Vergebliches Bittgesuch

Die zweirädrige, ausfahrbare Magirus-Leiter (Kauf 1918) ermöglichte die Brandbekämpfung von oben. Die Aufnahme aus den 30er Jahren zeigt einen Übungseinsatz am Marktplatz. Repro: lg
Lokales
Oberviechtach
07.07.2015
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Der erste große Einsatz für die Oberviechtacher Feuerwehr scheiterte an der Ausrüstung. 20 Häuser fielen dem Brand von 1865 zum Opfer. Auch König Ludwig II. sollte daraufhin Geld für eine Druckspritze locker machen.

Die Revolution von 1848 schuf einen Spielraum für bürgerliche Eigeninitiative und bildete somit die Voraussetzung für die Gründung von Freiwilligen Feuerwehren in Bayern, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt ist. Im Markt Oberviechtach wurde die Möglichkeit, dieses Freiwillige Selbsthilfe-Organ einzurichten, am 9. Juli 1865 realisiert. Fast auf den Tag genau wird jetzt vom 10. bis 13. Juli dieses 150-jährige Bestehen gebührend gefeiert.

Seitens des Oberviechtacher Magistrats war bereits 1807 eine erste "Feuerspritze" angeschafft worden, die vom Regensburger Kupferschmied Georg Paul Zitzmann gefertigt worden war. Dieses Löschgerät wurde 1865 von der neu gegründeten Wehr ebenso übernommen wie die anderen vorhandenen Ausrüstungsgegenstände im damaligen "Communfeuerhaus" in der Sailergasse.

Die 65 Mitglieder des neu gegründeten Feuerwehr-Corps, die sich per Unterschrift zum freiwilligen Dienst verpflichteten, stammten aus allen im Ort vorhandenen Berufssparten (siehe Info-Kasten).

Zusammen mit dem Ausrüstungsmaterial wurde dem Feuerwehr-Corps auch das bereits bestehende Übungsgelände am Schießanger überlassen, wo mit der Gründung der Wehr ein "Steigerhaus" als Übungsgebäude errichtet wurde. Hier konnte beispielsweise der Einsatz verschiedener Leitertypen und auch eines Sprungtuchs geprobt werden. Die Aufstellung dieses Steigerhauses am Samstag, 29. Juli 1865, um 5 Uhr früh (!) wurde mit einem Richtfest verbunden, bei dem der Verwaltungsrat und die gesamte Feuerwehrmannschaft nach getaner Arbeit zu den Klängen einer Musikkapelle feierten.

20 Anwesen vernichtet

Am 4. Oktober des Gründungsjahres kam es im Markt zu einem verheerenden Großbrand, bei dem in der Oberen Gasse (heute Nabburger Straße) und am oberen Taubenplatz (heute Klostergasse) 20 Anwesen vernichtet wurden. Die "München-Aachener Feuerversicherung" berichtet, dass es "der jungen Feuerwehr des Ortes" trotz intensiven Bemühens nicht gelang, das Feuer einzudämmen, weil eine leistungsfähige Saug- und Druckspritze fehlte. Die von der Kommune übernommene Druckspritze konnte nicht ansaugen und musste per Eimerkette mit Löschwasser versorgt werden. Schon vor diesem Brand waren Initiativen zum Kauf einer modernen Saug- und Druckspritze eingeleitet worden, aber die Kosten in Höhe von 1239 Gulden hatten die Anschaffung blockiert. Selbst an König Ludwig II. war ein Bittschreiben gerichtet worden.

Doch dieses Begehren wurde ebenso abschlägig beschieden wie ein Antrag an die "München-Aachener Mobiliar-Feuerversicherungsgesellschaft". Schließlich wurde aber aufgrund Verfügung der Regierung in Regensburg die Spritze aus Distriktmitteln finanziert. Sie wurde im Mai 1866 in Oberviechtach stationiert und verlieh der Wehr den Status einer "Stützpunktfeuerwehr".

Erste Fahne 1867

Auch ein pferdebespannter Mannschaftstransportwagen wurde angeschafft und folgerichtig eine Regelung für die Bespannung von Wagen und Spritze in die Wege geleitet. Für Spanndienste gegen Entgelt ließen sich folgende Pferdebesitzer verpflichten: Posthalter Joseph Gillitzer, Tafernwirth Joseph Suckart, Tafernwirth Michael Schießl, Bäcker Mathias Welnhofer, Metzger Alois Suckart und Bote Michael Schön.
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