Strahlend lächeln mit Elfenbein

Lokales
Oberviechtach
08.05.2015
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Wenn das Gebiss über Bord geht, ist auch das Image dahin - nicht nur das Kauwerkzeug. Zahntechniker Günther Flierl kennt sich aus mit falschen Zähnen. Für den Museumsverein packt er sein Wissen aus.

Zähne sind eigentümliche Erscheinungsgebilde. Sie werden als Schmuck charmanten Verhaltens gezeigt und sie sind ebenso auch ein Aggressionsmittel. Sie verändern den Gesichtsausdruck, erzeugen Jugendlichkeit - oder ihr Fehlen lässt den Träger schon in jungen Jahren vergreisen. Mit dieser Kurzbeschreibung führte der gelernte Zahntechniker Günther Flierl in seinen Vortrag ein, der sich mit den sogenannten "falschen Zähnen" befasste und zu dem der Museumsverein in das Kulturzentrum eingeladen hatte.

Zahnlose Beamte

"Der Schmuckwert der Ära falscher Zähne war weitaus größer als der reine Zweck des Kauens. Das Sprechen, es wäre ohne Zähne kaum machbar", betonte Flierl. Dieses Problem verdeutlichte sich in früherer Zeit bei der Frühpensionierung von Beamten, welche zahnlos nicht mehr für den Parteiverkehr brauchbar waren.

Viele Schriftsteller haben Anekdoten über das Problem der Zahnlosigkeit überliefert. So zum Beispiel musste im Jahr 1877 eine wichtige Rede des amerikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant an das Volk ausfallen, weil kurz vorher ein böser Zufall sein Gebiss über Bord spülte. Und da gab es noch Ritter Sir Dark, welcher auf dem Lehnstuhl sitzend, mit einer Zigarette zwischen den Lippen einnickte und dabei seine Zelluloidprothese im Mund in Brand setzte. Günther Flierl blendete anschließend auf die geschichtlichen Archivalien zurück, aus denen ersichtlich ist, dass es bereits in der Zeit der Etrusker - also vor gut 2000 Jahren - Zahnersatz aus Gold und Bein gab.

Als eitel verpönt

Im 18. Jahrhundert zierten sich reiche Herrn mit primitiven viereckigen Elfenbeinzähnen, welche "bei Tisch" häufig auch herausgenommen wurden. Um 1840 hatten die künstlichen Zähne schon ein sehr natürliches Aussehen erreicht. Obwohl sie auffallend künstlich aussahen und unbequem im Mund saßen, trug man sie auch schon zum Essen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederum waren künstliche Zähne verpönt und wurden dem Benutzer oft als "Eitelkeit" angekreidet.

Auch die Römer fertigten schon Gebisse, welche aber zum Essen herausgenommen wurden. Aus dem Jahr 1640 ist ein Schriftstück bekannt, bei dem berichtet wird, dass "Ersatz-Zähne zur Festigung und Kräftigung benachbarter Zähne dienen". Aus derartigen Notizen ist auch bekannt, dass es vorteilhaft sei, die Zähne von Tieren, etwa von Schafen und Hunden, in den menschlichen Kiefer zu verpflanzen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fanden gelernte Goldschmiede und Elfenbeindreher heraus, dass sich mit der Anfertigung falscher Zähne viel Geld verdienen ließ. In Zeitungsanzeigen damaliger Zeit wurde damit geworben, dass künstliche Zähne so gut sitzen, dass man sogar mit ihnen essen könne.

Echt oder künstlich

"Das Tragen falscher Zähne muss aber oft auch eine Pein gewesen sein", folgerte der Redner. Dabei gab es aber für unterschiedliche Qualitäten auch unterschiedliche Preise.
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