Schwitzen für Schulvergleich

Hoher Sicherheitstandart für den internationalen Vergleich: Die beiden Klassenlehrer und Rektor Rudolf Teplitzky (Mitte) dürfen die Fragen am Bildschirm nicht lesen. Testleiter Martin Rödl passt auf. Bild: Portner
Lokales
Oberviechtach
30.04.2015
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Was 15-Jährige in 70 Ländern der Erde wissen und können, dies ermittelt wieder einmal der PISA-Test, dem sich im April und Mai 300 000 Jugendliche an 9000 Schulen stellen. Auch 45 Schüler der Doktor-Eisenbarth-Schule lösten die Aufgaben zu Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaft.

Von Albanien bis Trinidad, von Israel bis Peru. In 70 Ländern der Erde untersucht PISA alle drei Jahre, inwieweit Schüler gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit Kenntnisse und Fähigkeiten erworben haben, die es ihnen ermöglichen, an der Wissensgesellschaft teilzuhaben.

Premiere per Stick

Während 2012 noch die Papierform vorherrschte, wird heuer am PC abgefragt. Allerdings nicht online - sondern aus Sicherheitsgründen per Stick. Die Lehrer bekommen die Aufgaben gar nicht erst zu Gesicht, damit sie Informationen nicht an befreundete Kollegen anderer Schulen weiterleiten. Mogelei oder Täuschen soll beim Test unmöglich sein. Die zwei Computerräume an der Doktor-Eisenbarth-Schule glichen jedenfalls am Mittwoch und Donnerstag einem "Hochsicherheitstrakt". Die Lehrkräfte durften keinen Blick auf die Bildschirme werfen und waren nur zur pädagogischen Betreuung im Raum, wie Rektor Rudolf Teplitzky erklärte. Die Aufsicht hatte Martin Rödl aus Laaber - im Auftrag der OECD in Hamburg (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). "Ich hatte in meiner ganzen Laufbahn bisher noch nichts mit PISA zu tun", sagte der Rektor. Die DESO sei durch ein Zufallsverfahren ausgewählt worden. Schon vor Monaten fand eine Systemdiagnose an der Schule statt. "Es wurde unsere PC-Tauglichkeit für den internationalen Vergleich geprüft", erklärt Teplitzky. Die Schule musste sich danach verpflichten, diesen Standart aufrechtzuerhalten.

Spicken unmöglich

Für die Teilnahme wurden 15 Schüler der 9a bestimmt. Dazu kamen 30 Schüler im Alter von 15 Jahren aus anderen Klassen (auch achte und zehnte Jahrgangsstufe). Insgesamt werden in Deutschland 11 300 Schüler aus allen Schularten getestet. Spicken und abschauen sind bei PISA unmöglich. Denn die Fragen sind nicht identisch. Die Aufgaben stammen lediglich aus einem gemeinsamen Grundkatalog und sind in ihrer Schwierigkeit vergleichbar.

Am Testtag galten strikte Regeln. Von der Aufsichtsperson durften nur technische Fragen zum Ablauf beantwortet und keine inhaltlichen Hilfen gegeben werden. Sehr wichtig war, dass der weltweit einheitlich abgestimmte Erklärtext vor jedem Durchlauf verständlich vorgetragen - und nicht etwa vor der Klasse einfach nur heruntergeleiert wird. Mit Pausen sowie Vor- und Nachbesprechung brüteten die 45 Jugendlichen vier Stunden über den Aufgaben aus den drei Kompetenzgebieten. "Besonders Mathematik war schwer", stöhnte ein Mädchen. Nachdem der Testleiter die Sticks eingesammelt hatte, gab es dann doch noch Papier - und zwar in Form eines Elternfragebogens. Dessen Auswertung wird zu den Testergebnissen in Beziehung gesetzt. Auch schulische Rahmenbedingungen spielen im internationalen Vergleich eine Rolle - dazu wurden Lehrkräfte und der Rektor befragt.

Ergebnisse erst 2016

Mit den Ergebnissen von PISA 2015 ist allerdings erst im Dezember 2016 zu rechnen. Übrigens: 2012 lag Deutschland das erste Mal in allen Bereichen deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Im Fach Mathematik reichte es für Platz 16 - hinter Ländern wie China, Polen und Belgien. Diesmal sollen die Ergebnisse noch verbessert werden - der Schwerpunkt liegt 2015 allerdings auf der Naturwissenschaftlichen Kompetenz (Physik, Chemie, Biologie, Geowissenschaft). Hier wird nicht "einfach abgefragt", sondern es müssen teils sehr komplexe wirklichkeitsnahe Fragen beantwortet werden.
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