Streit ums Bier-Monopol

Maximilian Zinnbauer (Mitte) und Dr. Emma Mages (rechts) tragen sich ins Gästebuch der Stadt ein. Anlass dafür war die Präsentation eines neues Bandes, der laut Zweiter Bürgermeisterin Christa Zapf (im Hintgergrund links) tiefe Einblicke in die Vergangenheit Oberviechtachs gestattet. Mit im Bild: Paul Wallinger, Willibald Wirnshofer (im Hintergrund rechts) und Ellen Zinnbauer (links). Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
07.05.2015
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Eine teure Ohrfeige, Gerangel um Kompetenzen und der Gerstensaft haben schon vor 500 Jahren die Juristen beschäftigt. Details dazu hat Maximilian Zinnbauer ausgegraben.

Maximilian Zinnbauer hat ein weiteres Werk in seiner Serie "Quellen und Erörterungen zur Geschichte von Oberviechtach" vorgelegt. Mit Gerichtsliteralien aus "Kurbayern - Geheimes Landesarchiv 1525" für die Zeit von 1337 bis 1683 präsentierte er im Sitzungssaal des Rathauses vor einer Reihe von Ehrengästen und Mitarbeitern das neu überarbeitete Heft 3 aus dem Jahr 1997.

Ein Gulden Strafe

"Ein Gulden Strafe für Georg Jakob, Wirt zu Nutzenriedt, das er Hannsen Kitzmagen zu Vichta ein mauldaschen geben." Hinter dieser altertümlichen Erklärung verbirgt sich ein Gerichtsurteil aus dem Jahre 1594: Der damalige Wirt aus Nunzenried hatte einem Gast aus Oberviechtach einen Schlag ins Gesicht versetzt. Dafür war er zu einem Gulden Strafe verurteilt worden. So sehen die Urteile von anno dazumal aus, die heute oft schmunzeln lassen. Zu finden sind sie in Original-Auszügen aus dem zum Teil handschriftlichen Briefverkehr zwischen Pflegbeamten und Kuradel.

Es war ein langgehegter Wunsch des Verfassers Zinnbauer, diesen jetzt vorliegenden Band in die Tat umzusetzen. Zugrunde liegt der Vorschlag von Professor Dr. Peter Schmid, dem Emeritus für Bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg. Er hat Zinnbauers Projekt von Anfang an begleitet. Gegliedert in Faksimiles, Transkription und Kurzzusammenfassung wie bei den bereits veröffentlichten Bänden der Grauen und der Blauen Reihe liegt es nun vor.

Bei den edierten Gerichtsliteralien geht es unter anderem um den ehemaligen Markt Oberviechtach ab dessen Zugehörigkeit zum Kurhaus Bayern im Jahr 1628, um einen weiteren Markttag sowie einen Streit um das Bier-Monopol. Die Handschriften sind für die Geschichte des Marktes, welcher am 20. September 1952 zur Stadt erhoben wurde, beachtenswert. Sie übermitteln ausführlich die Probleme und Bedrückungen des vormals kalvinistischen Magistrats und die seiner Bürger. Aber auch Einblicke in die Zeit während und nach dem Dreißigjährigen Krieg werden gewährt, mit all seinen religiösen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

In einem kurzen Überblick über den Inhalt des Schriftwerks, darunter auch der Besetzung der Oberpfalz durch Truppen von Herzog Maximilian im Jahr 1626, bei dem der Markt Oberviechtach seine alten Marktrechte verlor, schildert der Autor die Probleme dieser Zeit. Dabei geht es auch immer wieder um das schlechte Verhältnis zwischen den Pflegbeamten auf Haus Murach und dem Ratsgremium des Marktes.

"Sehr verhasst"

Der Hauptpfleger oder amtierende Pflegekommissar war bei den Bürgern des Marktes mit wenigen Ausnahmen sehr verhasst. Ein großer Teil des fortlaufenden Schriftwechsels handelt auch von der zurückliegenden Praxis bei der Gerichtsausübung am Niedergericht des Marktes und über die Auseinandersetzungen von Pflegern mit dem Markt um die Rechtsprechungskompetenz. Die Fortsetzung dieser Gerichtsliteralien findet im Band 4 der "Roten Reihe" statt, stellte Zinnbauer in Aussicht und machte neugierig auf die weiteren noch in Arbeit befindlichen Bücher.

Zinnbauer dankte allen, die ihn bei seiner Forschungsarbeit unterstützt haben, darunter Studiendirektor a.D. Paul Wallinger, stellvertretende Bürgermeisterin Christa Zapf, Richter a.D. Wolfgang Waldherr, Bürgermeister Heinz Weigl und Willibald Wirnshofer sowie Dr. Emma Mages von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

"Er ist ein Glücksfall für unsere Stadt" würdigte Zapf den Verfasser der umfangreichen Geschichtsedition. "Wir bekommen dadurch tiefe Einblicke in die Vergangenheit unserer Stadt." Auch für weitere Werke sicherte die Bürgermeisterin die finanzielle Unterstützung der Stadt zu.
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