Paschas und Prinzessinnen

"Die Helikoptereltern" sind bereits in der vierten Auflage erschienen. Viele Besucher ließen sich das Werk von Autor Josef Kraus signieren. Bild: lg
Lokales
Oberviechtach
19.04.2015
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Der Begriff der "Helikoptereltern" kommt aus den USA und kann als Provokation aufgefasst werden. Was alles darunter zu verstehen ist, machte Josef Kraus deutlich und bot auch konkrete Erziehungstipps für Eltern und Lehrer an.

"Erziehung braucht einen gehörigen Schuss Humor - und da fehlt es bei uns in Deutschland gewaltig." Josef Kraus appellierte in seinem Vortrag über den "Förderwahn und die Verwöhnung" an Eltern und Lehrer, die Leichtigkeit und den Humor in Erziehung und Bildung nicht zu vergessen. Seit dem Erscheinen des Buches "Helikopter-Eltern" erreichte Josef Kraus über 20 000 Menschen bei mehr als 80 Vorträgen. Auch die Oberviechtacher Veranstaltung war mit über 200 Zuhörern in der Sporthalle des Ortenburg-Gymnasiums (OGO) hervorragend besucht.

Das Elternforum und die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis hatten gemeinsam zu diesem Vortragsabend geladen. Der Referent illustrierte den aktuellen "Förderwahn" mit Beispielen: der Weg zur Schule mit dem Auto, auch wenn diese sich in der Nachbarschaft befindet, Beschwerden über einen fehlenden Wasserspender im Klassenzimmer, die allzu großzügige Auslegung der Diagnose "Mobbingopfer" für das eigene Kind oder die "Jagd nach Gutachten", das dem Sprößling ADHS, Legasthenie oder eine unentdeckte Hochbegabung attestiert.

Mehrheit bodenständig

Josef Kraus entwickelte im Referat acht Thesen und drei Appelle - Patentrezepte konnte und wollte er seiner Zuhörerschaft nicht anbieten. Das Buch, das binnen fünf Monaten in vier Auflagen erschienen ist, will nicht anklagen, sondern Eltern helfen. Angesprochen sind solche, die sich um alles kümmern und solche, die sich um nichts kümmern - insgesamt etwa ein Drittel der Eltern. Etwa 70 Prozent "sind bodenständig, unkompliziert, kooperativ, verantwortungsbewusst". Die Pädagogik der Verwöhnung und Totalkontrolle mache die Kinder zu Paschas und Prinzessinnen und schade ihnen letztlich auf ihrem weiteren Lebensweg. "Das Risiko des Scheiterns, Enttäuschungen und Niederlagen gehören zum Leben." Ebenso erteilte Kraus dem Förderwahn und den entsprechenden kommerziellen Angeboten in den Städten mit dem Ziel eines "maßgeschneiderten Designer- und Premium-Kids" eine Absage.

Kinder, die die Helikopterpädagogik durchlaufen haben, werden seiner Ansicht nach nie mündig, entwickeln keine Eigeninitiative und übernehmen keine Verantwortung für das eigene Tun. "Solche Kinder werden schwierige Ehepartner", warnte der Referent.

Richtige Mischung

Am Schluss hatte der Referent erzieherische Appelle parat: die richtige Mischung aus Führen und Wachsenlassen, Kinder in Anspruch nehmen und bei aller Ernsthaftigkeit in der Erziehung auch eine Portion Leichtigkeit und Humor. Weitere aktuelle Themen wurden in der abschließenden Gesprächsrunde aufgegriffen: berufliche Ausbildung kontra Akademiker-Quote und das Land-Stadt-Gefälle beim Übertritt an das Gymnasium sowie das G 8.
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