Verfahren wegen "Kindesentzug" eingestellt - Streit um Unterhalt
Vater darf Tochter nicht sehen

Lokales
Oberviechtach
07.03.2015
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Obwohl die Angeklagte gar nicht anwesend war, und wegen "finanzieller Not" im grenznahen Raum in Tschechien bei ihrer Mutter blieb, ging es am Donnerstag bei einer Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Schwandorf, Nebenstelle Oberviechtach, recht turbulent zu.

Rechtsanwalt Gottfried Högerl, der die junge Mutter vertrat, setzte sich mit großer Vehemenz und nicht immer in leisem Tonfall für seine Mandantin ein. Es kam schließlich zu keiner Verurteilung der Angeklagten, so dass das Verfahren wegen "Kindesentzug" eingestellt worden ist. Die Gerichtskosten muss die Frau tragen.

Wie zur Sprache kam, war das in Oberviechtach wohnende Ehepaar Weihnachten 2013 noch gemeinsam mit der damals fünfjährigen Tochter in Tschechien, um mit der Mutter der Ehefrau die Festtage zu feiern. Doch bereits im Januar soll es dann zu Streitigkeiten, und nach Aussage des Verteidigers der Angeklagten, auch zu Handgreiflichkeiten seitens des Ehemannes gekommen sein. Die Frau verließ mit ihrer Tochter die Wohnung und zog in ein Frauenhaus im Landkreis. Da sie jedoch keinerlei finanzielle Mittel von ihrem Ehemann bekommen habe, sei sie mit ihrer Tochter schließlich zur Mutter nach Tschechien zurückgegangen, wo sich die beiden nach Aussage des Anwalts immer noch aufhalten.

Da das Kind ohne das Einverständnis des ebenfalls sorgeberechtigten Vaters ins Ausland mitgenommen wurde, so die Erklärung von Richter und Staatsanwältin, erfülle das den Straftatbestand des Kindesentzuges. Der Ehemann hatte Anzeige erstattet und sich einen Rechtsanwalt genommen. Er verdiene monatlich weit über 2000 Euro netto, zahle aber an Frau und Kind keinen Cent, so der Einwurf des Verteidigers, was der Ehemann mit den Worten quittierte: "Solange ich meine Tochter nicht sehen darf, zahle ich auch kein Geld!" Mehrfach war der Vater in Tschechien und suchte die Wohnung der Schwiegermutter auf. Dort sei ihm aber immer wieder gesagt worden, dass seine Frau und seine Tochter nicht da wären.

Gericht und Staatsanwaltschaft waren sich zwar einig, das der Tatbestand der Kindesentziehung erfüllt ist, konnten sich jedoch nach einer Besprechung angesichts der besonderen Umstände in dieser Familie darauf einigen, das Verfahren einzustellen. Damit findet die Sache vermutlich vor einem Familiengericht eine Fortsetzung.
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