Überraschender Eisenbarth-Fund

Das "neue" Lied weist neun Strophen auf, darunter auch solche, die in dem (zum ersten Mal) 12 Strophen umfassenden Text von 1818 nicht enthalten sind. Repro: sst
Lokales
Oberviechtach
28.10.2015
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Vor 288 Jahren starb der Okulist, Bruch- und Steinschneider Johann Andreas Eisenbarth. Obwohl die Eisenbarth-Forschung Jahrzehnte lang jedem Winkel seiner Vita nachspürte, tauchen auch heute noch immer wieder überraschende Funde zu seinem Leben und Wirken auf.

Um einen sehr bedeutenden handelt es sich bei der Entdeckung der ersten Veröffentlichung des Eisenbarth-Liedes mit einer Melodie aus dem Jahr 1810. Zu verdanken ist dieser glückliche Umstand dem unermüdlichen Einsatz von Christian Schießl, der via Internet dem berühmten Oberviechtacher Wundarzt des Barock seit Jahren auf der Spur ist und schon eine Reihe von bisher nicht bekannten Materialien zu Tage gefördert hat.

Schon 30 Jahre früher

Den bisher höchsten Stellenwert hat jedoch sein jüngster "Coup", denn bisher war man der Annahme, die erste Publikation des Eisenbarth-Liedes mit einer Melodie stamme aus dem Jahr 1840. So ist es auch nachzulesen in dem Buch von Dr. Ludwig Schießl, dem Vorsitzenden des Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreises International. Dort ist auf Seite 31 unter dieser Prämisse eine Abbildung des Liedes aus dem Deutschen Volksliedarchiv Freiburg abgedruckt.

Die von Christian Schießl ausfindig gemachte Version erschien 30 Jahre früher, und zwar als Nummer 4 unter dem Reihentitel "Komische Gesänge mit Begleitung der Guitarre", herausgegeben im Friedrich-Hofmeister-Musikverlag in Leipzig. Sie stammt von dem Komponisten J. E. Reiner. Dieser Hinweis ist umso bedeutender, als bisher in Bezug auf den Verfasser des Liedes immer sehr vage von "Göttinger Studentenkreisen" die Rede war.

Das "neue" Lied weist neun Strophen auf, darunter auch solche, die in dem (zum ersten Mal) 12 Strophen umfassenden Text von 1818 nicht enthalten sind. Wichtig ist jedoch vor allem die (allseits bekannte) sechste Strophe, denn durch sie lässt sich die Entstehung des Liedes ungefähr datieren. Hier ist nämlich von der Kuhpockenimpfung die Rede. Diese wurde von dem englischen Landarzt Edward Jenner (1749-1823) im Jahr 1796 wissenschaftlich begründet. Die Tatsache, dass im Eisenbarth-Lied darauf eine Anspielung vorkommt, bedeutet, dass dieses vorher nicht existiert haben konnte. Demzufolge datiert man den Ursprung des Schmähgesangs auf die Zeit um 1800.

Durch Christian Schießl, der als Eisenbarth-Forscher in die Fußstapfen seines Vaters Dr. Ludwig Schießl und seines Großonkels Bürgermeister Georg Neuber (1922-1977) getreten ist, ist die Rezeptionsgeschichte Doktor Eisenbarths mittlerweile um eine Reihe von Erkenntnissen reicher. Von ihm darf in Zukunft sicherlich noch einiges zu erwarten sein, denn sein Spürsinn ist ungebrochen.

Vortrag zum Todestag

Die neu entdeckte Version des Eisenbarth-Liedes wird auch in dem Vortrag zur Sprache kommen, den Dr. Ludwig Schießl am 11. November, dem Todestag Johann Andreas Eisenbarths, im Kulturzentrum in der Marktmühle halten wird. Sein Titel lautet: Vom Wundarzt zum Wunderarzt - Die "wundersame" Metamorphose des Doktor Eisenbarth.
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