Im Rausch der Farbwelt

Ein Bild ist für mich gelungen, wenn ich das Gefühl habe, den Wind im Wald rauschen oder die Fan-Geräusche im Stadion zu hören.
Lokales
Oberviechtach
25.04.2015
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Das erste was Katharina Dietlinger zu Krumau in den Sinn kam, waren die Kanufahrer, die paddelnd auf der Moldau das Unesco-Weltkulturerbe umfahren. Doch es war der Böhmerwald, der der jungen Malerin aus Oberviechtach dort einen Platz in einer renommierten Ausstellung bescherte.

Werke von insgesamt fünf Künstlern zeigt das Egon Schiele Art Centrum in Krumau (Ceský Krumlov) in dieser Saison. Die Bilder der 31-Jährigen stehen in einer Reihe mit einer Fotodokumentation von Josef und Frantisek Seidel, mit Werken von Josef Váchal (Tschechien) und Karin Pliem (Österreich).

"Mysterium Böhmerwald" lautet der Titel für die Einzelausstellungen, die in einem ehemaligen Brauereigebäude zu sehen ist. Katharina Dietlinger ist mit gut 20 großformatigen Bildern vertreten, die sich keineswegs nur auf den Wald konzentrieren.

Kleckse als Brücke

Natur-Studien kontrastieren bei Dietlinger mit gänzlich abstrakten Bildern, die wie ein bunter Teppich aus farbigen Quadraten geknüpft sind und in ihrem extrem pastosen Auftrag zum Anfassen verleiten wollen. Es sind diese dicken, in klaren und extrem bunten Farben gehaltenen Kleckse, die ein Brücke zu den Landschaftsbildern schlagen. Scheinbar grob sind sie auf die großformatige Leinwand gesetzt und erzeugen doch einen präzisen, ungewöhnlich ästhetischen Ausschnitt aus der Wirklichkeit - nur noch ein bisschen schöner.

"Wiese und Wald liegen vor meiner Haustür", sagt die Künstlerin, die in Nürnberg studiert hat und zwischen dem Atelier in der Metropole und dem zweiten Standort im Oberviechtacher Ortsteil Wildeppenried pendelt. Doch naiv sind ihre Bilder nicht. Eher schon sind sie geprägt von einer distanzierten Sicht, wenn strenge Struktur das ganz natürliche Chaos zu zähmen scheint. Beispielsweise bei einem Bild von Baumwipfeln des Böhmerwaldes, das bei einem Symposium im tschechischen Kvilda entstanden ist. Dieses Werk hat der Künstlerin auch die Einladung nach Krumau eingebracht. "Ein Bild ist für mich gelungen, wenn ich das Gefühl habe, den Wind im Wald rauschen oder die Fan-Geräusche im Stadion zu hören", erklärt die Künstlerin, die in der Vergangenheit mit Bildern von Fußball-Stadien von sich reden machte. Über Fotorealismus ist sie bei alldem aber weit hinaus.

Wenn sich die 31-Jährige an Baumwipfeln, einer Parklandschaft oder Blumenwiese und neuerdings auch dem Watzmann versucht, dann tut sie das scheinbar unbekümmert und ohne Angst vor der Nähe zum Kitsch. Das Ergebnis dieser Gratwanderung und seine abstraktes Extrem sind noch bis 1. November im Egon Schiele Art Centrum, täglich von 10 bis 18 Uhr, zu bewundern. Unter dem Titel "Berg und Tal" stellt die Künstlerin ab 7. Mai außerdem in München in der Davis-Klemm-Galerie (Gabelsberger Straße 11) aus.
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