Verhaftung als Befreiungsschlag

Der frühere Neo-Nazi Manuel Bauer klärte die Schüler der Mittelschule bei der Projektwoche gegen Rassismus über die Rechte Szene auf und appellierte an die jungen Menschen, sich nicht von deren Gedankengut einfangen zu lassen. Bild: weu
Lokales
Oberviechtach
14.07.2015
1
0

Manuel Bauer war eine Größe der Rechten Szene. 2002 schaffte er den Ausstieg und versucht nun durch Aufklärungsarbeit ein Stück Wiedergutmachung an der Gesellschaft zu leisten.

"Früher dachte ich, ich sei ein Held. Heute weiß ich, es war falsch." Diese Erkenntnis versuchte Ex-Neonazi Manuel Bauer den Schülern der Mittelschule bei der Projektwoche gegen Rassismus zu vermitteln. Nachdem Rektor Rudolf Teplitzky einen Abriss über die Zeit des Nationalsozialismus gegeben hatte, fesselte Manuel Bauer die Zuhörer in der Mehrzweckhalle über zwei Stunden und machte sie sehr betroffen.

Mit elf Jahren kam er in seiner Heimat bei Leipzig mittels Musik in den Kontakt mit der Szene. Damals seien 80 Prozent der Jugendlichen an der Schule rechts gewesen und Jugendclubs mit Namen wie "Zur Glatze" sowie Hakenkreuze gehörten zum alltäglichen Bild, das auch von Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Asylbewerbern geprägt war. "Wenn alle so dachten, konnte es doch nicht verkehrt sein", war seine Begründung. Das Gedankengut, "Deutschland von erbkrankem Blut befreien zu müssen", verfestigte sich durch den Gruppenzwang immer mehr. Was mit kleinen Schlägereien angefangen hatte, entwickelte sich bald zur Hemmungslosigkeit. Erpressungen, Überfälle, Brandstiftung in Asylheimen und Gewalt gehörten zum Alltag und stärkten das Selbstbewusstsein. Manuel Bauer machte "Karriere" in der Szene, er war Chef der "Wehrsportgruppe Racheakt" und Mitbegründer des "Bundes Arischer Kämpfer", er war international tätig und Geld spielte keine Rolle mehr. Mit 21 Jahren war er auf dem Zenit seines Erfolges. "Ich hatte keine Gefühle mehr, war zu weit oben und konnte nicht mehr zurück", bekannte der Ex-Neonazi.

Seine Verhaftung empfand er als Befreiungsschlag. Vier Jahre Knast folgten. Erst als ihm bei einer Schlägerei zwei türkische Insassen geholfen hatten, wurde der Schalter in seinem Kopf umgelegt. Von der Szene verstoßen, nahm sich die Aussteigerorganisation Exit seiner an. Heute ist Bauer ständig auf der Flucht, muss immer wieder umziehen und wird international gesucht.

Seine Gefühle drückt er in der Kunst aus, anstatt in Gewalt. Nach vielen Anti-Aggressions-Maßnahmen hat er seinen Schul- und Berufsabschluss nachgeholt. Er appellierte an die jugendlichen Zuhörer, sich nicht über die Musik von der Szene einfangen zu lassen: "Wenn man einmal drin ist, kommt man nur schwer wieder heraus."

Wichtig sei, den jungen Menschen ein anderes Leben aufzuzeigen und ihnen klar zu machen, dass sie auch außerhalb der Kameradschaft etwas wert sind. Wenn er gewusst hätte, wie sein Leben durch die Szene geprägt wird, wäre er niemals dazu gegangen, so sein Resümee.

In den Workshops, die im Anschluss stattfanden, wurden ausländerfeindliche Parolen aufgeschrieben, die in Medien, von Eltern oder in der Gesellschaft zu hören sind. Diese wurden besprochen, auf Ursprung und Wirkung hin beleuchtet sowie deradikalisiert und entschärft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11033)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.