Kaiser Wilhelm als Pate

Lokales
Oberviechtach
20.10.2015
1
0

Dem Apfel haben wir die Vertreibung aus dem Paradies zu verdanken. Dabei schmeckt nicht jede Frucht wirklich köstlich. Timo Gmach kennt nicht nur die alten und neuen Stars unter den Äpfeln, sondern auch ihre ganz spezielle Geschichte.

Bei einem Vortrag beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) untersuchte Timo Gmach, Pomologen aus Rötz, "Obstsorten und deren Geschichte". Hinter jeder Apfelsorte steht meist auch ein Züchterschicksal, wusste er zu berichten. Schon vor dem offiziellen Teil hatte er die mitgebrachten Apfelsorten einiger Gäste identifiziert.

"Baum der Erkenntnis"

Im wahrsten Sinne des Wortes bei Adam und Eva begann der Vortrag. Gmach erinnerte daran, dass es ein Apfel gewesen sein soll, weswegen Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben worden sind. Richtigerweise steht in der Bibel aber nur, dass die beiden vom "Baum der Erkenntnis" genascht haben, erst Martin Luther habe bei seiner Bibelübersetzung diese Frucht als Apfel benannt.

"Viele unserer Apfelsorten haben ihre Ursprünge in Kasachstan und sind schon vor fünf- bis sechstausend Jahren zu uns nach Europa gekommen", berichtete der Fachmann. Auch Alexander der Große und Kaiser Karl der Große hätten viele Apfelsorten nach Europa gebracht, sie waren demnach große Apfelkenner. Gmach stellt fest, dass die neuen Apfelsorten nicht schlecht sind. Sowohl unter den alten als auch den neuen Sorten gebe es gute und weniger gute Äpfel. Auffallend aber sei, dass die in den Großmärkten angebotenen Äpfel meist ein makelloses Äußeres aufweisen und alle gleich groß sind. Wenn sie daheim liegen, würden sie auch nach Wochen noch einen schöne Form aufweisen und sehr lange haltbar sein. "Doch diese neueren Apfelkreationen sind so gezüchtet, dass sie maschinell sortierbar und möglichst lange haltbar sind und dem Kunden von Form, Farbe und Glanz sofort ins Auge fallen", gab der Experte zu bedenken. Denn noch immer herrsche bei den Kunden die Meinung vor: Was gut aussieht, muss auch gut und vitaminreich sein.

Die älteren Sorten mussten in früheren Zeiten nicht so lange haltbar sein, denn sie wurden meist gleich verzehrt oder zu Saft und Marmelade verarbeitet, da sie zu wichtigen Nahrungsmitteln zählten, informierte der Pomologe. Viele Apfelsorten, die nicht besonders gut waren, fanden dann erst reißenden Ansatz, als sie mit den Namen von Herrschern versehen worden sind. Bekannte Apfelsorten wurden: Kronprinz Alexander, Friedrich August von Sachsen, Prinz Albrecht von Preußen oder Kaiser Wilhelm I liehen Apfelsorten ihren Namen.

Einige Apfelsorten sind aus dem Ausland eingeführt worden,. So kommt der "Granny Smith" aus Neuseeland und wird in vielen Variationen gezüchtet. Auch der "Gelbe Kostbare" (Golden Delicious) zähle zu den bekanntesten Apfelsorten in der Region und werde oft gekauft.

Viel gesünder

Leider, so der Pomologe, verschwinden viele alte und gute Apfelsorten nur, weil sie äußerlich nicht besonders schön sind, nicht die gleichmäßige Formen haben oder bräunliche Flecke aufweisen. Dabei wären sie sehr gut und saftig. Der Fachmann appellierte an die Zuhörer, alte Apfelbäume, auch wenn sie nicht mehr ganz so ertragreich sind, nicht einfach abzuschneiden, sondern sie einfach in Ruhe zu lassen.

"Wer nicht mehr weiß, was er mit seinen Äpfeln machen soll, soll sie zum Entsaften bringen", riet er den Zuhörern. Die konnten feststellen, dass der naturtrübe Apfelsaft vorzüglich schmeckt. Er sei auch viel gesünder, als das, was es in den Großmärkten zu kaufen gibt.

OGV-Vorsitzender Karl Ruhland dankte dem Referenten für diesen hervorragenden Vortrag. Auch die Besucher zollten im viel Applaus, denn sie hatten viel über Äpfel und ihre Geschichte gelernt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.