Schlepper rollen nach München

Die Sternfahrt der Milchbauern führte am Samstag auch durch den Landkreis Schwandorf. Auf der Bundesstraße 22 - das Bild entstand zwischen Teunz und Oberviechtach - rollten rund 50 Traktoren in Richtung Süden. Damit demonstrierten die Landwirte der Region ihren Unmut über die Milchpolitik der Regierung. Bilder: frd
Lokales
Oberviechtach
30.08.2015
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Ein langer Schlepperkonvoi - am Steuer verärgerte und fast schon verzweifelte Milchbauern - war am Samstag auf der Bundesstraße 22 zwischen Weiden und Cham unterwegs. Am Oberviechtacher Volksfestplatz gab es in der Mittagszeit eine kurze Rast mit deutlichen Worten.

Die Milchbauern fordern akzeptable Preise. Denn wenn die Produktionskosten für einen Liter Milch bei 45 bis 50 Cent liegen und der Bauer unter 30 Cent bekommt, dann führe dies unweigerlich in den Ruin. Der BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter) organisierte deshalb eine Protest-Sternfahrt auf vier Routen nach München. Eine der Strecken führte am Samstag auch durch den Landkreis Schwandorf.

Landrat solidarisch

Wie ernst die Lage der Milchbauern auch in unserer Region genommen wird, machte der Zwischenstopp am Volksfestplatz an der Bundesstraße 22 deutlich. Neben dem BDM-Bundesvorsitzenden Romuald Schaber waren hier auch MdB Marianne Schieder, Landrat Thomas Ebeling sowie die Bürgermeister Heinz Weigl (Oberviechtach), Manfred Dirscherl (Weiding), Georg Köppl (Altendorf) und Martin Prey (Niedermurach) anwesend und zeigten sich mit den Milchbauern solidarisch. Die Sternfahrt endet in München, wo am 1. September auf dem Odeonsplatz eine große Kundgebung stattfindet. Die Landwirte wollen damit ihrem Unmut über die Untätigkeit der Regierenden in Land und Bund Luft machen.

Existenz gefährdet

Bundesvorsitzender Romuald Schaber machte in Oberviechtach deutlich, dass die Existenz vieler Milchbauern bei der derzeitigen Unterbezahlung stark gefährdet sei und sich manch landwirtschaftlicher Betrieb eher rückwärts entwickeln müsse, anstatt in die Zukunft investieren zu können. Dies sei nicht nur das Problem der Milchbauern, sondern betreffe den gesamten ländlichen Raum. Mehrere Milliarden Euro an Wertschöpfung seien alleine durch die Tatsache verloren gegangen, dass der Milchpreis seit dem Vorjahr zehn Cent zurückgegangen ist und das bei im Jahr produzierten 31 Millionen Tonnen Milch. Diese Milliarden fehlen der Region und den Landwirten, die damit in ihre Betriebe investieren könnten.

Laut Schaber sei bei dieser von der Bundesregierung geduldeten Preisentwicklung, zum Nachteil der Milchbauern, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Deshalb sei diese Sternfahrt und die Demonstration in München auch erforderlich, um die Politiker, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsminister Schmidt "wachzurütteln". Der BDM wirft ihnen bei der Milchpolitik "Totalversagen" vor.

Plakate zeigen Unmut auf

Mit an den Scheppern angebrachten großen Plakaten, wie beispielsweise mit der Aufschrift "Minister Schmidt, Kanzlerin Merkel & Co machen die Milcherzeuger Ko", drückten die Teilnehmer die Sorge um ihre Existenz aus. Schon vor zwei Jahren habe der BDM an einem runden Tisch in Brüssel Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie die subventionierte und reduzierte Produktion der Milchmenge, jedoch kein Gehör gefunden.

MdB Marianne Schieder, Landrat Thomas Ebeling und der Oberviechtacher Bürgermeister Heinz Weigl sprachen bei der Rast am Volksfestplatz ein Grußwort. Sie drückten ihre Solidarität mit den Milchbauern der Region aus und zeigten Verständnis für ihre Sorgen. Dabei fand gerade die Forderung, den ländlichen Raum durch akzeptable Milchpreise zu stärken, ihre Zustimmung. Schließlich seien die Landwirte auch Natur- und Landschaftspfleger und das Rückgrat des ländlichen Raumes - auch diese Arbeit müsse finanziell gewürdigt werden.

Nach dem Appell von Romuald Schaber, den Milchbauern ihre Arbeit durch einen angemessenen Milchpreis kostendeckend und mit der Möglichkeit zu investieren zu honorieren, fuhr der Tross mit rund 50 Traktoren in Richtung Cham weiter. Am Dienstag werden die Landwirte bei der Demonstration in München ihre Forderungen noch einmal an die Staats- und Bundesregierung richten.
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