Mit Akrobatik, Feuer und Tanz

Der junge Eisenbarth (Lukas Eckl) muss sich beim Examen in Altenburg vielen Fragen der neidischen Ärzte stellen. Bild: Götz
Lokales
Oberviechtach
05.06.2015
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Mit einem Tross von 300 Leuten zog Johann Andreas Eisenbarth einst durch die Lande, kurierte auf den Märkten und ließ seine Medizinen und Elixiere unter die Leute bringen. Das Festspiel auf dem Marktplatz lässt die Zeit Eisenbarths mit 120 Akteuren wieder aufleben.

Daran erinnerte Regisseur Michael Eckl bei der Premiere an Fronleichnam, als die Zuschauer mit auf eine Zeitreise ins Barockzeitalter genommen wurden. Die Inszenierung mitten auf dem Marktplatz in Oberviechtach lässt in einem Historienspiel Eisenbarths Leben Revue passieren - beginnend bei der Kindheit in der Geburtsstadt und endend mit der Verleihung des preußischen Privilegs und der Ernennung das Wanderarztes zum Hofrat durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm (Peter Pirzer), als er dessen Paradeoffizier, Obrist von Grävenitz (Johannes Niebauer) auf spektakuläre Weise heilt.

Bei den Aufführungen 2015 hat der Regisseur das exotische Element noch mehr akzentuiert. Die Feuerspucker und die Artisten mit den Feuerpois (Jonas Siegel, Thomas Richthammer) tauchen die Bühne zeitweise in ein Flammenmeer, dazu agieren im Hintergrund exotische Tänzerinnen zu den Klägen des Spielmannszugs unter der Stabführung von Reinhard Lößl. Die Musik dieser Truppe und die zirkusreife Akrobatik der Gaukler unter der Leitung von Michael Teplitzky unterstreichen die Neuausrichtung der Inszenierung.

120 Akteure lassen die Zeit von Johannes Andreas Eisenbarth aufleben und begeistern das Publikum. Bilder von Gerhard Götz


Dem Historienspiel wird die kommentierende Begleitung der Zuschauer durch das gesamte Spielgeschehen gerecht. Eisenbarths Geist (Dr. Reiner Reisinger) und die Wirtstochter Julia (Lisamarie Berger) erfüllen diese Aufgabe mit Bravour. Dr. Florian Waldherr bringt zusammen mit seiner Gattin im realen Leben und im Spiel (Anna Waldherr) die ungeahnte Karriere des "Bruch- und Steinschneiders" Eisenbarths glanzvoll auf die Bühne. Die verschiedenen Lebensabschnitte Eisenbarths werden auch von unterschiedlichen Akteuren verkörpert. So spielt Benno Teplitzky heuer erstmals den Eisenbarth-Hansl in seiner Oberviechtacher Kindheit, während sich Lukas Eckl als jugendlicher Eisenbarth gut behauptet.

Die Gratwanderung zwischen Historienspiel und Komödie scheint gelungen, zumal neben den authentischen Lebensstationen Eisenbarths auch die schwankhaften Elemente gut zur Geltung kommen, etwa wenn Eisenbarth beim Fressgrafen (Michael Trapp) und beim Suffgrafen (Tobias Ehrenfried) mit psychologischem Selbstverständnis meint: "Für derlei Gebrechen gibt es immer Kuren!" Mit dem Heilen hat er Erfahrung, zumal er jetzt die neidischen Ärzte, die während des Examens in Altenburg für manche Erheiterung sorgen, bereits hinter sich gelassen hat.

Ton, Beleuchtung und Pyrotechnik spielen bei der imaginären Zurückversetzung in die Barockzeit eine wichtige Rolle. Dass die Barockmusik zum richtigen Zeitpunkt astrein eingespielt wird, dass Eisenbarths Geist in ein geheimnisvolles Nebelmeer getaucht wird oder die "Flame Jets" punktgenau aktiviert werden, dafür ist neben vielen anderen Aufgaben das Technikteam unter Leitung von Georg-Severin Lang zuständig. (Seite 25/Kultur-Seite 50)

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Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/eisenbarth2015
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