Letztes Amtsjahr für den Kreisbrandinspektor Manfred Pohl
Heiße Einsätze lassen nicht kalt

Diese Uniform wird Manfred Pohl im April 2015 "an den Nagel hängen". Nach 26 Amtsjahren hat der Kreisbrandinspektor die Altersgrenze erreicht und nimmt Abschied. Bild: frd
Lokales
Oberviechtach
29.12.2014
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Feuer hat Kreisbrandinspektor Manfred Pohl (62) immer dabei. Im April 2015 geht der "Mann mit Pfeife" in Ruhestand - der Abschied von den 60 Ortsfeuerwehren hat begonnen. Doch auch nach 26 Amtsjahren "brennt" der KBI noch immer für sein Hobby, das schon lange keines mehr ist.

Pohl ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele: 45 Jahre aktiver Dienst, 30 Jahre Tätigkeit bei der Landkreisführung, davon 26 Jahre als Kreisbrandinspektor für den Bereich der Altlandkreise Oberviechtach und Neunburg. Doch nicht nur Zahlen, sondern vor allem Taten sprechen für sich. 1970 startete er als stellvertretender Kommandant bei der Feuerwehr Oberviechtach; 1986 übernahm er die Atemschutzausbildung im Landkreis Schwandorf und leistete hier Pionierarbeit. "Atemschutzträger haben den gefährlichsten Job bei der Feuerwehr", sagt er und erinnert sich: "Ich war jeden Abend und Samstag unterwegs und habe über 1000 Aktive angelernt."

Viel "draußen"

Schon bald war klar: Es begann als Hobby, wurde aber zum zweiten Beruf. Der Kreisbrandinspektor und Vertriebsleiter für industrietechnische Produkte ergänzt: "Es gibt keinen Unterschied zwischen einer freiwilligen und einer Berufsfeuerwehr. Man bemüht sich das Gleiche zu leisten." Pohl, der in Oberviechtach auch das Technische Hilfswerk (THW) mit aufgebaut hat, weiß wovon er spricht. Er skizziert die Aufgaben: Der KBI muss sich um die Feuerwehren kümmern. Er muss schauen, dass sie funktionieren, dass die Ausstattung passt und dass eine Ausbildung stattfindet. Und er muss natürlich "draußen" bei den Einsätzen sein und diese ggf. übernehmen. Die Stunden, die er am Unfallort oder Brandherd gestanden hat, kann er nicht mehr zählen - nur fühlen, wenn das Kreuz zwickt. Bei der Frage nach dem gefährlichsten Einsatz muss er keine Sekunde überlegen: "Der Brand bei Bahlsen in Neunburg war ein Himmelfahrtskommando!" Sechs Feuerwehren mit rund 80 Aktiven waren im Februar 1996 gefordert, den Großbrand im Chipswerk mit Schaumwerfern, vier Drehleitern sowie zahlreichen Schaum- und Strahlrohren in den Griff zu bekommen. Es gelang, das Übergreifen der Flammen auf die Tanks mit Speiseöl zu verhindern; der Schaden belief sich auf etwa zehn Millionen Euro.

Feuerwehr - das ist aber schon lange nicht mehr "Löschen und Schläuche", die technische Komponente wird immer wichtiger. Die erfreuliche Tendenz zu weniger Verkehrstoten, sieht Pohl auch als ein Verdienst der Feuerwehren. "Unsere Rettung ist genauso modern und gut wie in München." Waren im Fahrzeug eingeklemmte Personen früher noch ein großes Problem, so sind die Wehren jetzt für eine professionelle und schnelle Hilfe gut ausgerüstet. Er spricht die First Responder an und auch die Tatsache, dass jeder Feuerwehrmann in Erster Hilfe ausgebildet ist. Obwohl nur noch drei Monate im Dienst, erkennt man bei Manfred Pohl keine Amtsmüdigkeit. Er "brennt" nach wie vor für die Feuerwehren, fühlt sich verantwortlich wie eh und je und stellt die Hilfe am Nächsten ganz oben an sein Handeln. Da ist es natürlich schön, wenn auch ein Dank zurückkommt. "Eine Frau schickte mir viele Jahre lang eine Weihnachtskarte und bedankte sich", erinnert sich Pohl. Auslöser war ein Unfall am Neujahrstag 1983 oder 1984, als die Fahrerin eines VW-Käfers zwischen zwei Bäumen eingeklemmt auf Hilfe wartete.

Auch mal spektakulär

Auch an eine spektakuläre Tierrettung erinnert sich der Kreisbrandmeister. Die Meldung "Person mit Pferd in Brücke eingebrochen droht abzustürzen" forderte die Einsatzkräfte in der Nähe von Rackenthal (Schönsee). "Zum Bachbett hinunter waren es acht Meter. Wir haben mit B-Schläuchen ein Auffangnetz gebaut, das Gewicht mit der Drehleiter abgestützt und das Pferd nach oben gehievt." Der Wanderreiter schrieb einen langen, emotionalen Dankesbrief in die Oberpfalz: "Man ist ein Fremder und kennt niemanden. Und plötzlich sind da viele die helfen." Ein Feedback erhalten die Feuerwehrleute aber leider nicht allzu oft: "Viele nehmen die Hilfe als Selbstverständlichkeit hin."

Was bringt die Zukunft? Als Pohl vor 45 Jahren zur Feuerwehr kam, hatten die Oberviechtacher einen alten Opel "Blitz" mit Anhänger; jetzt stehen bei der Stützpunktwehr acht Fahrzeuge. Auch die anderen 60 Wehren im KBI-Bereich sind "top-ausgerüstet", es gibt zwei Drehleitern und einen Rüstwagen und viele Orte haben ein neues Gerätehaus. "Es ist das optimalste erreicht. Ich wünsche mir, dass die freiwilligen Feuerwehren diesen Stand erhalten können." Ganz klar stellt er auch fest: "Ohne Ehrenamtlichkeit könnte der Schutz der Bürger nicht mehr so gut geleistet werden. Das wäre ein totaler Rückschritt."

Mehr Zeit für die Jagd

Nachdenklich fügt er auch den Gedanken an mögliche neue Aufgaben an, "von denen wir jetzt noch gar nichts wissen". 2015 geht der Digitalfunk in Betrieb. "Es ist eine große Herausforderung, dass dieser so gut funktioniert, wie die Alarmierung, die wir jetzt haben", gibt Pohl zu bedenken. Er ist und bleibt ein Kamerad, der sich kümmert und Zeit nimmt und bei den Jahreshauptversammlungen so zuverlässig erscheint wie beim Einsatz.

Ab April hat er nun mehr Zeit für sich, für die Familie und sein weiteres Hobby, die Jagd. "Die Natur ist für mich ein Angelpunkt im Leben", erklärt er und freut sich darauf, wenn Tochter Ramona wieder mal mit "ansitzt". Die Diplom-Forstingenieurin schult Jäger in ganz Bayern zum Verbissgutachten und schätzt die Fachgespräche mit dem Vater. Doch viel Zeit dazu wird Manfred Pohl die nächsten Monate noch nicht haben: Jetzt will er sich von "seinen" Wehren und den Aktiven verabschieden.
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