Meisterliches Konzert beschert

Blumen gab es vom Organisten der Stadtpfarrkirche, Paulinus Lesser, für seinen Kollegen von Berlin-Lankwitz. Bild: lg
Lokales
Oberviechtach
11.08.2015
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Andere feiern ihren Geburtstag mit einer Einladung zu Kaffee und Kuchen. Dr. Peter Simonett aus Berlin lud anlässlich seines 75. zu einem Orgelkonzert bei freiem Eintritt in die Stadtpfarrkirche ein.

Organist Paulinus Lesser gratulierte eingangs und stellte den Musiker vor, der seit den achtziger Jahren die Verbindung zu Oberviechtach und Winklarn pflegt, wo er wiederholt schon Konzerte unterschiedlicher Art gegeben hat. Manche werden sich noch an Simonetts Berliner Schulorchester erinnern, dessen Markenzeichen der Einsatz faszinierender alter Instrumente gewesen ist. Zum Geburtstagskonzert standen bedeutende Werke der Orgelliteratur auf dem Programm.

Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Max Reger und Leon Boellmann waren angesagt. Anfang und Ende des Konzertes brachten Kompositionen, die eigentlich einen jugendlichen Virtuosen vermuten ließen. Leider konnte man dem Geburtstagskind auf der Empore nicht zuschauen, denn die "Beinarbeit" des Organisten in dem Pedalsolo der C-Dur-Toccata von Bach ist nicht nur hörenswert.

Orgeltest á la Bach

Im Programmblatt lieferte der Interpret instruktive Erklärungen zu den Werken, so dass die Zuhörer einen leichten Zugang finden konnten. Der Organist wies hier darauf hin, wie sich Bach gleichsam für den eigenen Gebrauch ein virtuoses Stück komponiert hat, um die Qualität einer Orgel zu überprüfen und dabei natürlich auch das Können des Spielers herauszustellen.

Aber es war nicht nur Musik von glänzender Virtuosität zu hören, gerade die verhaltenen Werke zeigten tiefste Gefühle. Das war besonders in der "Consolation", also "Tröstung" von Max Reger zu erleben.

Klangvielfalt begeistert

"Als sei das Werk direkt für unsere Orgel komponiert", meinte einer der Zuhörer im Hinblick auf die zarten und farbigen Klänge. In der Mitte des Werkes erschütterte der gewaltige Ausbruch des Schmerzes, doch er wird dann wieder von den sanftesten Klängen aufgefangen, ja fast verklärt. Reger hat viele seiner Orgelwerke in Weiden komponiert, Musikfachleute sehen in ihnen auch die Oberpfälzer Landschaft und die Mentalität ihrer Menschen widergespiegelt.

Für den pensionierten Gymnasiallehrer mit den Fächern Musik und Geschichte und den Dozenten an der Berliner Musikhochschule bedeutete das Geburtstagskonzert auf der Eisenbarth-Orgel eine besondere Freude, die auch die angereisten Kinder und Enkel mit ihm teilten. Dr. Simonett würdigte die reichen Klangmöglichkeiten der Oberviechtacher Orgel, die er nicht nur bei Konzerten, sondern auch bei alltäglichen Gottesdiensten bedient.

"Nach all dem Orgelgebrause kommt jetzt etwas Besinnliches!", meinte er flapsig, als er durch langanhaltendem Schlussapplaus zu einer Zugabe animiert wurde. Hier kam nochmals Bach ins Spiel: "Wo soll ich fliehen hin?"
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