"Kehraus" für die Milchquote

"Kehraus" hieß es im Kuhstall mit den Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier (CSU, links) und Marianne Schieder (SPD, rechts) sowie den BDM-Vorsitzenden (von links) Johannes Hösl, Matthias Irlbacher und Martin Prey. Bild: ptr
Lokales
Oberviechtach
18.02.2015
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Neue Milchseen und Butterberge: Dieses Schreckgespenst sehen viele Landwirte auf sich zukommen, wenn am 1. April die Milchquote fällt. Die Politik setzt auf den freien Markt, der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) fordert ein Sicherheitsnetz für die Mengenregulierung.

BDM-Kreisvorsitzender Johannes Hösl hatte die beiden Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier (CSU) und Marianne Schieder (SPD) gestern zum "Milchmarkt-Kehraus" auf seinen Betrieb im Oberviechtacher Ortsteil Hof eingeladen.

32 Cent zu wenig

Zusammen mit seinen beiden Stellvertretern Martin Prey (Niedermurach) und Matthias Irlbacher (Unteraich) gab er den beiden Abgeordneten einen "Milchviehhalter-Appell" nach Berlin mit und fasste die Situation kurz zusammen. Hintergrund ist, dass die Milchquote nach 31 Jahren fällt. Diese hatte festgelegt, wie viel Milch die einzelnen Länder in der EU liefern durften. Ab 1. April kann jeder einzelne Landwirt so viel liefern wie er kann. Was dann passiert, darüber gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen.

"In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass schon relativ geringe Mengenveränderungen den Preis beeinflussen. Egal in welche Richtung", stellte Hösl klar. Beginnend ab September 2013 fiel der Preis von 42 Cent pro Liter auf derzeit rund 32 Cent. Matthias Irlbacher stellte klar: "Zehn Cent pro Liter weniger für die Bauern, das bedeutet allein im Landkreis Schwandorf 14 Millionen Euro weniger Wertschöpfung und damit einen enormen Kaufkraftverlust!" Während der Binnenmarkt noch boomt, hapere es am Weltmarkt. Zu hohe Anlieferungen würden derzeit aber noch mit einer Strafzahlung ("Superabgabe") in Schach gehalten.

"Der Landwirt ist gegenüber den Lobbyisten und Molkereien ein Einzelkämpfer und kann sich ohne Netz nicht gut in den Markt einbringen", verdeutlichte Martin Prey. Er befürchtet, dass viele Milchbauern die Produktion einstellen müssen und sieht hier auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Die Politik sei gefordert, den Milchmarkt um ein Instrument zu ergänzen, um damit ein Sicherheitsnetz mit Frühwarnsystem zu schaffen. Hösl sieht dafür das BDM-Konzept "Milchmarkt-Krisenmanagement" als gute Diskussionsgrundlage. Die BDM-Milchbauern seien überzeugt, dass alle Marktbeteiligten eine gemeinsame Verantwortung tragen, dies auch im Hinblick auf eine gesunde Vielfalt und Vitalität der ländlichen Räume. "Es gibt ein Feuerschutzkonzept in den Gemeinden. Aber für die Milchbauern heißt es jetzt Feuer frei!", befürchtet Martin Prey.

"Politik wird reagieren"

"Ich verstehe die Ängste, aber die Quote war kein Allheilmittel. Jetzt müssen wir erst einmal schauen, wie sich der Markt entwickelt", sagte Karl Holmeier dazu und versprach: "Die Politik hat Steuerungsmöglichkeiten und wird reagieren, wenn der Preis in den Keller fällt." Marianne Schieder betonte, dass sie schon seit längerer Zeit auf die Problematik eines offenen Milchmarktes hinweise: "Unsere Bauern in Bayern sind der Rückhalt des ländlichen Raumes. Diese Wertschöpfung darf nicht wegfallen." Von 364 000 landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1984, bestehen aktuell nur noch 78 000 Höfe.
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