Intelligent und anpassungsfähig

"Lernen wie eine Sau denkt" war das Thema des Schwarzwildexperten Dr. Barthel Klein für die Jägerschaft der Kreisgruppe im "Gaisthaler Hof". Bild: gl
Lokales
Oberviechtach
02.07.2015
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Dr. Barthel Klein ist ein erfahrener Experte, Fachbuchautor und erfolgreicher Schwarzwildjäger. Unter dem Motto "Lernen wie eine Sau denkt" verblüffte er die Jäger der Kreisgruppe Oberviechtach.

Die hohe Intelligenz von Wildschweinen und daraus die Rückschlüsse auf ihre Gepflogenheiten waren Gegenstand eines Vortrages, zu dem die Kreisgruppe Oberviechtach im Landesjagdverband in den "Gaisthaler Hof" eingeladen hatte.

Nach dem Signal "Begrüßung" von Jagdhornbläsern unter Leitung von Stephan Vogl brachte Kreisgruppenvorsitzender Alexander Flierl seine Freude über den guten Besuch der Jägerschaft zum Ausdruck und hieß neben dem Referenten besonders die Hegegemeinschaftsleiter Josef Salomon (Niedermurach), Reinhold Dietl (Neunburg-Nord) und Ludwig Hartl (Tännesberg) sowie Herbert Fiebak, den Leiter der "Oberpfalz-Meute" willkommen.

Zunehmende Schäden

Flierl verwies auf die aktuelle Problematik in der Schwarzwildbejagung, verbunden mit wachsenden Beständen und erheblichen Schäden. Daneben besteht auch die Verpflichtung zur Arterhaltung, wobei der zeitliche Aufwand der Jägerschaft auch mit einer entsprechenden Strecke verbunden sein sollte. Mit dem Referenten sei die vom Marc Liebermann organisierte Veranstaltung gut bedient. Dr. Barthel Klein wurde mit seinem Werdegang in der Forstwirtschaft bis zum Forstdirektor in Wunsiedel und seiner späteren Verantwortung als Landesforstpräsident in Sachsen vorgestellt.

Er bemühe sich, so Dr. Klein, der Jägerschaft nahezubringen, "wie die Sau denkt", damit die wichtige Jagd auf die Schwarzkittel mit wenig Aufwand zum Jagderfolg werden kann. Die allerorten wachsenden Bestände seien teilweise auf den Klimawandel, auf beste Frasbedingungen und viel Deckung zurückzuführen. Aber auch auf die hohe Intelligenz der Wildschweine, die sich an den Gepflogenheiten der Jäger orientieren. Dem stehe der hohe Zeitaufwand der Jäger gegenüber.

Als eines der intelligentesten Säugetiere verfügen Wildschweine laut Dr. Klein über ein hervorragendes Gedächtnis über die Erfahrungen - sei es Flucht oder andere Begegnungen - mit den Jägern. Sie sind dabei auch beständig, manchmal auch tagaktiv, wie ihr Aufenthalt selbst in Städten zeigt. So ist eine intensive Bejagung an den angelegten Kirrplätzen (Futterplätzen) nur einmal möglich; zumindest seien Wartezeiten erforderlich. Dies zu erkennen, spare Zeit. Andererseits wirkt die Menschenwitterung (Geruch) wie eine chemische Keule, wie Tests mit Räucherpatronen belegten.

Doch mit Tricks wie Dieselgeruch könne die menschliche Witterung überdeckt werden. Nicht die Wolken, sondern die Windrichtung sei von Bedeutung, auch bei der Anlage von Kirrplätzen, die aber immer gewechselt werden sollen. Ein Schuss sei Horror für das feine Gehör der Schweine, auch das Fehlen eines Rottenmitglieds. Besonders die Leitbachen, aber auch führungslose Frischlinge reagierten darauf. Ansonsten hätten die Wildschweine mit den Jägern nur "ein" Problem.

"Positives Sauwetter"

Sie lernen aber auch sehr schnell und passen sich den Situationen an. So werden Wanderer als harmlos erachtet. Sie reagieren aber selbst auf geringe Veränderungen und stehen auf den Kirrplätzen immer unter Spannung. Der Jägerschaft empfahl der Experte, nicht sofort zu schießen und auch nicht sofort zum Anschuss zu laufen.

Nicht nur die Maisfelder, auch der Wald bietet viele Futterplätze. Auch das Wetter spielt bei der Jagd eine Rolle. Schlechtes Wetter oder Tauwetter sind für die Schwarzkittel "positives Sauwetter".
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