Sich selbst zurücknehmen

Barbara Ruhland vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (links) und Kreisbäuerin Barbara Hanauer informierten die 120 Landfrauen über aktuelle Belange. Bilder: frd (2)
Lokales
Oberviechtach
14.11.2014
3
0

"Was ich selbst wert bin, hängt nicht vom Urteil meiner Mitmenschen ab, denn ich bin ein Kind Gottes". Bildungsreferentin Waltraud Eichinger machte beim Landfrauenfrühstück klar, dass niemand "perfekt" sein kann. Mit dem Streben danach, könne man der Familie Schaden zufügen.

Bei der Gebietsveranstaltung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) trafen sich Landfrauen aus dem Altlandkreis Oberviechtach in der "Hammerschämke" zum schon traditionellen Landfrauen-Frühstück. Anschließend informierte Ortsbäuerin Barbara Ruhland über Aktuelles vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sowohl in der Teilzeitschule, Abteilung Hauswirtschaft als auch in der Abteilung Landwirtschaft, kommen gute junge Menschen nach, berichtete Ruhland. Bei der Fortbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin werden derzeit 18 Teilnehmerinnen vorbereitet.

Steigende Ansprüche

Ruhland stellte fest, dass in der Landwirtschaft der Bildungsanspruch stark gestiegen sei. Nur wer über genügend fachliches Wissen und Können verfüge, könne erfolgreich sein und auch auf lange Sicht bestehen. Ruhland wies auf den "Tag der Bäuerin" am 20. November in Trisching hin, gab einige Termine der Ernährungsbildung und Qualifizierungsmaßnahmen bekannt und stellte fest, dass derzeit mindestens 100 Kühe erforderlich sind, um in Vollzeitarbeit wirtschaftlich erfolgreich sein zu können.

Kreisbäuerin Barbara Hanauer freute sich über den wieder hervorragen den Besuch von 120 Landfrauen, die sich, bewusst abweichend vom späteren Thema "Perfekt, aber K. o.", ein paar Stunden für sich selbst Zeit genommen hatten und das "gute Frühstück zu guten Gesprächen" genutzt hatten. Hanauer freute sich darüber, dass mit Barbara Ruhland und Rita Biegerl zwei Bäuerinnen in den Oberviechtacher Stadtrat eingezogen sind, denn diese sollten sich durchaus in die Politik "einmischen" und die Belange der Landwirtschaft vertreten. In einem gut gestalteten Vortrag schlüpfte Bildungsreferentin Waltraud Eichinger in die Rolle der Frau "Tu recht gut" und erzählte aus deren Sicht, dass bei ihr daheim nicht immer alles "rund läuft" und Mann und Kinder ihre Arbeit "rund um die Uhr" einfach nicht sehen, nicht anerkennen wollen und nicht zu schätzen wissen. Wobei sie doch immer "perfekte Arbeit" abliefern wolle.

Bis zur Erschöpfung

Ihr Ziel sei, im Haushalt, in der landwirtschaftlichen Arbeit, in der Betreuung der Familie und sogar als die Geliebte ihres Mannes "perfekt" zu sein. Das würde ihr zur rechten Zeit und immer öfter misslingen, da sie nach getaner Arbeit erschöpft ins Bett falle und dennoch nicht einschlafen könne, da noch so viel Arbeit liegengeblieben sei. In so einem Falle gelte es, so Waltraud Eichinger, sich selbst zurückzunehmen, die Fenster oder die Wohnung einmal weniger zu putzen und wenn möglich, auch einige Aufgaben an die Familienmitglieder zu verteilen. Die dadurch frei werdende Zeit könne zur gemeinsamen Zeit mit der Familie, aber auch zur eigenen Entspannung genutzt werden.

Ihr Fazit: Je mehr Perfektion angestrebt werde, umso weniger gelinge sie meist, da ständige Unzufriedenheit mit sich selbst ganz sicher nicht zum Familienfrieden beitrage. Mit diesem Wissen gingen die Landfrauen "an Leib und Seele gestärkt" nach Hause.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.