Kunst auf dünner Schale

Auch diese perfekten Ornamente lassen staunen.
Lokales
Oberviechtach
04.04.2015
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Das Ei gilt als Ursymbol des Lebens und als Glücksbringer. Werner Höcherl hat es vor allem Sammlerglück beschert. Ein zerbrechliches Glück, aber auch ein Augenschmaus, den er jetzt mit Museumsbesuchern teilt.

Der Brauch, Eier zu bemalen, stammt aus der Ukraine und ist ziemlich alt: So hat man ein bemaltes Ei aus dem vierten Jahrhundert nach Christus gefunden. Die traditionelle Grundfarbe in der westlichen Welt ist rot. In Osteuropa findet man aber eher goldfarbene Eier - ein Zeichen der Kostbarkeit. Experte für solche Details ist Werner Höcherl aus Nabburg. Der pensionierte Lehrer lässt zusammen mit Dekorateurin Maria Näßl seit 45 Jahren kaum einen Ostermarkt aus. 1600 besonders hübsche Eier hat er inzwischen zusammengetragen, rund die Hälfte davon zeigt er nun im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum von Oberviechtach.

Mit Wachs und Säure

Längst gibt es nicht nur rote und goldene Eier. Unterschiedliche Bearbeitungstechniken sorgen für eine enorme Bandbreite. Bei Pysanky-Eiern aus der Ukraine beispielsweise hilft Wachs, um Farbe auszusparen, die Ornamente gehen auf uralte Traditionen zurück. Scherenschnitte lassen sich auch auf Eier übertragen, in Ätz- und Kratztechnik, Sgraffiti- oder die Perforiertechnik gibt es wieder ganz andere Effekte. Der Brauch des Eierbemalens ist zur Kunst avanciert.

Werner Höcherl hat nicht nur zur Osterzeit einige der schönsten Exemplare aus dem In- und Ausland um sich versammelt. Das ganze Jahr über ist er auf Ostereiersuche, fahndet nach interessanten Objekten und neuen Adressen von Eier-Künstlern. "Am interessantesten waren da immer die Eierbörsen in der Osterzeit" erzählt der Sammler. Für die Ausstellung in Oberviechtach hat er eine Auswahl getroffen, die den länderübergreifenden Brauch der Eier-Verzierung widerspiegelt. Keineswegs nur Hühnereier, auch Eier von Gans, Ente, Schwan, Pute, Strauß, Emu, Nandu, Taube, Wachtel, Elster und Amsel gehören zu den Leihgaben. Sie stammen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Holland, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Ukraine, Rumänien, Russland und gar China.

Ursprünglich war es üblich, alle Eier einheitlich rot zu färben. Das geschah mit Blut, Kalk und Kohle, später mit den Farbstoffen, die man aus Pflanzen gewann und die heute noch von vielen Eiermalern bevorzugt werden. Ansonsten finden Tempera-, Aquarell-, Öl- und andere Farben Verwendung. Heute werden die Eier mit Pinsel oder mit Feder bemalt. In den Vitrinen sind aber auch Eier ausgestellt, die nicht auf tierischem Material aufbauen: Porzellan-Eier aus der Meissener Schule oder von Hutschenreuther, Marmor- und Halbedelstein-Eier, hölzerne Eier und solche, die mit Klöppelspitzen verziert oder bestickt sind.

Seit dem 17. Jahrhundert ist die Verbindung von verzierten Eiern mit dem Osterfest dokumentiert. Ab dem 19. Jahrhundert wurde in ganz Europa das künstlerisch bearbeitete Osterei populär, angefangen von wertvollen Klosterarbeiten über die Bemühungen bedeutender französischer Maler bis hin zu den äußerst kostbaren verzierten Ostereiern am russischen Zarenhof.

Vom Zins zum Geschenk

Und was hat das Ei mit Ostern zu tun? Diesen Zusammenhang stützen mehrere Aspekte. So war in der Fastenzeit früher der Verzehr von Eiern untersagt. Andererseits gab es zu Ostern "Zinseier", eine seit dem 9. Jahrhundert verbuchte Form der Abgabe mit genau festgeschriebener Zahl der Eier, die als Grund- und Bodenzins an weltliche oder geistliche Herrschaften abzuliefern waren. Als Gegenleistung wurden Zoll- und Marktfreiheiten garantiert. Später wurde aus dem "Zinsei" das "Schenkei", eine beliebte Gabe für Patenkinder, Dienstboten, Pfarrer und Lehrer. (Hintergrund)
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