"Mysterium" aus der Farbtube

Kräftige Farben sind ihr Markenzeichen, egal ob im Abstrakten oder wie hier in einer doch recht konkreten Sicht auf den Bayerischen Wald. Das großformatige Ölbild von Katharina Dietlinger ist Teil der Ausstellung "Mysterium Böhmerwald" im tschechischen Krumau. Repro: M. Dietlinger
Lokales
Oberviechtach
16.05.2015
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In Heimatliedern wird der Böhmerwald viel und gern besungen, jetzt hat ihn die moderne Kunst neu entdeckt. Eine junge Malerin aus Oberviechtach ist dem "Mysterium Böhmerwald" - und damit auch den tschechischen Nachbarn - ganz nahe gekommen.

Katharina Dietlinger hat den Wald gleich vor ihrer Haustüre. Von ihrem Fenster im Oberviechtacher Ortsteil Wildeppenried blickt sie auf grüne Hügel und satte Wiesen. So satt wie die Farben, die auf der Leinwand wie dicke Kleckse direkt aus der Tube ins Dreidimensionale hinüber tendieren.

Großformatig

Auf diese ganz besondere Annäherung an die Natur ist längst auch das Nachbarland Tschechien aufmerksam geworden und hat die 31-Jährige zur Teilnahme an einer Schau mit dem Titel "Mysterium Böhmerwald" in Krumau (Ceský Krumlov) eingeladen. Insgesamt fünf Einzelausstellungen sind noch den ganzen Sommer über im Egon Schiele Art Centrum von Krumau zu sehen. Den "Böhmerwald sterbend und romantisch" zeigen dort die Werke von Josef Váchal. Eine Fotodokumentation geht auf das Konto von Josef und Frantisek Seidel. Die Österreicherin Karin Pliem erörtert in ihren Bildern potenzielle Übereinkünfte von Natur und Zivilisation, und auch die 20 bis 30 großformatigen Bilder von Katharina Dietlinger haben in dem ehemaligen Brauereigebäude ausreichend Wandfläche vorgefunden.

Grob und doch präsize

Die 31-Jährige aus Oberviechtach hat die tschechische Kunstszene auf sich aufmerksam gemacht, als sie vor einigen Jahren an einen Symposium in Kvilda (Tschechien) teilnahm. Dort ist auch der zwei mal zwei Meter große "Böhmerwald" entstanden. Die gleiche Technik, die sich für die Künstlerin schon bei den Ölbildern von Fußballstadien bewährt hat, lenkt den Blick auf ein Gefüge von scheinbar grob auf die Leinwand gesetzten Baumwipfeln, die in ihrer Gesamtheit dann doch wieder eine feine und glaubwürdige Annäherung an die Natur ergeben. Winzige rote Tupfer sind die einzige Spur einer Zivilisation.

Mehr Platz bekommt die menschliche Figur in einem anderen Bild, das an ein Picknick auf grünem Rasen erinnert. Surreal mutet das grelle Grün an, auf dem sich Gruppen von Ausflüglern fläzen, pastos und doch präzise. Auch Eindrücke vom Ausstellungsort hat Dietlinger auf Leinwand gebannt: Kanufahrer aus der Vogelperspektive, die auf der Moldau um die Kurve paddeln. "Das waren so meine ersten Assoziationen zu Krumau", erklärt sie. "Und als Kontrastprogramm gibt es Farbkleckse." Damit spielt die Künstlerin auf ihre abstrakte Seite mit streng abgezirkelten, bunten Quadraten an.

Ganz abschwören möchte sie der Natur aber auch künftig nicht. Was sie dran so fasziniert? "Das Transzendenzerlebnis", lautet die Antwort, "die ästhetische Erfahrung bei der Wiedergabe, die sich eigentlich immer nur am Vorhandenen orientieren kann". Als Künstlerin hofft sie, dass bei diesem Prozess auch noch genügend Eigenes ins Bild einfließt.

Dass dieses Spannungsfeld viele Besucher der Ausstellung anspricht, daran gibt es keinen Zweifel. "Einige fanden die Bilder als Hintergrund für ein Foto ideal, andere konnten eher mit den abstrakten Werken etwas anfangen", berichtet die Künstlerin über die Ausstellungseröffnung Anfang April. Im August zieht Katharina Dietlinger für einige Wochen ganz nach Krumau um. Als "Artist in Residence" ist sie gleich neben dem Egon Schiele Art Centrum untergebracht.

"Berg und Tal"

Parallel zu der Schau in Krumau zeigt sie ab Mai auch in München ihre Bilder, und zwar in der Davis-Klemm-Galerie. "Berg und Tal" lautet der Titel dieser Ausstellung (Vernissage am 7. Mai), in der sich die 31-Jährige auch dem Watzmann nähert - wohl wissend, dass bei diesem Sujet der schmale Grat über dem "Abgrund Kitsch" besonders viel Mut erfordert.

Die Ausstellung in Krumau ist bis 1. November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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