Zweiten Vatikanischen Konzil zu spüren war und lieferte Erläuterungen zu den Bildtafeln der Wanderausstellung, die Pfarrer Alfons Kaufmann im Erweiterungsbau der Pfarrkirche untergebracht hat. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
13.08.2015
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Endlich sollten die Anliegen der Menschen mehr Gewicht bekommen: Dafür traten die Bischöfe im Zweiten Vatikanischen Konzil ein. Was sie erreicht haben, konnten Interessierte nun bei einem Vortrag erfahren.

50 Jahre sind vergangen, seit die Pfarrkirche St. Johannes in Oberviechtach einen Anbau erhielt - und 50 Jahre ist es auch her, dass Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberufen hat. Grund genug dachte sich Stadtpfarrer Alfons Kaufmann, beide Themen in Erinnerung zu rufen: Er eröffnete im Erweiterungsbau der Stadtpfarrkirche eine Wanderausstellung zum Thema.

Kennerin des Aufbruchs

Außerdem konnte Pfarrer Kaufmann zu einem Vortrag mit dem Thema "50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil - Hoffnung für die Welt von heute" als Kennerin dieses konziliaren Aufbruchs die Bildungsreferentin bei der KEB im Bistum Regensburg, Magister und Diplom-Theologin Beate Eichinger gewinnen. Vor zahlreichem Publikum präsentierte sie eine Zusammenstellung der damals diskutierten und gewonnenen Erkenntnisse und brachte sie mit den konkreten Früchten aus der kirchlichen Erfahrungswelt in Verbindung.

Mehr als 2500 Bischöfe aus aller Welt und viele weitere Beteiligte trafen sich zu Beginn der 60er Jahre mehrmals in Rom und diskutierten leidenschaftlich über die Zukunft der Kirche. Zum ersten Mal konnten die Medien solch ein kirchliches Großereignis intensiv begleiten, allen Menschen eröffnete sich die Chance zeitnah Anteil zu nehmen. Über neu geschaffene Beteiligungsstrukturen brachten die Bischöfe die Erfahrungen aus ihren Ortskirchen ein und pochten auf die Dringlichkeit verschiedener Themen, wie Religionsfreiheit und den Traum von Kirche als Gemeinschaft.

Begeistert von Papst Franziskus gelte es noch heute, an den damaligen Aufbrüchen anzusetzen und die heutige Lebenssituation neu einzubringen, so die Referentin. Das könne auch den persönlichen Glauben wieder neu beleben. "Wir sind davon überzeugt", betonte die Referentin, "dass diese Erbgüter des Konzils die verbindlich festgelegten Texte und die tiefe Glaubenszuversicht entscheidend für den Weg in die Zukunft der Kirche sind". An diese Aufbruchstimmung und Reformbereitschaft soll angeknüpft werden. Erst nach einer über dreijährigen Vorbereitungszeit konnte damals das Konzil beginnen, und es entwickelte von Anfang an eine Eigendynamik. Die am Konzil beteiligten Bischöfe wollten die Anliegen der Menschen in ihren Diözesen einbringen. Sie forderten eine grundlegende Reform und wollten einen neuen Umgangsstil untereinander zu etablieren sowie vielfältige Meinungen zuzulassen. Dass dies gelang, war ein erster großer Erfolg des Konzils. Am Ende wurde in 16 Einzeltexten über ein zukunftsorientiertes Vorgehen abgestimmt.

Eigendynamik

Zur Wanderausstellung gab die Bildungsreferentin einen Überblick über die auf 15 Tafeln gezeigten theologischen Errungenschaften des Konzils und die damit verbundenen Herausforderungen für heute. Die ersten beiden Tafeln befassen sich mit den organisatorischen Eckdaten dieses größten Kirchenereignisses der modernen Zeit, die weiteren Tafeln sind einzelnen theologischen Themenfeldern gewidmet. Die drei letzten Schautafeln würdigen wichtige Bewegungen und Meilensteine seither, wie die Selbstverpflichtungen aus dem Katakombenpakt und die damit verbundene Option für die Armen.

"Ich hoffe, dass auch Sie alle angesteckt werden von der Dynamik des Konzils und der Begeisterung der Konzilsväter damals, denn darin liegt die Chance für die Kirche der Zukunft". Mit diesem Aufruf endete der Vortrag von Beate Eichinger und mündete ein in eine außerkirchliche Gesprächsrunde im Pfarrgarten.
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