Oldtimer-Virus hält Rentner jung

Afrika an der Murach: Anton Baumann auf seinem entmilitarisierten, saharagelben Wehrmachts-Gespann von 1944. Den Beifahrer mit Gasmaske hat er selber eingebaut. "Die 750er-Zündapp hatte schon Seitenwagen-Antrieb und Rückwärtsgang und war hydraulisch gebremst", erzählt der Motorrad-Sammler, der sich besonders für die technischen Details interessiert. Vor zwei Jahren leistete er sich auch einen Flugzeugmotor (links). Bilder: Portner (3)
Lokales
Oberviechtach
23.10.2015
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Chrom, Blech und Motoren. Anton Baumann (78) sammelt alte Motorräder und ist stolzer Besitzer von Raritäten aller Genres. Der Sound der Vierzylinder-Modelle ist Musik in seinen Ohren. Zum Schweben bringt den Technikfreak jedoch der Flugzeugmotor im Hof.

"Ich sammle nicht nur Motorräder", sagt Anton Baumann und zeigt auf den Flugzeugmotor, der an der Granitmauer steht. "Das ist das lauteste, was ich an Motoren habe", meint er schmunzelnd und erzählt, wie er den Zylinder mit neun Auspuffrohren nachgerüstet hat. Der Motor (350 PS) schluckt fünf Liter Benzin in drei Minuten.

Imme und Nimbus

Den Sammler-Virus ausgelöst hat aber ein schwerer Holzgas-Motor mit 3000 Kubikzentimeter (ccm), der früher im Sägewerk lief. Denn eigentlich war Baumann beruflich eher mit Holz als mit Metall verbunden. Schon als 14-Jähriger baute er mit seinen Eltern den Betrieb an der Murach auf. Er zeigt auf seinen Liebling, ein rotes BMW-Rennauto mit Beiwagen (Baujahr 1955). An diesem hat er selber "herumgebastelt" und auch die Ledersitze bezogen. Daneben steht eine Zündapp K 800 mit Boxermotor (Baujahr 1934) und einem "Lastwagen-Schalthebel". Die Nimbus (750 ccm) aus Dänemark fällt durch ihren Flachstahl-Rahmen auf. "Jedes Motorrad hat seine Historie", sagt Anton Baumann. Er könnte ganze Romane über die Maschinen erzählen, die er meist bereits restauriert erwirbt. So wie die braune Imme (Baujahr 1949), die durch ihre Konstruktion ins Auge fällt: Das Krad hat nur eine Gabel und am Auspuffrohr sind Motor und Hinterrad befestigt. "Die kostete mal 900 Mark. Jetzt ist sie 8000 Euro wert", sagt der Sammler aus Leidenschaft.

Bilder von Gertraud Portner

Zu spät angefangen

Sein erster Kauf war vor etwa 25 Jahren eine 600-BMW mit Beiwagen. "Ich habe zu spät angefangen. Die Händler rechnen heute schon die mögliche Preissteigerung in zehn Jahren ein!", bedauert er. Aus Preis- und Platzgründen erfüllt er sich keine weiteren Wünsche. Trennen kann er sich aber von keinem Stück: "Nachfrage zwecklos!" Vor allem Vier-Takt-Motoren haben es dem Senior mit den flinken Augen und Lachfältchen angetan. "Die sind wertvoller und es sind schwere Maschinen!", sagt er und schwingt sich auf eine schwarze NSU-Fox. Eine Erinnerung an die Jugend? "Nein, ich hatte nur eine R 26 mit 250 Kubik!"

Seine Oldtimermodelle fährt er immer mal wieder aus. Nicht allerdings die NSU-Konsul (550 ccm) und die Horex-Regina, denn die bremst man links ab. "Der schlechte Sprit heutzutage macht den Oldtimern zu schaffen", ärgert er sich. Vor der Ausfahrt muss er deshalb verklebte Zündkerzen und den Vergaser reinigen.

Auch Gattin Hildegard ist infiziert. Sie kennt alle Details und fährt mit zu den Motorradtreffen, wobei das Paar vor allem die Teilemärkte interessieren. Zuletzt waren sie in Mannheim, "man braucht ja immer irgendwas!" Beim Rückweg über den Hof erzählt der Technikfreak noch von Kardan- und Kettenantrieb, dass V-Motoren besser klingen und im Boxermotor die Zylinder zur Seite ruckeln. Er bleibt vor einer seltenen Pinelli mit kleinen Kolben stehen. Über diese freut sich der 78-Jährige genauso wie über den Flugzeugmotor, den er wieder mit der Plane abdeckt. "Es ist ein Virus, den man nicht mehr los wird", sagt der Baumann Toni und lacht.
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