Schicksale ins Licht rücken

Pfarrer Lothar Kittelberger segnet den sanierten Bildstock in Eigelsberg. Dieser fällt nun wieder als Schmuckstück ins Blickfeld. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
04.10.2014
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Marterl sind Zeugen der Volksfrömmigkeit aus vergangenen Zeiten. So auch der Bildstock in Eigelsberg, der im Frühjahr saniert wurde und nun durch Pfarrer Lothar Kittelberger den kirchlichen Segen erhielt. Es gibt aber auch viele Kleindenkmäler, die ihre Geschichte nicht preisgeben.

Der Bildstock in Eigelsberg erhielt bei einer Andacht zu Ehren der Gottesmutter den kirchlichen Segen. Anschließend trafen sich die Dorfbewohner im Feuerwehrhaus zu einer gemütlichen Runde, zu der sich neben Pfarrer Kittelberger auch noch Pfarrer Johannes Kiefmann gesellte. Auch der Steinmetz Kurt Flöttl kam vorbei und stand für weitere Renovierungsvorhaben aus der Gegend beratend zur Verfügung.

Unglücksfälle

Circa 20 000 Marterl, Flur- und Kleindenkmäler gibt es in der Oberpfalz und vielfältig, allerdings ohne besondere künstlerische Gestaltung, ist ihre Ausstattung. Könnten die meist aus Granitsäulen gefertigten Zeitzeugen aber reden, dann würden viele Schicksale und dramatische Stunden zum Leben erwachen. Denn meistens wurde ein Marterl im Zusammenhang mit einem Unglücksfall errichtet. Doch nur bei wenigen ist der Grund ihres Daseins richtig bekannt, so auch vom Bildstock in Eigelsberg.

Anzunehmen ist aber, dass dieser im Zusammenhang mit einem Fuhrwerksunglück steht, denn der Stein wurde am Beginn der stark abschüssigen Straße nach Oberviechtach aufgerichtet. Nur ein paar Meter daneben stand früher auch das Verkehrszeichen "Einhemmstelle", welches besonders an gefährlichen Gefällstrecken (so wie jetzt noch erhalten in Niesaß beim Anwesen Ferstl), die Fuhrleute darauf aufmerksam machte, ihren zusätzlichen Bremsklotz zu aktivieren. Ein weiteres Marterl dieser Art befindet sich 50 Meter talwärts in Richtung Oberviechtach.

Diese zahlreich im Altlandkreis vorhandenen und aus Stein gemeißelten Flurdenkmäler wurden natürlich durch die Witterungseinflüsse im Laufe der Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Steine erleiden Verwitterungsschäden und die aufgesetzten Kreuze aus Gusseisen weisen erhebliche Rostschäden auf. Um diese schleichenden Alterungsschäden einzudämmen sind Renovierungsmaßnahmen dringend erforderlich. Die Besitzverhältnisse sind allerdings nicht überall klar erkennbar, so dass sich teilweise kein direkter Eigentümer finden lässt. In Eigelsberg kümmerte sich die Dorfgemeinschaft um diese Rundumerneuerung.

Marterl melden

Kreisheimatpfleger Ludwig Berger ruft in diesem Zusammenhang die Bevölkerung auf, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und soweit wie möglich mitzuhelfen, dass diese steinernen Zeitzeugen, welche noch verwahrlost in den Fluren stehen, renoviert werden. Zu einer lückenlosen Erfassung wird auch um Hinweise gebeten, wo sich noch derartige Bildstöcke befinden, die renovierungsbedürftig sind oder auch nicht.

Viele Privatpersonen, aber auch Vereine haben zwar in den letzten Jahren selber die Initiative ergriffen, so wie der Oberpfälzer Waldverein, der Heimatkundliche Arbeitskreis und der Gartenbauverein. Trotzdem wäre noch viel ehrenamtliche Mithilfe erforderlich, um den Umwelteinflüssen entgegen zu wirken.
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