Lebenskünstler in einer Diktatur

Im Messgewand mit den bunten Ornamenten nimmt Pater Alfons Brunner eine Trauung in Simbabwe vor. In dem afrikanischen Land herrscht Diktator Robert Mugabe, und auch Missionare können nur dann ungehindert arbeiten, wenn sie sich mit kritischen Äußerungen zurückhalten. Bild: hfz
Lokales
Oberviechtach
27.08.2015
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"Die Intelligenz soll heimgehen und die Opposition verstärken", fordert Pater Alfons Brunner mit Blick auf ein Land, das mit vielen Problemen kämpft. Simbabwe ist zu seiner Heimat geworden, die er nicht in Stich lassen will.

Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass politische Veränderungen in Simbabwe wohl eher ein frommer Wunsch bleiben werden. Und Wünsche gäbe es viele für das afrikanische Land, über das der Ordensmann der Mariannhiller Missionskongregation bei einem Informationsabend der Kolpingfamilie informierte.

Der nun 79-Jährige wirkt inzwischen seit 47 Jahren in dem afrikanischen Land. Simbabwe hieß früher Rhodesien und war eine britische Kolonie. Nach dem Abzug der Kolonialmacht wurde das Land selbstständig. Die Weißen wurden nach und nach vertrieben oder sind selbst ausgewandert. Dadurch entstand mehr und mehr Chaos, berichtete der Geistliche.

Kein Rücktritt in Sicht

Präsident Mugabe (92) führt das Land seit 35 Jahren mit eiserner Hand, so Pater Alfons Brunner. Der Diktator werde wohl nicht zurücktreten, denn dann hätte er mit Sicherheit ein Gerichtsverfahren zu befürchten. Auch die Vertreter der Kirche müssen vorsichtig agieren. "Unsere Arbeit wird nicht behindert, wenn wir den Mund nicht zu weit aufmachen", sagte der Missionar.

Seine Tätigkeit besteht in der pastoralen Betreuung in einem Kinderheim. Seit neun Jahren fährt er dazu wöchentlich zwei Mal die 62 Kilometer lange Strecke (einfach). Er werde dort von einer Schwester in der Vorbereitung zum Sakramentenempfang aktiv unterstützt. Auch zum Spenden der Firmung habe er schon mal den Bischofsauftrag erhalten. Diese Tätigkeit in dem Kinderheim werde er nun aber, nicht zuletzt wegen der nun diagnostizierten altersbedingten schwachen Herztätigkeit, aufgeben müssen. Eine weitere Aufgabe habe er in der seelsorglichen Betreuung eines Altenheimes in Bulawajo erhalten.

Generell, so Pater Brunner, sei die Situation in Simbabwe mit den hiesigen Verhältnissen überhaupt nicht vergleichbar. Der Geistliche hatte dafür auch Beispiele parat: Wahlergebnisse werden erst fünf Wochen nach dem Wahltag bekannt gegeben. "Die Leute sind Lebenskünstler, man muss sich wundern, wie sie überleben können", meint der Pater. Denn zwar sind Gas und Bodenschätze vorhanden, und Kenner sagen, dass Simbabwe mehr noch als Südafrika auf Gold und Diamanten "sitzt", doch es fehlen ausländische Investoren. Das staatliche Schulwesen liege im Argen - nur die kirchlich betriebenen Schulen würden funktionieren. Ebenso sei es mit den Hospitälern.

Viele aktive Laien

Immerhin gibt es in Simbabwe keinen Nachwuchsmangel bei den Priestern, berichtete Pater Brunner, inzwischen werde mehr ausgesiebt. Außerdem nehmen Laien den Missionaren viel Arbeit ab; sie seien aktiver als hier. Die Rollenverteilung bei den Geschlechtern sieht laut Pater Brunner so aus: "Frauen müssen schwer arbeiten. Die Männer sitzen vielfach beim Bier."

"Nach 47 Jahren ist Simbabwe meine Heimat geworden, und ich bleibe dort", war die Antwort des Paters auf eine entsprechende Frage. Voraussichtlich am 5. September werde ihn sein Bruder Hans nach Frankfurt bringen. Der etwa zehnstündige Flug führt nach Kapstadt, von dort geht es weiter nach Bulawayo im Südwesten von Simbabwe. Im Gepäck hat er dann auch eine Spende der Kolpingfamilie in Höhe von 500 Euro.
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