Im "Plemplem-Land" zu Hause

Ein Abend ohne Längen. Gut gelaunt präsentierte sich Günter Grünwald am Freitag in der ausverkauften Mehrzweckhalle in Oberviechtach. Bei der Beschreibung nerviger Mitmenschen zeigte der Kabarettist auch die Bandbreite des bayerischen Fluchens auf. Bild: Portner
Lokales
Oberviechtach
14.12.2014
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Grotesk ausgebaute Alltagsgeschichten, die so - aber vielleicht auch ganz anders verlaufen sind. Günter Grünwald regt sich im Plauderton über Missstände und so manchen "Dreck" auf. An klaren Worten mangelte es am Freitag auch in Oberviechtach nicht: 730 Gäste waren begeistert.

Grünwald, mit ausgewaschener Jeans und schwarzem Streifenhemd, setzt ein mattes Lächeln für die ausverkaufte "Vielzweckhalle" auf - das Publikum sei aber erste Sahne. Eine Zugabe werde er trotzdem nicht geben; sein Gerechtigkeitssinn halte ihn seit 28 Jahren davon ab. Am Ende des Kabarettabends lieferte er dazu eine "unglaubliche" Erklärung - wie zu allen anderen Geschichten auch.

Mit seinem achten Soloprogramm: "Da sagt der Grünwald stop" tourt der Ingolstädter seit März 2012 durch die Lande. Anschaulich, amüsant und stets kurz davor an die Decke zu gehen, zeigt er auf, dass die skurrilsten Anekdoten oft erschreckend real sein können. Die Zuhörer bogen sich vor Lachen. Da war es nicht weiter schlimm, dass populäre Figuren, wie Bodyguard Bonzo, gänzlich fehlten und auch die Themen nicht tagesaktuell waren. Denn wie der 58-Jährige seine Pointen setzte und umkreiste, war einfach köstlich. Allein 20 Minuten saß er mit seinem Publikum im Zug, sächselte und schimpfte und gab nebenbei Erziehungsratschläge. "Menschen sind Gewohnheitstiere", so seine Erfahrung, "sie kommen nicht damit zurecht, wenn etwas anders wird, als sie vorher denken." Wer zu Grünwald geht, weiß was er bekommt. Klare Worte. Öfters derb, aber nie beleidigend. Köstlich amüsierten sich die Besucher über die Hintergründe von "Pippas Po-Bildern" bei der Hochzeit von Kate und William und auch über den Presse-rummel um einen Tausendfüssler.

Gestreift wurde auch die Bibel, wobei der Ingolstädter sogar die "Gegensprechanlage des Herrgotts" bediente. Er wusste, warum "Burn Out" eine Volkskrankheit ist, wozu der Vortrag "Blähungen als Chance" gut sein kann und wie sich Frauen den idealen Mann wünschen. Florian Silbereisen jedenfalls sei so natürlich wie 16 Zentner Styropor.

"Wir leben in einem "Plemplem-Land", stellte der Kabarettist fest. Wer Zweifel hat: "Fernseher einschalten!" Nach unten sei immer Luft, was die Serie "Bauer sucht Frau" deutlich vor Augen führe. Nach zwei Stunden hatte Grünwald auch die Angst vorm Weltuntergang ausgeräumt. Also abwarten, was er als nächstes in seinem "Scherzbergwerk" zutage fördert.
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