Vorsätzliche Körperverletzung mit 600 Euro geahndet - Zwischenfall in einer therapeutischen ...
Faustschlag sitzt: Betreuer "niedergestreckt"

Lokales
Oberviechtach
03.03.2015
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Obwohl er einen Mitarbeiter einer therapeutischen Einrichtung im Altlandkreis mit einem gezielten Faustschlag niederstreckte und ihm dabei den Kiefer brach, kam der aus Landshut stammende Angeklagte gerade noch einmal mit einem "blauen Auge" davon. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwandorf, Zweigstelle Oberviechtach, gab es als Strafe für diese schwere Körperverletzung nur 120 Tagessätze zu je fünf Euro.

Dass es die Mitarbeiter einer therapeutischen Einrichtung nicht leicht haben und auch mit körperlichen Angriffen der Bewohner rechnen müssen, ist bei einer Gerichtsverhandlung wieder einmal deutlich geworden. Was war passiert? Im Obergeschoss einer Einrichtung war im November 2013 eine Übung mit BGS-Beamten angesetzt, die ihre Suchhunde dabei hatten. Deshalb mussten die Heimbewohner im unteren Stockwerk bleiben, um die Übung nicht zu stören, aber auch um selbst vor den Hunden geschützt zu sein.

Anweisung ignoriert

Ein Heimbewohner, ein 33-jähriger Werkzeugmechaniker aus Landshut, ignorierte die Anweisung, nicht in das obere Stockwerk zu gehen, und wollte Zigaretten aus seinem Zimmer holen. Dies hatte ein Sozialtherapeut bemerkt und dem Mann nahegelegt, sofort wieder zur Gruppe zurückzukommen. Da der Heimbewohner schon öfters eigenmächtige Entscheidungen getroffen habe, hatte der Betreuer noch angemerkt: "Muss man Dir eigentlich alles zweimal sagen?"

Daraufhin ging der 33-Jährige plötzlich auf den Sozialtherapeuten los und versetzte ihm ohne Vorwarnung einen so kräftigen Schlag mit der Faust, dass dieser gegen die Wand geschleudert wurde, sich dabei den Kiefer brach und sofort bewusstlos wurde. Mit einer Gehirnerschütterung wurde er in die Uni-Klinik nach Regensburg geflogen. Mit Kopfschmerzen leidet der Betreuer noch heute an den Folgen dieses Schlages, den die Staatsanwaltschaft vor Gericht als vorsätzliche Körperverletzung wertete. Im Verhandlungsverlauf kam auch zur Sprache, dass der Angeklagte vor einigen Jahren aktiv geboxt hat, woraus sich auch die Wucht dieses Schlages erklären lässt.

Während der Angeklagte versuchte, das Geschehen als Notwehr hinzustellen, da er sich bedroht gefühlt habe, sagten zwei Zeuginnen übereinstimmend aus, dass der Betreuer ihn weder berührt hatte, noch in seine unmittelbare Nähe gekommen war. Der Angeklagte, mit ärztlich bescheinigter Schizophrenie, hatte schon seit dem Jahr 2004 immer wieder mit Betäubungsmitteln zu tun und musste immer wieder in therapeutische Einrichtungen eingewiesen werden. Eine Fachärztin bescheinigte jedoch eine Schuldfähigkeit, worauf Richter, Staatsanwalt und Verteidigung ein "Rechtsgespräch" führten und sich darauf einigten, für diese Tat an das untere Mass einer Geldstrafe zu gehen.

Übung "nicht sinnvoll"

Da der Angeklagte nicht vorbestraft ist, sich auf dem Weg in ein besseres Leben befindet und es als nicht sinnvoll gesehen wurde, in einer Einrichtung mit Behinderten eine derartige Übung abzuhalten, beantragte die Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Körperverletzung nur eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je fünf Euro. Der Richter folgte dem Antrag. Zusätzlich muss der 33-Jährige die Gerichtskosten tragen.
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