Motiviert auch unter Zeitdruck

Lokales
Oberviechtach
18.11.2014
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Pflegekräfte müssen oft über ihre Belastungsgrenze gehen. Beim "Runden Tisch" im Altenheim ging es um das betriebliche Gesundheitsmanagement und auch um die Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Die Lösungsansätze boten Stoff für die Diskussion.

"Wirtschaft inklusiv" ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft "ambulante berufliche Rehabilitation". Unter den Teilnehmern am Runden Tisch im Alten- und Pflegeheim waren Leiterinnen von ambulanten Pflegediensten sowie Heim- und Pflegedienstleiterinnen. Daniela Zeiler vom beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft aus Regensburg stellte zunächst Aufgaben und Ziele von "Wirtschaft inklusiv" vor. Sie erklärte, dass dies ein arbeitgeberorientiertes Projekt der "Wirtschaft für die Wirtschaft" ist und dass es in zwei Arbeitsfeldern um die Ausbildungs- und Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung im Pflegebereich gehe.

Inklusionsberater

Ziel dieses Projekt sei es, die Unternehmen für das Thema "Inklusion" aufzuschließen, ihnen die Angebote von Kooperationspartnern und die Möglichkeiten von Fördermaßnahmen und Maßnahmen der Teilhabe am Arbeitsleben von behinderten Menschen nahe zu bringen. Dazu wurde die regionale Vernetzung der vorhandenen Akteure und Strukturen aufgezeigt. Inklusionsberater und dafür gut ausgebildete Ansprechpartner stehen zur Verfügung. Regionale Schwerpunkte sind der "Beratungskompass für Unternehmen", die Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten junger Menschen mit Behinderung und die Kooperation mit Arbeitskreisen (Veranstaltungsreihe Schule-Wirtschaft).

In einem weiteren Vortrag zeigte Diplomvolkswirtin Bianka Martolock von der AOK Bayern, Lösungsansätze für das betriebliche Gesundheitsmanagement auf, das immer dringender nötig werde. Sie stellte die gesundheitliche Situation der in Pflegeberufen arbeitenden Menschen vor, beleuchtete die oft alarmierenden Krankenstandszahlen in den Pflegeheimen und zeigte Lösungsansätze des betrieblichen Gesundheitsmanagements anhand von Projektbeispielen auf. "Was ist gute Arbeit?", fragte die Referentin in die Runde und zeigte die für Arbeitnehmer immer schwieriger werdende Realität auf.

Besondere Belastungen in den Pflegeberufen, so Bianka Martolock, seien die körperlichen Belastungen, der stete Zeitdruck, die psychischen Belastungen und die oft sehr langen Arbeitszeiten. Letztere würden durch den Arbeitskräftemangel in der Pflege oft über die Belastbarkeit hinausgehen. Dazu komme oft ein mangelndes betriebliches Führungsverhalten, nicht immer ausreichende Qualifikationen, Informationsdefizite durch unzureichende Kommunikation mit Ärzten und die fehlende Anerkennung der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit. Ständiger Konzentrations- und Leistungsdruck mache die Menschen in den Pflegeberufen selbst krank. Steigende Krankheits- und Ausfallzeiten, oft über Monate hinweg, seien die Folgen. Psychische Störungen würden bei den Pflegenden schon einen hohen Anteil der Ausfallzeiten einnehmen, informierte die Expertin.

"Arbeitshaus" renovieren

Um dies negativen Folgen mindern zu können, müsse die Situation am Arbeitsplatz und die Verhaltensprävention ineinander greifen, wobei die betriebliche Situation mit einem Puzzle verglichen werden kann: "Wenn nur ein Teil davon herausfällt, bricht das Ganze auseinander." In den Betrieben müsse ein "Haus der Arbeitsfähigkeit" gebaut werden. Dieses bestehe im Wesentlichen aus den vier Stockwerken Arbeitsorganisation (Arbeitsbedingungen, Umgebung, Führungsverhalten), Einstellung zur Arbeit und Motivation sowie fachliche, methodische und soziale Kompetenz in Form von Wissen und Qualifikation und auch die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit der arbeitenden Menschen. An jedem dieser "Stockwerke müsse ständig gearbeitet und "renoviert" werden, damit sich ein möglichst gute "Arbeitshaus" fortentwickeln könne, in dem die Menschen gerne wohnen und arbeiten.
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