Krone bleibt im Regal

Nach Yasmin I. und Heinz I. war vor drei Jahren Schluss mit den Faschingsprinzenpaaren bei Grün-Weiß. Viele Verpflichtungen schrecken ab und sind oft nur schwer mit dem Beruf zu vereinbaren. Bild: hfz
Lokales
Oberviechtach
04.02.2015
1
0

Ihr Kleid ist beim Ball der Hingucker, auf seine Füße wird garantiert ganz genau geschaut. Doch mit langen Reden machen sich Faschingsprinzenpaare schnell unbeliebt. Auch Oberviechtach kommt heuer ohne Hoheiten aus, und das hat viele Gründe.

Vor drei Jahren fegte zum letzten Mal ein Prinzenpaar in Oberviechtach übers Tanzparkett: Yasmin I. und Heinz I. setzten allerdings einen vorläufigen Schlusspunkt unter diese Tradition der Arbeiterwohlfahrt-Faschingsgesellschaft mit der Tanzgruppe Grün-Weiß. Der Vorstand war sich einig, nur noch zu bestimmten Anlässen Würdenträger einzusetzen. Beispielsweise heuer, zum 25-Jährigen der Tanzgruppe. "Aber unser Paar ist kurz vorher abgesprungen", bedauert Präsident Michael Welnhofer. Eine Traumrolle bietet die Faschingsprinzessin schon lange nicht mehr. Ambitionierte Tänzerinnen fühlen sich in der Gruppe wohler oder brillieren lieber als Funkenmariechen mit Akrobatik. Ein Diadem oder eine Krone wiegt die gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht auf.

"Gewaltig gehänselt"

Noch schwerer haben es die Faschingsprinzen, weiß Welnhofer. Er selbst stand zwar Jahrzehnte hinter den Kulissen, der Job als Hoheit ist ihm nie zugefallen. Dafür übernahmen die Söhne Sascha und Nikolai dieses Amt - und mussten ganz schön was einstecken. "Sascha ist mit dem Hut seines Großvaters als Kinderprinz angetreten, aber er ist in dieser Rolle gewaltig gehänselt worden", erzählt der Vater und berichtet von Eltern und Lehrer, die der Tradition auch nicht gerade freundlich gesinnt waren.

Inzwischen ist auch das Publikum wenig begeistert von allzu ausufernden Besuchen eines Elferrats mit Prinzenpaar, mancherorts wird die Visite der Hoheiten schlichtweg abgelehnt, nur die Garde ist erwünscht. "Das stört den Ablauf, interessiert nicht und könnte den Ball eher zerreden als aufpeppen", kann Welnhofer die Befürchtungen mancher Ballbesucher nachvollziehen: "Auch so eine Ordensverleihung, das zieht sich." Als Präsident fasst er sich deshalb kurz und sorgt dafür, dass seine Truppe möglichst dann einmarschiert, wenn die meist teure Kapelle eine Pause macht.

Teures Auslösen

Auch das Rampenlicht ist nicht jedermanns Sache. Manch eine Prinzessin musste getröstet werden, weil ihr Kleid nicht so gut ankam, dabei sind für so eine Ausstattung "gleich mal 600 bis 700 Euro weg", berichtet Welnhofer. Die Tänze müssen einstudiert werden und einem kritischen Publikum standhalten. Zum Saisonende häufen sich die Termine, und dann gibt es noch ein paar Bräuche, die ins Geld gehen.

So müssen die Hoheiten Zepter, Diadem oder Präsidenten-Mütze auslösen, falls sie die Insignien ihrer Macht verlegt haben - oder findige Zeitgenossen sich das Pfand unter den Nagel reißen. "Wenn man dann an einem Abend drei Mal für 20 Leute eine Runde ausgeben soll, das ist kein Spaß mehr", weiß Welnhofer."

Trauert der 55-Jährige nun den Zeiten nach, als die "Monarchie" in Oberviechtach nicht gefährdet war? "Jein", lautet die Antwort, wenn plötzlich Erinnerungen an lange, aber schöne Nächte beim Prinzenpaar-Treffen wach werden. Doch für die nächsten Jahre ist kein Prinz in Sicht. "Tanzen gilt nach wie vor als Weibersport", seufzt Welnhofer und fügt mit einem Kopfschütteln hinzu: "Dabei sind doch gerade die guten Tänzer bei Frauen sehr begehrt."
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.