Ins Gespräch kommen

Der Begegnungsnachmittag mit Asylbewerbern kam gut an. Angelika Vogl (Mitte) und Rita Biegerl (links) bewirteten die Gäste mit Kaffee und Kuchen. Auch Kaplan Konrad Ackermann schaute vorbei. Bild: Portner
Lokales
Oberviechtach
21.01.2015
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Damit das Fremde nicht mehr so fremd ist. "Kommen Sie einfach mal vorbei auf eine Tasse Kaffee", lädt Pfarrer Alfons Kaufmann zum Begegnungsnachmittag mit Asylbewerbern ein. "Zwanglos und keine große Sache", wünschte sich der Pfarrer den Verlauf der Premiere im Jugendraum.

Die Organisation der Nachmittage hat der Arbeitskreis Caritas des Pfarrgemeinderates Oberviechtach übernommen. Ansprechpartnerin ist Angelika Vogl, die auf ein Helferteam zählen kann. Am Freitag waren Rita Biegerl und Christl Bodensteiner mit von der Partie.

Verständigung klappt gut

"Seit einiger Zeit leben Flüchtlinge aus Syrien in unserer Stadt. Einige Frauen und Männer haben sich schon gekümmert und einen Sprachkurs organisiert, Kinder sind an unserer Schule und im Kindergarten. Aber den meisten sind sie fremd und auch wir sind ihnen fremd." - Mit diesem Aufruf im Pfarrbrief lädt Kaufmann die Asylbewerber und Einheimischen ein, sich in zwangloser Atmosphäre kennenzulernen. Dazu ist der Jugendkeller im Pfarrheim jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Vergangene Woche war Premiere. Als die erste Flüchtlingsfamilie mit zwei Kindern eintraf, stand bereits Marmorkuchen am Tisch und Kaffeeduft zog durch die Räume. Die Wohnzimmer-Sitzgruppe füllte sich schnell. Mit Gesten, Mimik und einigen Brocken Deutsch klappte die Verständigung recht gut. Asylbewerber Ibo, der in Syrien als Arzt tätig war, kommt im Sprachunterricht schnell vorwärts und fungierte als Dolmetscher. Auch die Sprachpatinnen Gudrun und Michaela hielten die Unterhaltung am Laufen.

"Genauso habe ich mir das gewünscht", freute sich Pfarrer Kaufmann, "einfach locker ins Gespräch kommen, ohne Programm und Vorgaben." Sein Ziel ist es, dass die Asylbewerber aus der Wohnung rauskommen und Einheimische treffen. Während die Erwachsenen mit den Kleinkindern am Kaffeetisch saßen, ging der Stadtpfarrer mit den Jugendlichen in den Vorraum zum Kickern. Am Nebentisch wurde mit zwei Mädchen "Mensch ärgere dich nicht" gespielt. Die Kinder fassten schnell Zutrauen und ihre großen braunen Augen strahlten, als sie die gelernten Wörter anbringen konnten. "Vor allem die Kinder kommen schnell voran", berichtete Sprachpatin Gudrun, die jeden Mittwochnachmittag bei den syrischen Familien vorbeischaut. Sie hat sich ein visuelles Wörterbuch beschafft und prägt sich im Gegenzug die Begriffe auf Arabisch ein.

Nicht immer wird gelernt und gelacht. "Manchmal sitzen sie mit traurigen Augen da, in Gedanken an die schrecklichen Erlebnisse." Es komme auch vor, dass in ihrem Beisein eine Mitteilung über einen getöteten Verwandten eintrifft: "Was sagst Du, wenn Dir ein Jugendlicher das Bild seines Onkels zeigt, der in einer Blutlache am Boden liegt?" Man könne trösten, aber nicht einfach vergessen. "Ich weiß erst jetzt Näheres über die zwei Jahre dauernde Flucht, die von Syrien über Libyen und das Mittelmeer nach Europa führte", berichtet der Pfarrer nach dem Treffen. Im Schiff waren sie eingepfercht wie Tiere; im Wasser trieben tote Menschen, die es nicht geschafft hatten. Handyfotos dokumentieren das Grauen und zeigen auch die Häuser, die in die Luft gesprengt wurden. "Man muss nicht neidisch sein, wenn schon die Kinder ein Handy haben. Es ist ihre einzige Verbindung zu den Verwandten und Freunden. Außerdem müssen sie ihr Taschengeld dafür aufsparen", erklärt eine Sprachpatin, die sich schon mal über "dumme Sprüche" ärgert. Beim Vermitteln von Hausrat sei sie jedoch bei vielen auf offene Ohren gestoßen.

Einladung für Freitag

Im Laufe des Nachmittags kamen 16 Einheimische und 15 Asylbewerber im Jugendkeller vorbei. Wer Interesse hat, ist auch diesen Freitag "zu einer Tasse Kaffee" willkommen. Diesmal gibt es übrigens auch Tee.
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