Reflexe und Klischees

Der Comedian und Schauspieler Simon Pearce hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und kämpft mit Humor und Charme gegen Rassismus und Intoleranz. Bild: weu
Lokales
Oberviechtach
19.11.2015
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Humor ist das beste Mittel, um auf Rassismus und Intoleranz aufmerksam zu machen und etwas in den Köpfen zu verändern. Das sagt jedenfalls Simon Pearce, der in seinem Kabarett-Programm "Allein unter Schwarzen" alles unternahm, um dieses Ziel zu erreichen.

"Man hört es an meinem Dialekt, ich bin ein Neger!" So stellte sich Simon Pearce den Gästen im Pfarrheim vor und ergänzte sogleich: "Das darf man ja nicht mehr sagen. Heutzutage muss es heißen: Ich bin ein wunderbarer Neger." In seinem Heimatort Puchheim, einem Vorort von München, habe er viele Begebenheiten erlebt, in denen er diskriminiert wurde.

Nicht "negertiv"

Einen Abriss seines Lebens als Schwarzer vermittelte er in seinem Programm "Allein unter Schwarzen". Selbst der Kinderarzt habe gesagt: "Das Kind ist wohl länger im Backofen gelegen als andere." Sein Vater, der Nigerianer Charles Pearce, der in Regensburg Politikwissenschaft studiert hat, sei für die Dorfbewohner wie Winnetou gewesen. Er habe immer darauf geachtet, dass das Verhalten seiner Kinder Simon, Nancy und Wilson nicht zu "negertiv" war. Obwohl die selbstgeschlachteten Hühner billiger als im Supermarkt waren, fragten sich damals die Leute: "Aber beim Neger kaufen?" In der Grundschule wurde im Sportunterricht immer "wer hat Angst vorm schwarzen Mann" gespielt, mit ihm als Fänger.

Vieles, was Pearce berichtete, hörte sich wie ein Klischee an. Dass es sich aber um wiederkehrende menschliche Reflexe handelte, waren die bitteren Pointen, die allerdings lustig verpackt daherkamen. Mit der Dynamik und der Dichte seiner Erfahrungen, die er in einem Redeschwall wie ein Kanonenfeuer abfeuerte, stellte er hohe Anforderungen an das Publikum. Als Jugendlicher wollte Pearce ein "richtiger Neger" werden. Als er jedoch die "Gangsterlehre" mit stehlen, kiffen und sprayen nicht geschafft habe, entschied er sich, ein "lustiger Neger" so wie Eddie Murphy zu werden. "Ich bin Polizei-Schikane gewohnt", sagte der 34-Jährige, der den Jurypreis beim "Redefreiheit-Slam" in der Fernseh-Themenwoche mit dem Titel "Toleranz" gewonnen hat. Auf der Zugfahrt zu einem seiner Auftritte wollten zwei Polizisten seinen Ausweis sehen, den der anderen Reisenden jedoch nicht. In der Pause versorgten die Ministranten die Gäste mit Getränken.

Der "maximalpigmentierte" Simon Pearce stand als Sohn der Volks-Schauspielerin Christiane Blumhoff schon als Zehnjähriger vor der Kamera, nach kleinen Rollen in Filmen und Serien spielt er aktuell eine Hauptrolle und zwar den Pfleger Driss in dem Kammerstück "Ziemlich beste Freunde" im Turmtheater in Regensburg. Sein schauspielerisches Talent zeigte er verstärkt nach der Pause. Das Soloprogramm "Allein unter Schwarzen" gehört zur Ethno-Comedy, Pearce zählt zu den Stand-up-Comedians. Diese Art von Humor begeistert die einen, andere wiederum können damit gar nichts anfangen. Das Ziel, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, ist ihm in Oberviechtach jedenfalls gelungen.

Sehr aktuell

Seine Geschichten und die Art, wie er sie erzählt, sind gerade gegenwärtig sehr wichtig: Sie wirken den Protesten gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands entgegen. Monika Krauß, die Vorsitzende der "Freunde der Kunst", bedankte sich bei dem Künstler mit einer Auswahl einheimischer Biersorten.
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