Mit Schraubenzieher ins Haus

Der Fachberater von der Kripo Amberg, Wolfgang Sennfelder, zeigte auf, wie Fenster und Türen gesichert werden können, um Einbrechern das Leben möglichst schwer zu machen. Bild: frd
Lokales
Oberviechtach
24.10.2014
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Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen steigt ständig. Die Kripo Amberg informiert deshalb bei Vorträgen, wie leicht es den Einbrechern oft gemacht wird. Dazu gibt es praktische Tipps zur Sicherung des Eigentums.

Der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Oberviechtach, Erster Polizeihauptkommissar Hans Kiesl, hatte Kriminaloberkommissar Wolfgang Sennfelder aus Amberg eingeladen. "Präventivarbeit hilft Einbrüche verhindern" lautete das Credo des Experten beim Vortrag im Gasthof "Zur Post". Ein volles Haus bestätigte, dass die Bürger im Altlandkreis die ständig steigenden Einbruchszahlen registrieren und wissen wollen, wie sie sich und ihr Eigentum vor Einbrechern schützen können.

Serie aufgeklärt

Sennfelder zeigte anhand von praktischen Beispielen und Videos die Sicherungsmaßnahmen auf, mit denen den ungebetenen Besuchern das Handwerk gelegt oder zumindest ein Einbruch sehr schwer gemacht werden kann. Sein Ziel war es, den Zuhörern die Augen darüber zu öffnen, wie leicht es oft den Einbrechern gemacht wird, an Beute zu kommen. Die Ansicht "bei mir ist nicht viel zu holen" werde oft erst dann widerlegt, wenn die Einbrecher zugeschlagen haben. In Deutschland wird im Durchschnitt alle drei Minuten eingebrochen, wobei die Aufklärungsquote bei 6 Prozent und in Bayern bei 10 bis 12 Prozent liegt. Erst vor kurzem sei es aufmerksamen Beamten der Polizei Oberviechtach gelungen, eine Serie von 13 Einbrüchen aufzuklären. Doch auf die Mithilfe durch die Bevölkerung könne in diesem Bereich nicht verzichtet werden.

Wie Sennfelder weiter ausführte, sind in der Oberpfalz in diesem Jahr schon mehr Einbrüche wie im ganzen Jahr 2013 verübt worden, weshalb vorbeugende Maßnahmen wie die Nachrüstung von Fenstern und Haus- oder Terrassentüren durchaus angebracht und sinnvoll seien. 30 Prozent der Einbrüche passieren über die Fenster und 40 Prozent über die Terrassen- oder Balkontüren.

Meist reicht den Einbrechern als Einbruchswerkzeug ein kräftiger Schraubenzieher, mit dem die meist ungesicherten Fenster und Türen aufgehebelt werden. Auch ein heruntergelassener Rollo, so zeigte Sennfelder in einem Demo-Video, bringe keine zusätzliche Sicherheit, da er in wenigen Minuten beseitigt werden kann. Er empfahl, schon vor einem Neubau oder einer Sanierung an den vorbeugenden Einbruchschutz zu denken und sich von Fachleuten beraten zu lassen. Wer dieser Beratung bedarf, kann den Fachberater unter Telefon 09621/890-275 anrufen und bekommt kostenfrei Tipps. Bei einer Nachrüstung müssen meist nur Schlösser oder Beschläge ausgetauscht werden. Der Beamte wies darauf hin, dass ein gekipptes Fenster so leicht wie ein geöffnetes Fenster zugänglich ist. Im Einbruchsfall würden Versicherungen nachfragen, welche Vorbeugung getroffen wurde. Bei der vorbeugenden Einbruchssicherung werde oft die Absicherung der Kellerschächte oder der Kellerfenster vergessen, diese Lücke würden Einbrechern schnell finden, die ungebetenen Besucher kämen dann durch den Keller ins Haus.

Bewegungsmelder hilft

Weitere Möglichkeiten, das eigene Haus gegen Einbrüche zu schützen, zeigte der Beamte in praktischen Beispielen auf. Dazu gehört der Einbau von Alarm-, Licht- und elektronischen Meldeanlagen oder eines Bewegungsmelders. Auch eine aufmerksame Nachbarschaft könne eine große Hilfe sein.

Dass all diese Maßnahmen sinnvoll und nötig sind, zeige die Tatsache, dass die Einbruchszahlen in der Region gerade in diesem Jahr ständig gestiegen sind. "Nach Einbrüche ist oft auch der psychischen Schaden sehr groß", gab der Fachmann zu bedenken. Das Gefühl "ein Fremder war in meinem Haus" sei nicht gerade angenehm.
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