Mit Anklagen überschüttet

Max Zinnbauer mit Frau Ellen (Mitte) bedankte sich für ihre Mithilfe bei (von rechts) Bürgermeister Heinz Weigl, Stellvertreterin Christa Zapf, Paul Wallinger, und Willibald Wirnshofer. Bilder: bgl
Lokales
Oberviechtach
19.08.2015
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Intrigen, Querelen und sogar ein Inquisitionsverfahren erschüttern die Stadt Oberviechtach mit dem Pflegamt Murach. Vor allem für zwei Beamte ist das 18. Jahrhundert gar nicht gemütlich.

Über die Amtsinhaber im Pflegamt Murach von 1663 bis 1810 hat Max Zinnbauer nachgeforscht. Für den Band 8 der "Blauen Reihe" (Transkription und Archivalienedition) hat er spannende Vorkommnisse aus den Jahren 1747 bis 1750 ausgegraben, die Pfleger, Pflegverwalter, Amtsrichter, Gerichtsschreiber und Ungelter im Pflegamt Murach lange Zeit in Atem hielten.

Als "äußerst wertvoll" bezeichnet Bürgermeister Heinz Weigl die Arbeit von Zinnbauer, der in Germering bei München wohnt und Oberviechtacher Wurzeln hat. Die jüngste Etappe bei der Hebung wichtiger Geschichtsarchivalien war Anlass für eine Feierstunde im Rathaus. Zinnbauer bedankte sich beim Bürgermeister und der Verwaltung für die langjährig gewährte Unterstützung. Der aktuelle Band sei deshalb auch dem Stadtoberhaupt gewidmet. Studiendirektor a. D. Paul Wallinger würdigte er für die Übernahme der Korrektur der Transkriptionstexte, Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf für weitere Korrekturen und ihre "sachkundige Mitarbeit". Lob für seine Hilfsbereitschaft wurde auch Willibald Wirnshofer zuteil, de den Druck koordiniert hatte.

Als "ungewöhnlich" bezeichnet Zinnbauer, das, was in dem neuen Band zutage gefördert wurde: Wegen der Versäumnisse der beiden Oberbeamten veranlasste der Landesherr ein Inquisitionsverfahren, das zu einer militärischen Überwachung der beiden Beamten führte. Für den Pflegkommissar Georg Wolfgang Kazner bestand diese bis zu seinem Tod am 27. März 1757 und für den Gerichtsschreiber Johann Michael Schmidt, der fünf Jahre später starb bis 9. April 1762.

Flut von Klagen

Die Querelen im Pflegamtsbezirk und im Markt Oberviechtach begannen mit mehreren Anzeigen durch den Lehensvasallen auf Fuchsberg, Baron Georg Albert von Sazenhofen. Mit einer Flut von Klagepunkten denunzierte er die amtierenden Beamten wegen verschiedener Amtsvergehen bei der Hofkammer und dem Geheimen Rat in München. Seinen Wohnsitz hatte Baron von Sazenhofen so wie die beiden Beamten Kazner und Schmidt im Markt Oberviechtach. Bei seiner Strafverfolgung ging es Satzenhofen wohl weniger um die Prämien und eine Belohnung, die der Landesherr zur Förderung der Privatinitiative zugesteht, mutmaßte Zinnbauer; sein Bestreben war eher das kurzfristige Kalkül, unbedingt die Hauptpflegschaft in Obermurach zu erlangen. Dazu war ihm keine Intrige oder gehässige Anschuldigung zu gering, um sein angestrebtes Ziel zu erreichen. Die Auseinandersetzung führte zu einem viele Jahre dauernden Inquisitionsprozess.

21 angebliche Vergehen hatte der Vasall bis zum 28. Juli 1749 ausgemacht, ein halbes Jahr später ließ er 28 weitere Klagepunkte gegen den Pflegeverwalter folgen, welche schließlich zum Prozess führten. Die Hofkammer in München beauftragte als oberste Finanzbehörde den Rechnungsaufnahmekommissar Andreas Xaver Durst mit der Angelegenheit. In der Folgezeit wehrte sich der Beschuldigte, der Ankläger wurde aufgefordert, für die Taten gültige Beweise zu liefern. Doch der konterte stattdessen mit einer weiteren Anzeige, die sich diesmla gegen den Gerichtsschreiber Johann Michael Schmidt richtete.

"Haberfeldtreiben"

Dieser sich in der Heftigkeit steigernde Vorgang glich einem Schauprozess. Aus der Sicht des Angeklagten war es eine Art "Haberfeldtreiben", denn am 5. November gleichen Jahres erstatteten auch noch acht Amtsuntertanen eine Bittschrift in Form einer Beschwerde an den Landesherrn, worin Kazner und Schmidt sowie der Hofkammer in München der Verschleierung der wahrhaften Tatbestände zum Schaden der Untertanen bezichtigt wurden.

Zum Ende des Jahres 1750 zeigte der Lehensvasall von Fuchsberg zum wiederholten Mal Kazner und Schmidt wegen Amtsvergehens an. Eine Fortsetzung ist damit auch in einem weiteren Band der "Blauen Reihe" abzusehen.
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