Milchbauern machen mobil

Die Vorstandsmitglieder des BDM-Kreisverbandes unter der Leitung von Johannes Hösl (Zweiter von links) appellieren an die Politik, europaweit die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Flankiert werden sie von der Familie Bodensteiner, auf deren Anwesen in Miesmühle das Treffen stattfand. Bilder: frd
Lokales
Oberviechtach
27.08.2015
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Die Milchbauern fordern, dass die Politik europaweit die Richtlinien vorgibt. Denn derzeit liegen die Herstellungskosten wieder weit über dem Erlös für einen Liter Milch. Bei einer Sternfahrt in die Landeshauptstadt rollen die Traktoren am Samstag auch durch Oberviechtach.

"Nur weil Alt und Jung auf unseren Höfen mitarbeitet, können wir uns über Wasser halten. Das muss sich ändern!", sagte Kreisvorsitzender Johannes Hösl vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) beim Pressegespräch auf dem Anwesen der Familie Bodensteiner in der Miesmühle bei Teunz. Dieses Anwesen wurde bewusst für das Treffen des Vorstandsgremiums ausgewählt, denn Landwirt Christian Bodensteiner hat Mut zum Risiko bewiesen und in den letzten Monaten rund eine Million Euro in den Bau eines neuen Laufstalles investiert.

Keine "Billigware"

Solche Investitionen in die Zukunft könnten nur getätigt werden, wenn der Betrieb von der ganzen Familie getragen wird und einige von ihnen zum Nulltarif mitarbeiten, was aber in der Zukunft kein Normalzustand mehr sein dürfe. Um die Notwendigkeit des steuernden politischen Eingriffs und einer europaweit notwendigen Regelung zu unterstreichen, organisiert der BDM vom 24. August bis 1. September Staffelfahrten mit Traktoren auf vier Routen in ganz Deutschland. Diese sollen auf die katastrophale Situation deutscher Milchviehhalter aufmerksam machen und die Verluste der Milchbauern aufzeigen. Eine dieser Routen führt am Samstagvormittag auch in den Landkreis Schwandorf (siehe Hintergrund).

Mit dieser Aktion soll auf die Untätigkeit und Verweigerungshaltung von Agrarminister Christian Schmidt aufmerksam gemacht werden, da das wertvolle Lebensmittel Milch als "Billigware" nicht nur den Bauern, sondern dem gesamten ländlichen Raum schadet. Sind es doch gerade die Landwirte, die jeden erwirtschafteten Cent wieder in ihren Betrieb investieren, was nur bei einem Milchpreis möglich ist, der deutlich über dem Produktionspreis liegt.

Zehn Cent fehlen

Diese Staffelfahrten enden am Dienstag, 1. September in München, wo auf dem Odeonsplatz eine große Kundgebung veranstaltet wird, bei der die Milchbauern ihrem Ärger über die Untätigkeit der Politik kräftig Luft machen werden. Schließlich liegen die Nerven "blank", da den Bauern beim Verkaufspreis ihrer Milch im Vergleich zum vergangenen Jahr mindestens zehn Cent pro Liter fehlen. Da geht es in vielen Betrieben bereits an die Substanz und gefährdet auch die Existenz der Höfe.

Der BDM kämpft gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen im "European Milk Board" (EMB) dafür, den Milchviehhaltern in diesen Krisenzeiten eine Perspektive zu bieten, wozu Sofortmaßnahmen und die Verbesserung der Marktstellung der Milchbauern dringend nötig wäre.
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