Vom Genie zum Wahnsinn

Die Wandlung vom schüchternen Professor zur blutrünstigen Hyäne stellte Dr. Florian Waldherr gigantisch dar. Lisamarie Berger spielte mit Souveränität die naive Schülerin. Bild: weu
Lokales
Oberviechtach
07.10.2015
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Mit dem Stück "Die Unterrichtsstunde" von Eugène Ionesco hat das Mehrgenerationenhaus auch seine kulturelle Premiere erlebt. Die Schauspieler brachten hervorragende Leistungen auf die Bühne und verblüfften das Publikum.

Bis auf den letzten Platz war der Saal des neuen Mehrgenerationenhauses besetzt, als der "Gundeling" (Michael Brunner) aus dem Doktor-Eisenbarth-Festspiel die Gäste begrüßte und die Schauspieler vorstellte. Auf der Bühne spielt sich eine fast alltägliche Szene ab. Eine einfältige Abiturientin mit Zöpfen (Lisamarie Berger) klingelt beim Professor (Dr. Florian Waldherr), um auf Wunsch ihrer Eltern Privatunterricht zu bekommen.

Die skurril mit Augenklappe und verletztem Arm erscheinende Haushälterin Marie (Martina Baumer) öffnet. Die Kettensägengeräusche erschließen sich dem Zuschauer erst gegen Ende des absurden Stückes. Nach einigen einfachen Fragen und eigenartiger Arithmetik ("Ich nehme von zwei Ohren eins weg, wieviel bleiben?") wird das Mädchen zunehmend mit abstruser Philosophie konfrontiert. Marie warnt zwar ihren Herrn: "Nicht Philosophie lehren, das führt in die Katastrophe!" Der hört jedoch nicht auf sie, wird immer seltsamer, lauter, verrückter. Nervös, aggressiv und befehlshaberisch wendet er sich dem Mädchen zu, das mittlerweile verzweifelt am Boden liegt und über Zahnschmerzen klagt.

Kein gutes Ende in Sicht

"Sie hören nicht zu, dummes Huhn", ist der Kommentar des Professors, der schweißgebadet und mit wirren Haaren agiert. "Ruhe, oder ich schlage Ihnen den Schädel ein", deutet schon massiver an, dass kein gutes Ende erwartet werden kann. Mit dem Satz "Marie suchen Sie mir das Messer!" nimmt das Schicksal seinen Lauf. " Was habe ich getan? Was ist mit mir geschehen?", sinniert der Professor, als er wieder zu Sinnen kommt. Mit liebevollen Worten bittet er die Schülerin: "Stehn Sie doch auf, die Stunde ist zu Ende." Entsetzt reagiert er auf deren Tod. Da klingelt es an der Tür. Marie öffnet, die 41. Schülerin kommt herein.

Showtanz als Gag

Als speziellen Gag und kleines Dankeschön an die Garde Grün-Weiß ließ Regisseur Florian Wein alle Gardemädchen der Aktivengarde als Schülerinnen hereinkommen, die dann auch einen Showtanz präsentierten. Dr. Florian Waldherr lief als Professor zur Höchstform auf. Mit totalem Körpereinsatz schaffte er mit spielerischer Leichtigkeit die Wandlung vom normalen, schüchternen Professor zur "blutrünstigen Hyäne", vom Genie zum Wahnsinn, das von niemandem besser dargestellt werden könnte. Auch Lisamarie Berger und Martina Baumer, die beide schon viel Bühnenerfahrung beim Doktor-Eisenbarth-Festspiel gesammelt haben, spielten ihre Rollen so genial und überzeugend, dass die Zuhörer am Ende des Stückes überzeugt waren: "Wie Profischauspieler!"

Regisseur Florian Wein, der Leiter der Theatergruppe "Ovigo", der Oberviechtach schon mit vielen interessanten Inszenierungen überrascht hat, ist mit diesem nicht einfachen Stück wieder einmal ein großer Wurf gelungen. Mit viel Liebe zum Detail und offenem Führungsstil hat er die Schauspieler zu den grandiosen Leistungen geführt. Er dankte für die "sensationelle Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Hauses" und ist sich sicher: "Das Haus wird durch seine Veranstaltungen zum Schmuckkästchen werden."
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