Mit Gräfin Rihza ins Verderben

Hier handelt es sich um das Reitersiegel des "Heinricus comes de Ortenberch".
Lokales
Oberviechtach
30.05.2015
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Die Grafen zu Ortenberg auf Burg Murach und die Genealogie dieses hochadeligen Adelsgeschlechts beleuchtete Rudolf Lohwasser bei seinem Vortrag im Kulturzentrum. Dabei rückte er auch den Niedergang der "Ortenbercher" und den Aufstieg der Wittelsbacher in den Fokus.

Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf eröffnete die vom Heimatkundlichen Arbeitskreis angebotene Veranstaltung und dankte dem passionierten Heimatkundler Rudolf Lohwasser für die umfangreichen Recherchen. Im zweiten Teil seiner Serie zu den Ortenbergern ging es Lohwasser um das Thema "Schicksal einer Familie".

Aus Primärquellen

Dazu wählte der Vortragende den Weg zurück zu den Primärquellen, beziehungsweise den Urkunden, die den Geschichtsverlauf an genealogischen Übersichten anschaulich und zweifelsfrei darlegen. Das Thema beinhaltet vor allem, wie die Grafen zu Ortenberg ihr Sulzbacherisches Erbe im mittleren baierischen Nordgau annahmen, besonders im Burgbezirk Murach Landbau betrieben und in der Region bis in die heutige Zeit vielfältige Spuren hinterließen. Durch eine schicksalhafte Entscheidung gelangte der Erbbesitz auf dem Nordgau gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch Kauf an die Herzöge von Baiern und die Pfalzgrafen bei Rhein. Dieses mächtige Uradelsgeschlecht veranlasste zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Trennung der Herrschaftsrechte.

Die pfalzgräfliche Familie übte Grafenrechte im südlichen Bereich mit Kraiburg und Marquartstein, die gräfliche Familie im nördlichen mit der Grafschaft Ortenberg und dem Sulzbacher Erbe auf dem baierischen Nordgau aus. Dieses Erbe erstreckte sich westlich der Naab bis zur Vils und ostwärts auf das Rodungsgebiet um den späteren Burgbezirk Murach. Die Ortenberger Dienstleute ostwärts der Naab wurden von den Grafen von Sulzbach übernommen. Der Fiskalhof der Grafen von Sulzbach befand sich in der Ortschaft Hof mit Eigenkirche der Grafen (mit Tauf- und Begräbnisrecht). "Diese St. Ägidius-Kirche ist die älteste Kirche der Region", betonte Lohwasser. Die Muracher wurden während des Ausbaues der Burg Murach auch zusammen mit "Pertoldshofer", "Zenger" und anderen Burgmannen auf "Haus Murach" erwähnt.

Dabei ist zu unterscheiden, dass "Burgmänner" keine Burgherren sind und auch keine Burgherrenaufgaben wahr nehmen. Diese waren zuständig für den Betrieb und mussten auch die Verteidigung gewährleisten. Die erste Beurkundung des Ortes Viehta (heute Oberviechtach) und des ersten Pfarrers des Ortes (Rudeger, Pfarrer von und in Viehta) auf Burg Murach fand im Jahr 1237 statt, als Heinrich Graf zu Ortenberch den Schwestern des Hl.-Kreuz-Klosters in Regensburg die Kirche von Schwarzhofen mit Zuhörung und (Patronats-) Recht für das eigene Seelenheil, das seiner Eltern, seiner Frau und der Söhne anvertraute.

Erbauseinandersetzungen

Weitere Archivunterlagen liefern Erkenntnisse über den Tausch und die Pfändung von Gütern zwischen 1217 und 1232; ebenso (1229) über die Verleihung des königlichen Bergrechts sowie zur Schenkung der Kirche in Schwarzhofen (zwischen 1237 bis 1268). Als Unheil bezeichnete Lohwasser die Schenkung der Burg Murach im Jahr 1283 an die Gräfin Rihza und deren drei Söhne. Dies bedeutete einen großen Verstoß gegen das germanisch-fränkische Stammes-Erbrecht männlicher Nachkommen und führte dadurch zu umfangreichen Erbauseinandersetzungen. Als Ergebnis musste der Verlust des gesamten Sulzbacher Erbguts hingenommen werden, was letztlich zum Niedergang der "Ortenbercher" und dem gleichzeitigem Aufstieg der Wittelsbacher führte.

Lohwasser untermauerte seinen Vortrag mit Grafiken und Kartenmaterial sowie einem Foto des Reitersiegels mit Familienwappen des "Heinricus comes de Ortenberch" und der Original-Urkunde aus dem Jahr 1237. Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Dr. Ludwig Schießl, wertete den Vortrag als großes wissenschaftliches Werk.
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